Hirschmüller Schinzeler PartG von Architekten mbB mit KERSTEN KOPP Architekten GmbH

Erläuterungen Entwurf

Leitidee / Städtebau

Die Carlo-Schmid-Schule wird zu einem attraktiven Schulcampus erweitert. Der Bestandsbau wird funktional ertüchtigt und umgebaut. Ein neues Fachraumgebäude ergänzt den Bestandsbau im Nordwesten. Das bestehende Werkstattgebäude wird teilweise rückgebaut und an dessen Position eine neue Dreifeldhalle ergänzt. Diese komplettiert die Schule im Südosten. Die bestehende Sporthalle wird rückgebaut. Die Positionierung der sich abstaffelnden Gebäude erzeugt eine große zusammenhängende Freifläche nach Süden Richtung Sportaußenbereich sowie nach Westen in Richtung des angrenzenden Jonny-K.-Aktivparks. Der gegliederte Außenraum erzeugt altersspezifische Angebote und umspielt die Gebäude.

Erschließung

Die Eingänge zu den Gebäuden orientieren sich auf den gemeinsamen Vorplatz mit öffentlichem Charakter. Hier sind die Haupteingänge der Gebäude vorgesehen, welche sich in einem gemeinsamen Foyer verbinden.

Verteilung der Nutzungen

Die Baukörper gliedern sich in verschiedene Bereiche: Im Bestand sind im Erdgeschoß die ggf. stadtteiloffenen Nutzungen wie Aula, Mensa und Bibliothek vorgesehen, im Zwischengeschoß die Verwaltung und in den drei Obergeschossen sind alle Unterrichtsräume verortet. Der Neubau beherbergt sämtliche Fachräume auf vier Etagen: Die Nutzungen sind klar verteilt und ermöglichen eine gute Orientierbarkeit in beiden Gebäuden.

Das schulöffentliche Erdgeschoss

Das Erdgeschoß hat mit seinen einladenden Nutzungen wie Bibliothek, Aula, und Mensa den öffentlichsten Charakter. Aus einer introvertierten Gemeinschaftszone entsteht nun ein heller Bereich mit attraktiven Außenraumbezügen. Das Erdgeschoss ist sehr einladend, es gibt eine Vielzahl von Blickbezügen durch das Gebäude. Zwei kommunikative und breite Treppen dienen als Pausentribüne und können mit dem Foyer zusammen genutzt werden. Sie führen in die Obergeschosse und lenken gleichzeitig Tageslicht in das Erdgeschoss.
Die Mensa und die Aula bilden zusammen den multifunktionalen Veranstaltungsbereich der Schule. Diese können separat vermietet werden. Die Bibliothek mit Lerninseln und Ausstellungsbereichen ergänzen das multifunktionale Angebot. Die Offenheit setzt sich im Neubau fort: Auch hier lädt eine Sitztreppe zur Kommunikation ein.

Struktur der Gebäude

In der Analyse des Bestandsgebäudes ist besonders die ausgelagerte Erschließung Grund für eine erschwerte Orientierbarkeit im Gebäude, welche durch innenliegende Unterrichtsräume zudem eine nicht tragbare Alltagssituation aufweist.
Der vorliegende Entwurf transformiert den Bestandsbau zu einem zukunftsfähigen, attraktiven Schulgebäude: Er öffnet die Mitte des langgestreckten Baukörpers und komplettiert hier die Belichtung über Innenhöfe, die Erschließung und gemeinsam genutzte Funktionen. Die Gliederung gibt ebenso die Struktur der drei Compartments pro Geschoss wieder. Die Kommunikation und Orientierbarkeit wird in die Mitte des Gebäudes gebracht und dadurch pädagogisch wirksam. Alle Unterrichtsräume sind gut belichtet, liegen an der Fassade und sind in den Außenraum orientiert. Die einzelnen Compartments erhalten ihre eignen Zugehörigkeiten und sind doch Teil des Ganzen.
Der kompakte, viergeschossige Neubau orientiert sich zu allen Himmelsrichtungen. Auch hier sind alle Unterrichtsräume – hier Fachräume – an der Fassade vorgesehen. Die Mitte des Gebäudes wird über die großzügige, kommunikative Treppe gebildet. Wechselnde Loggien schaffen einerseits Angebote an die verschiedenen Funktionen (Sternwarte, Außenlabor, Grünes Klassenzimmer, etc.) und belichten andererseits die gemeinsamen Bewegungs- und Aufenthaltsflächen.

Vegetabile Hülle / Alleskönner

Beide Gebäude erhalten eine vorgelagerte Hülle, die verschiedene Funktionen beinhaltet: Als Klimahülle verschattet sie die Räume, erzeugt Energie durch Photovoltaikelemente in der Brüstung, die Bepflanzung spendet Kühle und ebenso dient sie als Rettungsweg. Einläufige Treppen führen (vor den Teilungsräumen) ins Freie. Ebenso verbinden die Treppen beide Gebäude miteinander und erzeugen einen short cut.

Freianlagen

Leitidee: Eine klimaresiliente Zukunftsschule durch Entsiegelung und Diversität

Die landschaftsplanerische Gestaltung der Carlo-Schmid-Oberschule basiert auf dem zentralen Thema der Entsiegelung. Mit einer inselhaften Entwurfsmethodik werden großflächige versiegelte Bereiche gezielt aufgebrochen und in vielfältige Freirauminseln transformiert. So entsteht ein offenes, ökologisches, multifunktionales und klimaangepasstes Schulumfeld, das den Bedürfnissen einer „Schule für Alle“ gerecht wird.
Das übergeordnete Konzept gliedert sich in drei Hauptbereiche:
• Einladender Haupteingang: Die neue Eingangssituation öffnet sich großzügig zur Straße hin und signalisiert Offenheit und Zugehörigkeit.
• Aktivierung der äußeren Ränder: Im westlichen und östlichen Perimeter Bereich entstehen thematisch differenzierte Funktionszonen, die das Schulgelände auch am Rand aktivieren und nutzbar machen.
• Multifunktionaler zentraler Schulhof: Im südlich gelegenen Kernbereich entsteht ein großzügiger Schulhof, der sowohl als Bewegungs- und Erholungsfläche dient, als auch für Veranstaltungen wie z. B. die Abschlussfeier genutzt werden kann.

Vegetation und Phytosanierung

Der Entwurf folgt einer naturnahen und nachhaltigen Bepflanzungsstrategie mit Fokus auf Phytosanierung zur Bodenverbesserung. Insgesamt werden 45 standortgerechte Baumarten neu gepflanzt, während der bestehende wertvolle Baumbestand weitestgehend erhalten bleibt.
Im Schulgarten wird ein kleiner Tiny Forest mit artenreicher Gehölz- und Strauchvegetation angelegt. Ergänzt wird dieser durch einen Regenwassergarten mit Wasserpflanzen, der ein ideales Lernfeld für Umweltbildung im Freien bietet.

Zirkularität der Materialien

Die Wiederverwendung vorhandener Baustoffe ist ein zentrales Element der Materialstrategie: Bestehende Asphalt- und Pflasterflächen werden bewertet und teilweise erhalten. Rückgebaute Gebäudeteile werden vor Ort zu Schotter aufbereitet und als wasserdurchlässiger Belag für Schulhof und Wegeflächen eingesetzt. Sitzstufen und Landschaftstreppen entstehen aus Re-Use Rückbau- und aus Abbruchmaterial.

Entwässerungskonzept

Im südlichen Schulhofbereich kommen wasserdurchlässige Schotterbeläge mit begrünten Inseln zum Einsatz.
Im südöstlichen Teil des Geländes wird durch das natürliche Gefälle eine Serie von Versickerungsmulden integriert. Insgesamt wird auf technische Ableitung verzichtet – zugunsten einer sichtbaren und ökologisch wirksamen Regenwasserführung.

Erinnerung & Identität: Geschichtsbewusstsein durch Freiraumgestaltung

Der Entwurf integriert auch gezielt Erinnerungselemente ehemaliger Gebäude und Orte:
Rechteckige Sitzstufen im Schulhof Süd erinnern an die frühere Sporthalle.
Ein tiefer liegende Amphitheater an der Ostseite des Hauptgebäudes nutzt die bestehende Bodenplatte des ehemaligen Mensabaukörpers und markiert so deren Standort.
Vier quadratische Kräuter- und Steingärten um das Hauptgebäude greifen die Positionen der ehemaligen Treppenhäuser auf.
Diese Elemente dienen nicht nur der Orientierung und Identifikation, sondern bieten auch räumlich differenzierte Aufenthaltsqualitäten mit historischem Bezug.

Nachhaltigkeit - Konstruktion, Materialität

Die Auswirkungen des Klimawandels werden immer deutlicher spürbar. Dies erfordert ein radikales Umdenken und aktives Handeln, um die weitere Aufheizung des Planeten zu reduzieren. Der Bausektor trägt erheblich zum CO2 Ausstoß bei. Neben dem Energiebedarf für den Gebäudebetrieb rückt zunehmend der Energiebedarf für Herstellung, Errichtung und Rückbau in den Fokus.

Die Themen Energieeffizienz im Betrieb, Ressourcen schonen in Bau und Rückbau unter besonderer Berücksichtigung der eingesetzten Materialien gilt es besonders zu beachten. Zusätzlich ergeben sich aus der steigenden Anzahl von extremeren Wettereignissen neue Anforderungen an die Gebäude. Starkregenereignisse, Hitzeperioden müssen in der Stadtplanung berücksichtigt werden, daraus ergeben sich zusätzliche Anforderungen an die einzelnen Gebäude.

Der nachfolgend beschriebene Entwurf trägt diesen zusätzlichen Parametern Rechnung, um ein nachhaltiges Projekt realisieren zu können.

Die Materialien sind nach CO2 Emissionen priorisiert und entsprechend den Anforderungen ausgewählt. Der Einsatz von Beton ist auf das notwendige Maß begrenzt. Holz wird aufgrund seiner günstigen CO2 Bilanz bevorzugt eingesetzt.

• Wenn Beton verwendet wird, wird favorisiert RC-Beton benutzt. Dessen Einsatz ist auf das notwendige Maß begrenzt. Holz wird aufgrund seiner günstigen CO2 Bilanz bevorzugt eingesetzt.
• Wo möglich, werden Gebäude und Gebäudeteile und somit deren graue Energie erhalten.
• Die Materialien und Elemente aus dem rückgebauten Schulgebäude und dem WAT Gebäude werden soweit möglich, vor Ort wiederverwendet.
• Zusätzliche Materialien werden aus dem Angebot von Materialbörsen und aus anderen regionalen Rückbauprojekten beschafft. Ein Vorteil, der diesem Verfahren zu Gute kommt, ist der zeitliche Vorlauf von ca. 2 Jahren, bevor die gesammelten und aufbereiteten Materialien wieder zum Einsatz kommen.
• An einem, östlich vom Sportplatz gelegenen Bereich, als auch an der nord-östlichen Zufahrt sind Lagerstellen dafür vorgesehen.
• Die aus dem selektiven Rückbau gewonnen Materialien sowie die beschafften Materialien aus den Materialbörsen werden für den Umbau des Schulgebäudes, für den Neubau der Sporthalle sowie für die Gestaltung der Außenbereiche verwendet.
• Es wird nach dem Prinzip „Design for Disassembly“ gebaut, d.h. die einzelnen Bauteile sind möglichst schadstofffrei und mit lösbaren Verbindungen konstruiert.

Erweiterungsneubau

Tragwerk
Im Sinne einer maximalen Flexibilität sowie einer elementierten und damit wirtschaftlichen und schnellen Bauweise wird das Tragwerk des viergeschossigen und nicht unterkellerten Gebäudes als Holzskelettbau in einem Raster von 8m x 4m geplant und bildet so ein robustes und flexibles Gerüst für sich ändernde Nutzungs- und Raumanforderungen. Senkrecht zu den Fassaden spannende Dach- und Deckenelemente aus BSH/BSP-Holzrippenelementen (8cm Platte + 32cm Rippe) mit oberseitiger gebundener mineralischer Schüttung werden über ein Skelett aus Brettschichtholzbalken d= 48cm und Brettschichtholz-Stützen 32/32cm abgetragen. Zur Aussteifung wird der Sanitärkern mit BSP-Massivholzwänden ausgebildet, die mit Strohlehmplatten beplankt werden. Die Geschossdecken erhalten einen schwimmenden zirkulären Trockenestrichaufbau zum Trittschallschutz.

Um die Eingriffe in das vorhandene Gelände möglichst gering zu halten, wird das Gebäude auf eine Gründung als Bodenplatten mit Balkenfundamenten aus Recyclingbeton gegründet. Aufgrund des Auffüllungshorizontes im Boden werden die Fundamente auf Bohrpfählen gegründet. Durch die Verwendung des leichteren Baustoffes Holz für die Tragelemente, können die Gründungsbauteile gegenüber einem konventionalen Massivbau optimiert und somit die Verwendung von Beton auf ein minimales Maß reduziert werden.

Die Trennwände zwischen den Räumen und zu den Erschließungsflächen werden aus nichttragenden Leichtbauwänden mit Lehmbauplattenbeplankung hergestellt. Durch die Trennung von tragenden und ausfachenden Bauteilen wird die größtmögliche Flexibilität für Anpassungen an zukünftige Nutzungsänderungen gewährleistet.

Klimaaktive Fassade
Die Fassaden werden durch ein System aus hochwärmedämmenden Holzrahmenbauelementen mit eingesetzten Fensterelementen als Holz-Aluminium-Konstruktion mit 3-Scheiben-Verglasungen gebildet und ermöglichen so großzügige Bezüge zum Außenraum und eine sehr gute natürliche Belichtung der Innenräume. Große Öffnungsflügel ermöglichen unabhängig von der jeweiligen Raumaufteilung eine gute Versorgung mit natürlicher Belüftung sowie Nachtauskühlung pro Raum. Die Fensterkonstruktion ist so ausgebildet, dass flexibel Trennwände angeschlossen werden können und damit unterschiedliche Raumaufteilungen möglich sind. Geschlossene Elemente und Brüstungsbereiche werden mit einem Aufbau mit innenseitigen 3-Schichtplatten und außenseitiger Holzfaser-Plattenbeplankung gefertigt und mit recycleter Glaswolle (CO2-neutral) (alternativ Zelluloseeinblasdämmung) ausgedämmt. Vorgesetzt wird eine sägeraue vertikale Schalung aus vorvergrauter Lärchenholzschalung. Durch die Holzbauweise kann die komplette Stärke der Außenwandkonstruktion zur Gebäudedämmung herangezogen werden. Dies ermöglicht die Erreichung eines hohen Dämmstandards bei moderaten Bauteilstärken.

In die Brüstungsbereiche werden Fensterlüfter integriert, die in Kombination mit innenseitig angeordneten Konvektorschächten als Low-Tech-Lösung natürliche Querlüftung (im Winter mit vorgewärmter Außenluft) ermöglichen.

Individuell steuerbare außenliegende Senkrechtmarkisen/Raffstores schaffen einen effektiven Sonnenschutz. Als Blendschutz kommen innenliegende Vorhänge zum Einsatz, die für eine behagliche Innenraumatmosphäre sorgen.

Der sommerliche Wärmeschutz wird durch außenliegenden Sonnenschutzanlagen, thermisch träge schwere Fußbodenkonstruktionen sowie eine effektive Nachtauskühlung gewährleistet.

Zusätzlich sorgt die vorgestellte Balkonzone aus Stahlholprofilen 15x15cm (Stützen) und 20x15cm, ausbetoniert (F60) (Riegeln) ausbetoniert (F60) sowie Gitterrostelementbelägen (alternativ nach Abstimmung Bauaufsicht Fertigbetonplatte 6cm) für eine Pufferzone vor der Gebäudehülle, die für konstruktive sowie vegetabile Verschattung und adiabaten Befeuchtung des Mikroklimas sorgt. Die in den Balkon integrierten Pflanzkästen aus verzinkten Stahlblechen dienen mit Ihrem insektenfreundlichen Pflanzangebot außerdem in Kombination mit integrierten Nistmöglichkeiten für ortstypische Vogelarten der Unterstützung der Biodiversität.

Solar-Grün-Dach
Die Dachkonstruktionen aus Rippenplatten erhalten auf einer Gefälledämmung eine extensive Dachbegrünung mit einem dickschichtigen Substrataufbau zur Befeuchtung des Mikroklimas und Temperaturabsenkung durch Zwischenspeicherung des Regenwassers auf der Dachfläche (Substrat mit für Wildbienen geeignete Pollen und Nektarpflanzen). Zusätzlich wird eine mit der Dachbegrünung harmonierende PV-Anlage auf der Dachfläche angeordnet.

Ausbau - Materialien
Die Materialwahl reagiert nachhaltig und angemessen auf die Schulnutzung. Das Gebäude wird aus robusten und langlebigen Materialien gebaut. Massive Bauteile sollen weitestgehend unverkleidet bleiben, um sie als Wärmespeicher zu aktivieren und damit die thermische Stabilität des Gebäudes zu verbessern. Im Innenbereich führen Kontraste aus warmen organischen und robusten mineralischen Oberflächen die Materialsprache der Fassaden konsequent fort.
Linoleumböden in den Unterrichtsräumen, Leichtbauwände mit Lehmputzoberflächen und Möbeleinbauten aus Holzwerkstoffplatten sowie Akustikdecken aus Holzwolleplatten kontrastieren mit den mineralischen Oberflächen der Nutzestrichböden der Zentral- und Erschließungsbereiche. Leichtbauwände werden in einem hellen Farbkanon gestrichen. Durch die Wahl natürlicher Materialien entstehen eine hohe Behaglichkeit und ein hoher Innenraumkomfort.

Raumakustik
Um die Raumakustischen Anforderungen einzuhalten sowie eine akustische Behaglichkeit zu erzielen, werden in den Aufenthaltsräumen sowie in den Verkehrsbereichen zwischen den Brettschichtholzrippen Holzwolleplatten als Absorberflächen eingebaut. TGA-Leitungsführungen werden in die Akustikdecken sowie Trockenbauwände integriert.

Barrierefreiheit
Die Schulneubauten werden durchgängig barrierefrei geplant:
• Erreichbarkeit des Gebäudes / Behindertenparkplatz / barrierefreier Hauptzugang
• Horizontale und vertikale Erschließung (Aufzug)
• Lage, Anzahl und Ausstattung barrierefreier Sanitär- und WC-Räume
• Orientierung im und außerhalb des Gebäudes durch die übersichtliche Struktur der Baukörper und ein kontrastreiches Farbleitsystem

Sanierung Bestandsgebäude

Konzeption
Das Bestandsgebäude wird zu einem zukunftsfähigen, funktional ansprechenden Schulgebäude transformiert. Dabei werden sowohl die komplexen schulinternen Anforderungen umgesetzt, als auch die Themen, die sich an die Bestandsfassade, die Gebäudetechnik und die Nachhaltigkeit stellen.

Die Leitidee zum Bestandsgebäude besteht aus folgenden Themen:
• den weitgehenden Erhalt des Gebäuderohbaus
• die Umgestaltung der dunklen Mittelzone zu einem voll nutzbaren, attraktiven und hellen Aufenthaltsbereich durch das Einschneiden von 3 Lichthöfen und den Einbau von 2 großzügigen neuen Treppenhäusern.
• die funktionale Neustrukturierung des Erdgeschosses zur Verzahnung mit den neu entstehenden großzügigen Freiräumen
• die gestalterische und funktionale Neudefinition der Gebäudehülle durch einen multicodierten Laubengang mit Rettungswegfunktion.

Tragwerk
Das Hauptgebäude im Bestand hat drei Obergeschosse ein doppeltes Erdgeschoss mit Galerie/Zwischengeschoss und ein Kellergeschoss. Es ist in Stahlbetonfertigteilbauweise gebaut worden. Es handelt sich um Skelettbauweise. Die Aussteifung funktioniert über vier außen liegende massive Treppenhauskerne komplett in Ortbeton errichtet.

Die vier externen TRH-Kerne sollen aus architektonischer und stadtplanerischer Sicht abgerissen werden. Die neue Aussteifung für das Bestandsgebäude soll über die neu geplanten Laubengänge und darin enthaltenen Auskreuzungen funktionieren. Eine außenliegende Aussteifung ist kostengünstiger als eine innere neue Aussteifung mit Gründung innerhalb dem Bestandsfundament. Da die Bestandsfundamentsohle bei inneren neuen aussteifenden Wänden (schwarze Wanne) durchstoßen und wieder aufwändig saniert werden müsste. Für die Gründung der neuen Laubengänge für die neue Aussteifung sind Bohrpfähle unter Stb-Balken vorgesehen.

Es sind in den Obergeschossen mehrere Öffnungen in den Bestand für Lichthöfe und ein neues Treppenhaus vorgesehen. Die an den neuen Öffnungen angrenzenden Unterzüge und Decken müssen verstärkt werden, wenn aus Durchlaufträgern Einfeldträger werden. Die vorgesehene Verstärkung der an den neuen Öffnungen angrenzenden Unterzüge und Decken erfolgt durch bewehrte Betonverstärkung oder durch CFK-Lamellen. Die Unterzüge in Ebene Decke über Erdgeschoss über der Aula werden dabei nicht geschnitten.

Klimaaktive Fassade
Die vorgestellte Balkonzone aus Re-Use Stahlhohlprofilen 15x15cm (Stützen) und 20x15cm (Riegeln) ausbetoniert (F60) sowie Gitterrostelementbelägen (alternativ nach Abstimmung Bauaufsicht Fertigbetonplatte 6cm) sorgt für eine Pufferzone vor der Gebäudehülle, die neben der Funktion als Rettungsweg, der Gebäudeaussteifung für konstruktive sowie vegetabile Verschattung mit adiabater Befeuchtung des Mikroklimas dient. Weiterhin dient diese zeichenhafte Hülle als Konstruktion zur Aufnahme von semitransparenten Fassaden-PV-Elementen.

Die in den Balkon integrierten Rankhilfen für bodengebundene Pflanzungen im Süden und umlaufende Pflanzkästen aus verzinkten Stahlblechen dienen mit ihrem insektenfreundlichen Pflanzangebot außerdem in Kombination mit integrierten Nistmöglichkeiten für ortstypische Insekten- und Vogelarten der Unterstützung der Biodiversität.

Die Rohbauteile der Bestands- Fassaden erhalten eine hinterlüftete, gedämmte Vorhangfassade mit einer Verkleidung aus RE-Use – Metallelementen. Alternativ können Aluminiumbleche als Fassadenverkleidung eingesetzt werden.

Die Bestandsfester werden durch neue Fensterelemente als Holz-Aluminium-Konstruktion mit 3-Scheiben-Verglasungen ersetzt, die in die neue Dämmebene versetzt werden. Die sehr gute Belichtung der Innenräume wird auch in Verbindung mit dem vorgestellten Laubengang u.a. durch Oberlichtbänder in Richtung der Flurräume gewährleistet.

Wie im Neubau ermöglichen große Öffnungsflügel unabhängig von der jeweiligen Raumaufteilung eine gute Versorgung mit natürlicher Belüftung sowie Nachtauskühlung pro Raum. Die Fensterkonstruktion ist so ausgebildet, dass flexibel Trennwände angeschlossen werden können und damit unterschiedliche Raumaufteilungen möglich sind.

In die Brüstungsbereiche werden Fensterlüfter integriert, die in Kombination mit den neu eingeschnittenen Lichthöfen als Low-Tech-Lösung natürliche Querlüftung (im Winter mit vorgewärmter Außenluft) ermöglichen.

Ein mechanischer Sonnenschutz ist aufgrund des vorgestellten Laubengangs nicht erforderlich. Der sommerliche Wärmeschutz wird zusätzlich durch die passive Nutzung der Speichermasse der Stahlbetondecken sowie eine effektive Nachtauskühlung gewährleistet. Der Einsatz von Ventilatoren als Low- Tech- Lösung erhöht die thermische Behaglichkeit im Bedarfsfall.

Als Blendschutz kommen innenliegende Vorhänge zum Einsatz, die für eine behagliche Innenraumatmosphäre sorgen.

Dach
Aufgrund fehlender Lastreserven erhält das Dach einen leichten extensiven Gründachaufbau, um eine statische Ertüchtigung des Gesamttragwerks zu vermeiden.

Ausbau – Materialien
Der Materialkanon im Bestandsgebäude entspricht im Wesentlichen den für den Neubau vorgesehenen Qualitäten: Linoleumböden in den Unterrichtsräumen, Leichtbauwände mit Lehmputzoberflächen und Möbeleinbauten aus Holzwerkstoffplatten sowie Akustikdecken aus Holzwolleplatten kontrastieren mit den mineralischen Oberflächen der Zentral- und Erschließungsbereiche. Leichtbauwände werden in einem hellen Farbkanon gestrichen. Durch die Wahl natürlicher Materialien entstehen eine hohe Behaglichkeit und ein hoher Innenraumkomfort. Die neuen Treppenhäuser erhalten einen Belag aus wiedergewonnenen Betonwerksteinfliesen aus den abgebrochenen Bestandstreppenhäusern.

Raumakustik
Die vorhandenen MiWo-Rasterdecken werden vermutlich schadstoffbedingt ersetzt werden müssen durch zirkuläre Holzwolleplatten, größtenteils horizontal, in Teilen vertikal als Baffel, um akustische und thermische Parameter zu erfüllen. Vor Ort vorhandene, noch nutzbare Akustikelemente werden wieder genutzt.

Brandschutz
Das Konzept des baulichen, anlagentechnischen und organisatorischen Brandschutzes für das Gebäude wird durch eine gezielte Einteilung in Brandabschnitte Rechnung getragen, die den Strukturen der pädagogischen Nutzung folgen.

Der Entwurf gliedert die Baukörper in den Obergeschossen in kleinere, beherrschbare Brandabschnitte. Diese Abschnitte folgen der Logik der Trennung in Lernhäuser, bzw. in die verschiedenen Funktionszonen.

Feuerbeständige (Bestandsbau), bzw. hochfeuerhemmende (Erweiterungsbau) Wände und Geschossdecken bilden gleich mehrere, ausreichend sichere Raumabfolgen, die überschaubar sind und mögliche Gefährdungsbereiche gut einsehbar gestalten. Jeder Brandabschnitt hat mindestens zwei Ausgänge auf die die Gebäude umschließenden Fluchtbalkone, von denen außen liegende Fluchttreppen ins Erdgeschoss führen.

Cluster
Die Brandabschnitte im Bestandsbau weisen Größen von ca. 700 qm auf. Zur Kompensation werden sowohl die Rettungswegelängen von maximal 35 m als auch die Angriffswege für die Rettungskräfte der Feuerwehr deutlich unterschritten. In Abstimmung mit den Genehmigungsbehörden können Cluster, die die zulässigen Flächengrößen überschreiten, zusätzlich z.B. durch Unterzüge oder Rauchschutzvorhänge in Rauchabschnitte eingeteilt werden, um die mögliche Verrauchung einzuschränken und die Rettung in zwei Richtungen zu ermöglichen. In den Clustern sind keine notwendigen Flure auszubilden, so können Möbel, z.B. aus Vollholz, für Lernnischen, Kommunikationsbereiche o.ä. verwendet werden, ohne die erforderliche Sicherheit einzuschränken.

Im Erweiterungsneubau bilden die unterschiedlichen Funktionsbereiche Brandabschnitte kleiner als 400 qm Größe. Hier dient der zentrale Erschließungsbereich als eigner gebäudehoher Brandabschnitt, der hochfeuerhemmend von den Unterrichtsclustern abgetrennt ist. Dadurch kann die zentrale repräsentative Treppe offen gestaltet werden. Die Entfluchtung der Unterrichtsräume erfolgt direkt, bzw. über Bypass-Türen auf den Fluchtbalkon.

Fluchtbalkone
Die Fluchtbalkone des Bestandsbaus sind feuerbeständig ausgeführt. Die Laufplatten werden durch Gitterroststege (alternativ in Abstimmung als Fertigbetonplatten) geplant. Die Fassade erhält alle zwei Geschosse eine Brandsperre im Hinterlüftungsspalt.

Beim Erweiterungsbau ermöglichen geschossweise horizontale Brandsperren in Verbindung mit den Fluchtbalkonen, die jeweils zwei entgegengesetzte Fluchtrichtungen aufweisen, nachhaltige Holzbekleidungen auf den geschlossenen nichttragenden Holzrahmenaußenwänden.

Barrierefreiheit
Durch den Einbau eines neuen Aufzuges im westlichen Gebäudebereich ist der barrierefreie Zugang zu allen Gebäudebereichen gewährleistet. Dies schließt auch die Galerieebene der Verwaltung mit ein. Der Neubau erhält einen zentralen Aufzug.

Sporthalle

Tragwerk
Die neue Sporthalle ist mit einer Spielfläche von circa 22,0 x 45,0m und einem eingeschossigen Nebenraumtrakt mit Umkleide- und Duschbereichen und Geräteräumen geplant. Im Sinne des ReUse-Ansatzes werden für den Nebenraumtrakt die nördlichen Konstruktionsachsen des ehemaligen Werkstattgebäudes umgebaut, während der Hallenraum als Holzkonstruktion neu errichtet wird.

Dieser wird in Holzbauskelettbauweise mit BSH-Holzbindern 140/36cm und BSH-Stützen 36/36cmin einem Achsabstand von 3,75m gebaut. Auf den Bindern liegt eine Nebenträgerlage KVH 24/12cm, Abstand 62,5cm auf der wiederum eine OSB Dachplatte t=25mm ruht. Die Aussteifung erfolgt über Holzrahmenbauaußenwände und Auskreuzungen in Stahl im Oberlichtband in den Gebäudeecken sowie der Dachdecke als Scheibe. Für den Nebenraumtrakt werden die Dachdecke und die Stützen sowie die Betonsandwich-Außenwandelemente weiter verwendet. Zu ergänzende Außenwände werden aus dem internen Rückbau ergänzt. Die bestehende Bodenplatte wird im Osten und Süden mit Recyclingbeton ergänzt. Unter den Hallenstützen wird ein umlaufendes Balkenfundament aus Recyclingbeton eingebaut. Aufgrund des Auffüllungshorizontes im Boden werden die Fundamente auf Bohrpfählen gegründet

Die Trennwände im Nebenraumtrakt werden aus nichttragenden Leichtbauwänden mit hergestellt.

Fassade
Die Fassaden der Halle werden durch ein System aus hochwärmedämmenden Holzrahmenbauelementen gebildet, die innenseitig mit 3-Schichtplatten und außenseitig mit Holzfaser-Platten beplankt und mit vorvergrauter Lärchenholzschalung verkleidet und mit recycleter Glaswolle (CO2-neutral) (alternativ Zelluloseeinblasdämmung) ausgedämmt sind. In der Nord- und Südfassade gewährleisten Fensterbänder aus Industrieglas blendfreie natürliche Belichtung.

Im Nebenraumtrakt werden die bestehenden Beton-Sandwich-Fassadenelemente mit einer vorgesetzten hinterlüfteten Fassade aus Lärchenschalung ertüchtigt. Wo erforderlich wird die Außenwand durch rückgebaute Sandwichelemente der alten Sporthalle ergänzt. Die Umkleide- und Duschbereiche werden anstelle der ausgebauten Bestandsfenster mit eingesetzten Fenstern als Holz-Aluminium-Konstruktion mit 3-Scheiben-Verglasungen belichtet.

Dach
Die Dachkonstruktion aus OSB-Platten erhalten auf einer Gefälledämmung eine extensive Dachbegrünung. Zusätzlich wird eine mit der Dachbegrünung harmonierende PV-Anlage auf der Dachfläche angeordnet.

Ausbau - Materialien
Die Halle erhält eine lastabbauende Prallwandkonstruktion aus Fichtenbrettern sowie einen flächenelastischen Sporthallenboden als Holzdoppelschwingträgerkonstruktion mit Sportlinoleumbelag. Die Nebenräume erhalten nichttragende Trockenbauwände und Linoleum- und Fliesenbodenbeläge auf schwimmendem Estrich. Die Duschbereiche erhalten Trockenbaudecken und raumhohe Fliesenbeläge.

Raumakustik
Die Decke der Sporthalle erhält nach raumakustischer Erfordernis in Teilflächen ballwurfsichere Deckensegel aus Holzwolleakustikplatten.

Interim

Allgemein
Die bauliche Anlage als Interimsmaßnahme für die Bauzeit auf dem Schulgrundstück soll als temporärer Containerbau hergestellt werden. Die Container werden für über die Länge der Bauzeit des Umbaus des Hauptgebäudes und des Sporthallenbaus gemietet und anschließend durch den Containerhersteller wieder abgebaut. Alternativ sollte der Einsatz von verfügbaren modularen Raumzellensystemen (z.B. „das fliegende Klassenzimmer“) geprüft werden.

Tragwerk und Hülle
Zum Einsatz kommen Containermodule als mit Mineralwolle gedämmte Stahlrahmen- (alternativ Holz-) Konstruktionen. Das Tragwerk der Module besteht aus außenseitig mit Profilblech verkleideten rahmenartig verbundenen Stützen- Riegelkonstruktionen an den Quer- und Längsrändern, Querträgern zur Auflage der Dach-, Decken- und Podestbauteile sowie Dach- und Deckenscheiben aus Holzwerkstoffplatten, ergänzt durch Außenwandelemente und nicht tragende Innenwände. Die Module werden durch spezielle Schraubverbindungen gekoppelt. Die Raumzellen erhalten Holzfensterelemente mit Zweifach-Isolierverglasung und außenliegenden Raffstores.

Ausbau
Innenwandbekleidungen werden aus melaminharzbeschichteten Holzwerkstoffplatten gefertigt, die Decken erhalten Verkleidungen aus Mineralwollakustikdeckenplatten in Direktmontage. In den Nassräumen kommen rutschhemmende Beläge entsprechend R10 zum Einsatz. In den Aufenthaltsräumen kommen Linoleumböden zum Einsatz.

Wiederverwendungskonzept

Zirkuläre Strategieempfehlung
Die Tragwerks- und Re-Use-Konzeption folgt den Prinzipien des zirkulären Bauens und die Tragwerksplanung ist so ausgelegt, dass Rückbau, Wiederverwendung und Anpassbarkeit über den gesamten Lebenszyklus ermöglicht werden.
Systematischer Rückbau: Ein mehrstufiges Vorgehen gemäß DIN SPEC 91484 gewährleistet die technische Eignung und wirtschaftliche Bewertung rückgebauter Bauteile. Dies schließt Materialdokumentation, Schadstoffprüfung und Wertanalyse ein.
Qualitätssicherung: Vor, während und nach der Demontage erfolgt eine strukturierte Dokumentation, Bewertung und – falls erforderlich – Instandsetzung der Bauteile. Die geplante digitale Dokumentation (Materialkataster / Resources Passport) schafft Transparenz und Nachnutzungspotenzial.
Genehmigungsprozess: Für wiederverwendete Bauteile sind zustimmungspflichtige Einzelfallregelungen (ZiE) und ggf. vorhabenbezogene Bauartgenehmigungen (vBg) vorgesehen. Dies entspricht der aktuellen Umsetzungspraxis der HOWOGE sowie den Empfehlungen der Umsetzungshilfe zum zirkulären Bauen (PD 2024).
Design for Disassembly und Adaptability: Das externe Aussteifungssystem mit außenliegenden Laubengängen und Stahlkreuzen ermöglicht maximale Flexibilität bei der Innenraumgestaltung und sichert die Entkopplung tragender und nichttragender Elemente. Die Gebäudehülle und das Tragwerk werden als reversible Schichtenstruktur konzipiert.
Design for Longevity: Die Skelettbauweise des Neubaus sowie die geplante strukturelle Integration der Laubengänge im Bestandsbau verlängern die Lebensdauer der Gebäudestruktur. Die Grundrisse sind frei von tragenden Wänden oder Diagonalen und lassen zukünftige Anpassungen ohne strukturelle Eingriffe zu.
Design with Bio-based and Re-used Materials: Der Neubau erfolgt in Holzskelettbauweise mit sichtbaren Holzelementen aus PEFC-/FSC-zertifizierter Herkunft. Die Wiederverwendung von Bestandselementen wie Deckenrippen oder Dachbalken wird geprüft. Die Konstruktionen sind so ausgelegt, dass einfache, lösbare Verbindungen eine spätere Re-Montage ermöglichen.
Design with Efficiency: Das statische Konzept reduziert Materialeinsatz durch gezielte Rasterung und Einsatz von Rippendecken mit Unterzügen, unterstützt durch Mikropfahlgründungen zur Schonung des Baugrunds und der Bestandsfundamente.

Rückbau
Folgende Gebäude und Bauteile sollen aus architektonischer und stadtplanerischer Sicht abgerissen werden:
• vier externen TRH-Kerne des Hauptgebäudes
• eingeschossiger Anbau des Hauptgebäudes
• eingeschossiges Werkstattgebäude (80%)
• Sporthalle

Wiederverwendung
Aus dem eigenen internen Rückbau:
Ein Teil des in diesem Bauvorhaben anfallenden Rückbaus soll intern wieder verwendet werden.
Ein Teil des in diesem Bauvorhaben anfallenden Rückbaus soll externen Projekten zur Verfügung gestellt werden, die Wiederverwendung von Bauteilen vorsehen.
Ein Teil des in diesem Bauvorhaben anfallenden Rückbaus soll recycelt und entsorgt werden.

Von externen Wiederverwendungs-Quellen:
• Spanplatten für die Dachflächen der neuen Sporthalle
• Käferholz
• Stahl für Laubengänge
• Geländer
• Treppenläufe

Für interne Wiederverwendung:
Intern rückgebauter Beton soll zerkleinert und als Masse für den Schallschutz auf den Decken des Neubaugebäudes vorgesehen werden.
Für die Nebengebäude der Sporthalle zu ergänzende Außenwände werden aus dem internen Rückbau ergänzt.
Die Außenwände der neuen Sporthalle können mit Stb.-Wänden aus dem internen Rückbau ausgefacht werden.

Des Weiteren sind hier Verwendungen für die Sauberkeitsschicht unter den Gründungen, Bodenauffüllungen, Außenanlagen, Wegeunterbau und Wiederverwendung im Recyclingbeton vorgesehen.

Für externe Wiederverwendung:
• Deckenelemente
• Wandelemente
• H-Deckenträger mit einer Länge von circa 10,0m

Förderung

Im Zuge der geplanten Transformation soll die Carlo-Schmid-Oberschule zum ReUse Lab werden – einem Reallabor für kreislaufgerechtes, partizipatives und gestaltungsbewusstes Schulbauen. Dabei wird nicht nur die bauliche Struktur weiterentwickelt, sondern auch das schulische Selbstverständnis gestärkt: von einem klassischen Bildungsort hin zu einem offenen Ort gesellschaftlicher Teilhabe und Innovation.
Um diese erweiterten Zielsetzungen zu unterstützen, wird die gezielte Einwerbung zusätzlicher Fördermittel angestrebt. Diese sollen nicht die Grundfinanzierung ersetzen, sondern als strategisches Add-on wirken – mit dem Ziel, die Schule über das hinaus zu qualifizieren, was reguläre Budgets abbilden können. Während der Schulbau über die vorgesehenen Mittel finanziert wird, sollen ergänzende Förderbausteine dazu beitragen, das Projekt als Modellfall für zukunftsfähiges Schulbauen weiterzuentwickeln.
In diesem Zusammenhang werden unter anderem Fördermöglichkeiten im Rahmen des New European Bauhaus sowie der ZIM-Innovationsnetzwerke geprüft. Beide Programme bieten Anknüpfungspunkte, beispielsweise in Bezug auf zirkuläre Materialstrategien, kreative Co-Design-Prozesse oder technologische Innovationen im Rückbau. Sie stellen jedoch lediglich zwei Optionen in einem breiteren Spektrum an Förderansätzen dar, das in den kommenden Planungsphasen systematisch erschlossen werden soll.

Lebenszyklusanalyse

Die folgende Ermittlung der Umweltwirkungen verdeutlicht den Entwurfsansatz, bei dem Emissionsreduktion und Ressourcenschonung im Mittelpunkt stehen. Betrachtet werden drei Baukörper:

Der Bestandsbau
Die vorhandenen Treppenhäuser, die bislang aussteifende Funktionen übernehmen, entfallen im neuen Nutzungsszenario. Ein außenliegender Laubengang übernimmt künftig diese Funktion und dient zugleich der Erschließung. Für den Bestandserhalt werden daher die neuen Fundamente und der Laubengang bilanziert. Zusätzlich entfallene Deckenfelder erfordern voraussichtlich Verstärkungsmaßnahmen angrenzender Bauteile, die als erforderliche Instandsetzung ebenfalls berücksichtigt werden. Die daraus resultierenden Emissionen werden dem Erhalt des Rohbaus gegenübergestellt, um die Einsparpotenziale gegenüber einem vergleichbaren Neubau sichtbar zu machen.

Der neue Ergänzungsbau
Neben dem sanierten Bestand ist ein Ergänzungsbau als Neubau geplant, ebenfalls mit einem Laubengang. Zur Verankerung emissionsbewusster Materialwahl bereits im frühen Entwurf wurde eine Variantenuntersuchung des Haupttragwerks durchgeführt. Ein Stahlbetonskelett wurde einer Holzskelettkonstruktion gegenübergestellt. Abweichend vom Stahlbetonbau ist im Holzbau zusätzlich eine schwere Schüttung zur Gewährleistung des Schallschutzes erforderlich, bei der vorgesehen ist, Betonrückbauschutt aus dem Bestand wiederzuverwenden. Die Bewertung erfolgt in Anlehnung an die Vorgaben aus der IBU PCR-A, Anhang Reuse.
Die Auswertung zeigt klare Vorteile der Holzvariante hinsichtlich ihrer Umweltwirkungen. Der Einsatz eines nachwachsenden Rohstoffs sowie die langfristige Speicherung biogenen Kohlenstoffs bestärken diese Entscheidung zusätzlich.

Die Sporthalle
Die Sporthalle kombiniert den Erhalt von Nebenräumen mit einem neuen Hallenteil in Holzbauweise. Dies ermöglicht sowohl Ressourcenschonung als auch eine deutliche Reduktion der Herstellungsemissionen. Verstärkungsmaßnahmen sind hier voraussichtlich nicht erforderlich und werden daher in der Bilanz nicht angesetzt. Der kombinierte Einsatz von Bestandsbauteilen und Holzbau wird sowohl in Bezug auf Ressourceneffizienz als auch auf die Treibhausgasbilanz positiv bewertet.

Energiekonzept

Das Gebäudekonzept orientiert sich an nachhaltigen Lösungen über die zu erwartende Nutzungsdauer. Dabei wird insbesondere den Anforderungen an Gesamtwirtschaftlichkeit, Ressourceneffizienz und Behaglichkeit Rechnung getragen. Im Ersten Schritt wird dazu der Energiebedarf minimiert, der dann mit optimal angepassten Low Tech- Systemen gedeckt wird. Thermische Hülle sowie das Gebäudetechnikkonzept werden so ausgelegt, dass der zu erzielende Energiestandard erreicht wird.

Aus diesem Ansatz heraus ist der zentrale Punkt des Energiekonzeptes ist die thermische Regulierung der Baukörper – hierfür werden die thermischen Massen insbesondere der Deckenkonstruktionen durch eine Nachtluftspülung aktiviert und zur Optimierung des sommerlichen Komforts genutzt. Hierfür werden die raumakustischen Flächen teilweise an den Wänden platziert, um ca. 50% der Deckenflächen zugänglich zu halten.

Die extensive Begrünung verzögert den Regenabfluss und reduziert die sommerlichen Maximaltemperaturen auf dem Dach. Regenwasserüberschüsse werden in zur Deckung des Bewässerungsbedarfs der begrünten Fassade und der Außenanlagen genutzt. Die Minimierung der versiegelten Fläche in Verbindung mit dem Dachaufbau unterstützt ein gutes Mikroklima und reduziert den Heat Island Effekt.

Es wird ein angemessener Dämmstandard realisiert. Als Dämmstoffe kommen vorzugsweise nachwachsende und/oder mineralische Materialien zum Einsatz. Fenster sind mit Dreifach- Wärmeschutzglas bzw. partiell mit einem neutralen, „leichten Sonnenschutzglas“ mit hoher Selektivität auszuführen. Die Optimierung des Baukörpers in Verbindung mit dem Lichthof und Oberlicht optimiert die Tageslichtversorgung und erleichtert die Orientierung im Gebäude. Es wird Glas mit hohen Transmissionskoeffizienten für sichtbares Licht eingesetzt, um eine optimale Tageslichtqualität in den Räumen zu erreichen.

Die die Gebäude als Pufferschicht umgebenden Balkonzonen werden nach Süden als feststehende Verschattung genutzt. Die Tageslichtversorgung in Verbindung mit einer intelligenten Präsenz- und Tageslicht-abhängigen Kunstlichtsteuerung sowie der Einsatz von LED Technik führt zu einem niedrigen Strombedarf für die Beleuchtung und damit gleichzeitig zu einer Reduzierung der inneren Wärmelasten.

Lüftung
Das Lüftungskonzept beruht in allen Bereichen auf einer Kombination von natürlicher Lüftung mit erforderlicher mechanischer Lüftung (hybride Lüftung). Fassade wird mit öffenbaren Fenstern ausgestattet, dies ermöglicht es, alle an die Fassade angrenzenden Bereiche natürlich zu lüften.
Die Annahmen für die Luftwechsel bei natürlicher Lüftung über Öffnungsflügel erforderlicher Größe sowie die Außenluftrate pro Person bei mechanischer Lüftung basieren auf entsprechenden Ständen der technischen Regeln.
Alle wesentlichen Bereiche können dadurch innerhalb und bei Bedarf auch außerhalb der Nutzungszeiten effektiv natürlich grundgelüftet, die Raumluft vorkonditioniert und natürlich gekühlt (Nachtauskühlung) werden. Im Hinblick auf das Low-Tech-Konzept wird die mechanische Belüftung nur betriebsbedingt bei Notwendigkeit mit minimal erforderlichen Luftwechselraten und wartungsarmer, einfacher und robuster Anlagentechnik erfolgen. Zum Teil kommen kombinierte Zu- und Abluftgeräte mit Wärmerückgewinnung zum Einsatz, die einen sehr hohen Wärmerückgewinnungsgrad (von mehr als 80 %) erreichen. Die Betriebszeiten der Lüftungsgeräte sind der jeweiligen Nutzung angepasst und minimiert.

Klassenräume / Unterrichtsbereiche
Die Klassenräume erhalten in die Fassade integrierte Nachströmelemente. Die Zuluft wird im Winter über statische Heizflächen vortemperiert. Die Luft strömt über schallgedämmte Öffnungen in den Flurwänden über und wird am Sanitärkern über Türunterschnitte/Gitter abgeführt und pro Geschoss und Klasseneinheit separat über Dach geführt. Die mechanische Lüftung kann in Zeiten schlechter Raumluftzustände kombiniert mit extremen Außentemperaturen (hochsommerlich) durch das Umschalten in eine Maximalstufe (12,5 m³/h pro Schüler) erhöht werden. Dieses System wird auch zur Nachtluftspülung genutzt. 
Deckenventilatoren werden zur Optimierung des sommerlichen Komforts in den Aufenthaltsbereichen eingesetzt.

Mensa, Küche
Mensa und Küche erhalten zentrale Lüftungsanlagen. Mensa und Küche können sowohl natürlich als auch mechanisch gelüftet werden. In der Mensa wird die Luft nach dem Quellluftprinzip eingebracht. Zur Verringerung der Investitions- und Betriebskosten wird der personenbezogene Außenluftbedarf nach den gültigen Normen halbiert, da beide Lüftungskonzepte (natürlich und mechanisch) kombinierbar sind. Mittels der freien Lüftung soll vor Nutzungsbeginn der Mensa das gesamte zur Verfügung stehende Raumvolumen konditioniert werden, so dass die maschinelle Lüftung während der Belegung mit zum Abbau der inneren Wärmelasten beiträgt sowie die CO 2 -Konzentrationsspitzen abbaut/verhindert. Die Lüftungsanlage erhält eine adiabate Verdunstungskühlung, d. h. kostensparendes Kühlen ohne Strom, und eine mehr als 80 %ige Wärmerückgewinnung. Das RLT-Gerät für die Mensa befindet sich im Technikraum im Untergeschoss, das für die Küche im Zwischendeckenbereich. Die Außenluftansaugung und Fortluftführung erfolgt über Dach.
Bei Veranstaltungen im Foyer kann die mechanische Lüftung der Mensa mit genutzt werden. Zusätzlich kann das Foyer effizient natürlich quergelüftet werden. Der Lichthof dient als Abluftkamin.

Sporthalle
Für die Lüftung der Sporthalle ist grundsätzlich eine natürliche Lüftung ausreichend. Die Lüftungsflügel werden auf zwei Öffnungen aufgeteilt: eine oben, unter der Geschossdecke sowie eine zweite im unteren Teil der Fassade (Außentüren). Zur natürlichen Lüftung werden die jeweiligen Zu- und Abluftöffnungen vorrangig parallel betrieben. Dagegen sind die zugehörigen innenliegenden Umkleide- und Duschräume maschinell zu lüften. Pro Halleneinheit mit dazugehöriger Umkleide und Duschen wird die Lüftung bei Nutzung des Garderobenbereiches über Bewegungsmelder aktiviert und mit entsprechender Nachlaufzeit gesteuert.

Beheizung
Als Heizenergieträger wird eine Kombination aus Fernwärmeanschluss (Bestandsgebäude) und zusätzlicher Luft-Wasser-Wärmepumpe (Erweiterungsbau und Sporthalle) geplant. Im Erweiterungsbau und in der Sporthalle Einsatz von Flächenheizsystemen (Niedertemperatur) zur energetischen Optimierung. Die Beheizung erfolgt zur energetischen Optimierung in den Foyerbereichen und der Sporthalle über eine Fußbodenheizung. Ansonsten werden statische Heizflächen eingesetzt.

Wasser
Es werden optoelektronisch spülbare Armaturen, Dusch- und WC-Anlagen installiert. Warmwasserzapfstellen mit geringem Bedarf werden dezentral elektrisch versorgt. Hohe Bedarfe werden über Frischwasserstationen abgedeckt.

Stromanlagen
Es wird LED-Beleuchtung mit DALI-Schnittstelle und tageslichtabhängiger Steuerung eingesetzt.
Zur Stromversorgung dient eine Photovoltaikanlage (Dächer Neubau, Balkonzonen) mit Eigenverbrauchsoptimierung (inkl. Speicheroption).
Es wird eine vollständige strukturierte Netzwerkverkabelung (CAT 7 und LWL) mit zentralem Serverraum und WLAN-Access-Points in allen Nutzungsbereichen als passive Vorbereitung für zukunftsfähige IT-Strukturen geplant.

Förderanlagen
Es wird ein barrierefreier Aufzug im Erweiterungsbau, Klasse A+ mit Rückspeisung geplant.

Nutzungsspezifische Anlagen
Es erfolgt eine energetisch optimierte Ausstattung der Lehrküchen und naturwissenschaftlichen Räume.

Gebäudeautomation
Es erfolgt eine Implementierung eines BACnet-basierten Systems zur Überwachung und Steuerung aller TGA-Anlagen mit Szenariensteuerung für Schulbetrieb, Ferien- und Nachtbetrieb zur Verbrauchsoptimierung.

Nachhaltigkeit, Re-Use und Zirkularität
Die TGA-Planung folgt den Prinzipien des zirkulären Bauens: Einsatz modularer, rückbaubarer Systeme, Nutzung von Re-Use-Komponenten, sofern technisch und wirtschaftlich darstellbar (z. B. Leuchten, Heizkörper), Trennbare Leitungsführungen, zugängliche Schächte.
Die Anlagen sind so ausgelegt, dass sie in späteren Modernisierungszyklen mit minimalem Aufwand angepasst oder ersetzt werden können.
Die vorliegende Planung führt zu einer hohen Energieeffizienz im Betrieb bei gleichzeitig geringem Wartungs- und Steuerungsaufwand. Die Betriebskosten werden durch passive Strategien und einfache Technik nachhaltig gesenkt. Die Investitionen in erneuerbare Energien (PV) und effiziente Gebäudeautomation ermöglichen einen wirtschaftlichen und zukunftsfähigen Betrieb. Die Planung ist konform zu den Anforderungen der Berliner Schulbauoffensive, der Landesstrategie zur Klimaneutralität 2045 sowie den öffentlichen Vergabekriterien für nachhaltige Bauprojekte

Bauablauf

Ausgehend von den Grundvorgaben wird folgender Ablauf vorgeschlagen:
Das Hauptgebäude (Altbau) soll in einem Bauabschnitt saniert werden
Der Schulbetrieb wird während der Baumaßnahme vollumfänglich mit komplettem Raumangebot (außer temporärer Sporthalle) weitergeführt
Die Werkstätten (WAT) sollen nur einmal umgezogen werden

Das Vorhaben wird in 2 Bauabschnitte unterteilt:
Bauabschnitt 1: Errichtung Ergänzungsbau, Abbruch Sporthalle, Herrichten der Geländeoberfläche, Errichtung Interimsbau
Bauabschnitt 2: Abbruch außenliegende Treppenhäuser und Mensaanbau, Sanierung Hauptgebäude mit Einschneiden der Lichthöfe und Errichtung der vorgestellten Balkonzone, Sanierung Teilbereich Nebengebäude, Anbau neue Sporthalle, Erstellen Außenanlagen

Baubeginn Bauabschnitt 1: voraussichtlich 08.2027
Fertigstellung Bauabschnitt 1: 12/2029
Umzug der Schule in den Erweiterungsbau und das Interimsgebäude 12/2029
Bauzeit: 29 Monate
Bauzeitverkürzende Faktoren:
Verzicht auf Kellergeschoß, Optimierter Bauablauf durch Vorfertigung im Holzbau
Funktionale Zuordnung im Zeitraum der Interimsnutzung:
Ergänzungsneubau enthält bereits alle WAT und Fachräume
Die Nutzung der Sporthalle ist bis Sommer 2029 möglich.

Baubeginn Bauabschnitt 2: voraussichtlich 01/2030
Fertigstellung Bauabschnitt 2: 10/2032
Rückbau Interimsgebäude
Umzug der Schule in das Hauptgebäude, Nutzungsaufnahme Sporthalle
Bauzeit: 34 Monate
Bauzeitverkürzende Faktoren:
Weitgehender Erhalt der Rohbaustruktur des Bestandsgebäudes, keine neuen Gründungsmaßnahmen im Gebäude, vorgestellter Lauberngang mit eigener Gründung
Erhalt der Bodenplatte des Mensanabaus
Optimierter Bauablauf durch 2 Jahre Vorlauf bei der Beschaffung von RE-Use- Bauteilen
Baulogistk:
Klare Trennung der Baufelder in Bauabschnitt 1 und 2. Die Zufahrt auf der Ostseite bleibt während der gesamten Baumaßnahme erhalten.
Anlieferung und Baustelleneinrichtung jeweils von der Lutoner Straße. Leicht zugängliche Lagerflächen auch für RE- Use- Bauteile im nördlichen Bereich.