Kersten Kopp Architekten GmbH

Erläuterungsbericht

Entwurf

Die neue Gemeinschaftsschule an der Pankstraße
Mit dem Neubau der Gemeinschaftsschule Pankstraße entsteht ein neues Lernzentrum als identitätsstiftender Mittelpunkt im Stadtteil Berlin-Gesundbrunnen. Das Volumen des Schulneubaus schließt die bisherige städtebauliche Lücke am Brunnenplatz und gibt diesem einen klar gefassten Rahmen. Zugleich bildet die Schule eine eigenständige Adresse an der Ecke Schönstedtstraße/Pankstraße ohne mit den beiden historischen Gerichtsgebäuden in Konkurrenz zu treten.

Die städtebauliche Körnung des Entwurfs wird an dieser Stelle bereits deutlich: Ein kleiner Vorplatz entsteht, indem das zum Platz hin sechsgeschossige Volumen leicht zurücktritt. Dieses Prinzip setzt sich über das gesamte Grundstück fort. Der Baukörper wird mit Vor- und Rücksprüngen gegliedert, staffelt sich zur Grünzone Panke hin auf drei Geschosse ab und bildet einen geschützten Außenraum als Schulhof.

Eine Schule: klar zoniert
Das Prinzip einer Gemeinschaftsschule wird im vorliegenden Entwurf konsequent umgesetzt. Sämtliche Nutzungen - Gemeinschaftsflächen, Sporthalle, Sekundarschule, Primarschule und Förderzentrum - sind in einem Gebäude vereint. Gleichzeitig sind die einzelnen Schulbereiche in den sich abstaffelnden Volumen klar ablesbar. Dadurch ist eine eindeutige Orientierung sowohl von außen als auch innerhalb des Gebäudes gewährleistet. Die Sekundarschule ist am Brunnenplatz angeordnet. Die Primarschule orientiert sich zum geschützten Pausenhof, während das Förderzentrum an der ruhigsten Stelle des Grundstücks liegt und zur Grünzone Panke ausgerichtet ist.

Alle Schüler:innen nutzen den gemeinsamen Haupteingang am Brunnenplatz. Gleichzeitig ist das Förderzentrum separat über die Wiesenstraße rückseitig erreichbar. Hier befindet sich ein Ankunftsbereich für die Kleinbusse der Förderschule. Auch die Sporthalle verfügt über einen zusätzlichen Zugang für Vereine an der Pankstraße.

Differenzierte Außenräume
Die differenzierten Volumen des Schulneubaus formen einen großen, gemeinsamen Schulhof als Zentrum der neuen Gemeinschaftsschule. Dieser ist zur Grünzone Panke ausgerichtet und wird durch die Gebäudekörper von der Pankstraße abgeschirmt. Gleichzeitig entstehen zwischen den Baukörpern differenzierte Außenräume mit jeweils eigener Qualität. Für die Kinder des Förderzentrums steht ein kleiner separater Pausenhof als Rückzugsbereich im Westen des Grundstücks zur Verfügung. Die Brandwand vom Gerichtsgebäude wird als vertikaler, urbaner Garten aktiviert. Die Begrünung der Wand verbessert das Mikroklima und fördert die Biodiversität auf dem Schulhof. Flächen für Bienenzucht („Panke-Honig"), Nistkästen, Weinranken und Aufenthaltsangebote auf mehreren Ebenen verbinden ökologische Mehrwerte mit naturwissenschaftlicher Bildung, pädagogischer Nutzung und gemeinschaftlicher Aneignung.

Das Kleinspielfeld Alba Court sowie der Aktivbereich befinden sich im südlichen Teil des Grundstücks. Sie sind stärker an den Stadtteil angebunden und öffentlichkeitswirksam positioniert.

Das schulöffentliche Lernband
Ein großzügiges Lernband, das vom einladenden Eingangsbereich bis zum Förderzentrum reicht, verbindet alle gemeinschaftlichen Nutzungen. Dabei orientieren sich die öffentlichkeitswirksamen Bereiche wie Foyer, Mehrzweckraum und Sporthalle zur Stadt, während die Mensa, Bibliothek Werk-, Kunst- und Musikräume und weitere schulinterne Nutzungen den Schulhof beleben. Die direkt an den Eingangsbereich angrenzende Mensa kann flexibel mit dem Mehrzweckraum zu einem großzügigen Raum zusammengeschaltet werden. Zudem lässt sich der Bereich einfach abtrennen und extern vermieten. Die Anlieferung der Mensa erfolgt über die Schönstedtstraße im Nordosten.

Neues Lernen - Lernlandschaften in den Obergeschossen
Über großzügige Treppenhäuser werden die ruhigeren Lerncompartments in den Obergeschossen erreicht. Verbindungen zwischen den Clustern bestehen hier ausschließlich über kleinere Shortcuts für die Lehrkräfte. Jeweils zwei Cluster werden über eine zentrale Treppe erschlossen und spiegeln sich wie Zwillingspaare entlang der inneren kurzen Seite. Sie sind für jede Schulform nahezu identisch organisiert:
Die Stammgruppenräume und die dazwischenliegenden Teilungsräume gruppieren sich jeweils um ein gemeinsames Forum. Dieses mündet in eine Loggia, die als kleines grünes Klassenzimmer genutzt werden kann. Von hier aus sind auch die Außentreppen erreichbar. Die Foren sind gut belichtet und multifunktional nutzbar. Die Teilungsräume lassen sich über mobile Trennwände sowohl zum Forum hin öffnen als auch untereinander flexibel zu kleineren Einheiten zusammenschalten. Die quadratischen Stammgruppenräume ermöglichen eine flexible Möblierung.
Ein Teamraum mit Lehrmittelbereich wird jeweils von zwei Clustern gemeinsam genutzt und befindet sich in der gemeinsamen Mittelzone, in der auch die Haupttreppen angeordnet sind.

Sport als Teil des Schulalltags
Als baulicher Puffer schützt die zweigeschossige Sporthalle die Schule und den grünen Schulhof vor den Emissionen der Pankstraße. Gleichzeitig ist sie zentral im Gebäude verortet und macht Bewegung und Sport selbstverständlich zum Teil des Schulalltags. Sichtbeziehungen in das Hallenvolumen unterstreichen diese räumliche Präsenz. Ein kleiner Zuschauerbereiche mit Blick in jede Halle befindet sich im 1. und 3. Obergeschoss. Die Vereine und Externe erreichen die Halle über ein einladendes Foyer. Das direkt angeschlossene Kleinspielfeld im Außenraum ist gut in den Stadtteil eingebunden und leicht zugänglich. Eine kleine Tribüne auf dem Dach des Werkstattbereichs ermöglicht das Zuschauen bei Spielen.

Freiraum
Die Freianlagen folgen der orthogonalen Formensprache der zueinander versetzen Baukörper, werden jedoch in kleinere Einheiten gegliedert, die eine gute Durchlässigkeit und Vernetzung ermöglichen. Die entstehenden Cluster verleihen den einzelnen Hofbereichen unterschiedliche Charaktere und ermöglichen Programmierungen mit thematischen Schwerpunkten. Die Grüninseln integrieren den vorhandenen Baumbestand und sorgen somit für schattige Begegnungs- und Kommunikationsorte. Den unteren Klassenstufen ist eine Spielzone mit einer vielfältigen Spiellandschaft vorgelagert. Der Hauptzugang an der Schönstedtstraße erhält ein einladendes Entree mit einem kleinen, durchgrünten Vorplatz, der die Schule im Stadtraum verankert und für Sichtbarkeit sorgt.

Das Schulgelände öffnet sich nach Nordwesten zur Panke, zieht den Ufergrünzug in den Schulkomplex hinein und schafft einen nahtlosen Übergang. Über die nordöstliche Fuge zwischen Schulneubau und Mahngericht wird die übergeordnete Grünverbindung bis zum Brunnenplatz verlängert. Hierüber erfolgt die Anlieferung für die Mensa und Feuerwehrzufahrt sowie die Unterbringung eines Großteils der Fahrradstellplätze. In den Zeiten außerhalb des Schulbetriebs ist dieser Bereich frei zugänglich als Erweiterung des öffentlichen Raums. Die Schulsportflächen fügen sich in die zentrale Grünfläche ein. Die 100m-Laufbahn umschließt als farbiger Loop eine zentrale Grünfläche mit Rasenbolzplatz, Tischtennis und weiteren Aktivbausteinen. In das angrenzende Bestandswäldchen werden Teile des Schulgartens und das grüne Klassenzimmer eingefügt. Die erdgebundenen Schulgartenflächen werden durch einen vertikalen Garten ergänzt, der einen Teil der rückwärtigen Front des Mahngerichts bespielt und einen auf mehreren Ebenen begehbarer grünen Vorhang schafft. Die leichte, laubengangartige Stahlkonstruktion integriert Insektenhotels, Bienenkörbe und Nisthilfen in den oberen Ebenen die helfen, die Biodiversität zu steigern und eine ökologische Oase zu schaffen. Aussparungen in der Metallstruktur ermöglichen Baumpflanzungen über mehrere Etagen. Der vertikale Garten geht im Süden in eine dreidimensionale Spielskulptur entlang der Brandschutzwand über.

Die südwestlichen Bereiche des Schulkomplexes werden als urbane Promenade gestaltet, die auch als halböffentliche Durchwegung für den Kiez funktioniert. Dementsprechend werden hier nicht nur Funktionen für die Schule wie Kleinbusvorfahrt, Stellplätze und Müllstandplatz sondern auch Nutzungsbausteine für die Nachbarschaft, wie das Multifunktionsspielfeld an der Pankstraße, Spielzonen und Aufenthaltsbereiche, eingebunden.

Nachhaltigkeit - Konstruktion, Materialität

Tragwerk
Der Schulneubau wird als Holz-Beton-Hybridbau geplant. Im Sinne einer maximalen Flexibilität sowie einer elementierten und damit wirtschaftlichen und schnellen Bauweise wird das Tragwerk des Schulgebäudes als Skelettbau aus Recyclingbeton im Raster von 8,60x8,60m unter Verwendung von Fertigteilen geplant. Ein System aus Betonstützen 30/30cm und -balken 30/48cm schafft maximale Raumflexibilität.
Holz-Beton-Verbunddecken- und Holzdachelemente (Regelabmessung 8,40×2, 15m) aus BSH-Rippen h= 36cm mit einem Aufbeton d=12cm bzw. BSH-Rippen h= 36cm mit einer Deckung aus OSB-Platten 25mm füllen die Felder des Betonskeletts aus. Durch den höhenbündigen Anschluss der Rippenelemente an die Betonrandbalken wird eine sturzlose Fassade ausgebildet, die zu einer sehr guten Tageslichtversorgung der Innenraume führt. Zur Aussteifung werden die Decken- und Dachplatten zur Scheibe ausgebildet, so dass keine weiteren Verbände erforderlich sind und die Treppen- und Sanitärkerne aus Stahlbeton vorgesehen. Für die Beschleunigung des Bauablaufes kommen weitgehend Fertigteile bzw. Halbfertigteile zum Einsatz (Holz-Beton-Verbund-Deckenelemente, Fertigteilstützen und -balken, Betonhohlwände).
Die Trennwände zwischen den Räumen und zu den Erschließungsflächen werden aus nichttragenden Leichtbauwänden hergestellt. Die Flurwände, bzw. Wände zwischen Unterrichtsräumen und Forum werden zusätzlich mit einer Schrankzone ausgebildet. Durch die Trennung von tragenden und ausfachenden Bauteilen wird die größtmögliche Flexibilität für Anpassungen an zukünftige Nutzungsänderungen gewährleistet. Die Geschossdecken erhalten einen schwimmenden Estrichaufbau zum Trittschallschutz. Um die Eingriffe in das vorhandene Gelände möglichst gering zu halten, wird das Gebäude auf eine Flachgründung mit Einzel- und Streifenfundamenten aus Recyclingbeton und einer selbstragender Bodenplatte d=25cm gegründet. Eine kleine Teilunterkellerung für die Haustechnik wird als „Weiße Wanne" in WU-Beton mit 30cm starken Außenwänden und einer ca. 60cm dicken elastisch gebetteten Sohlplatte vorgesehen.
Durch die Verwendung des leichteren Baustoffes Holz für die Tragelemente, können die Gründungsbauteile gegenüber einem konventionalen Massivbau optimiert und somit die Verwendung von Stahlbeton auf ein minimales Maß reduziert werden.

Das Tragwerk der Sporthalle wird aus einem Plattenbalkenquerschnitt aus Spannbetonfertigteilbindern mit b/h=40/85cm im Systemabstand von 4,30m und einer Stahlbetonplatte d=25cm als Halbfertigteil d=25cm auf Betonstützen gebildet.

Hülle / Sonnenschutz
Die Fassaden werden durch ein System aus in das Stahlbetonskelett eingesetzten 30cm tiefen hochwärmedämmenden Holzrahmenbauelementen mit eingesetzten Holz-Alu-Fensterkonstruktionen mit 3-Scheiben-Verglasungen und Dreh-Öffnungsflügeln gebildet und ermöglichen so großzügige Bezüge zum Außenraum. Die Fensterkonstruktion ist so ausgebildet, dass flexibel Trennwände angeschlossen werden können und damit unterschiedliche Raumaufteilungen möglich sind. Die ausschließliche Verwendung von Dreh-Öffnungsflügeln ermöglicht unabhängig von der jeweiligen Raumaufteilung eine gute Versorgung mit natürlicher Belüftung sowie Nachtauskühlung pro Raum.
Die Holzrahmenbauelemente werden von außen mit einer gebogenen hinterlüfteten Schale aus grün lasierten Lärchenholzbrettern, innenseitig mit 3-Schichtplatten verkleidet und mit Zellulosedämmung ausgeblasen. Durch die Holzbauweise kann die komplette Stärke der Außenwandkonstruktion zur Gebäudedämmung herangezogen werden. Dies ermöglicht die Erreichung eines hohen Dämmstandards bei moderaten Bauteilstärken.
Die sturzlose Außenwandkonstruktion ermöglicht eine gute Tageslichtversorgung der Räume. Individuell steuerbare außenliegende Senkrechtmarkisen/Raffstores schaffen einen effektiven Sonnenschutz. Als Blendschutz kommen innenliegende Vorhänge zum Einsatz, die für eine behagliche Innenraumatmosphäre sorgen.

Im Erdgeschoss werden die geschlossenen Bereiche mit vorgesetzten robusten Betonfertigteilelementen mit einer vertikalen Oberflächenstrukturierung ausgebildet.

Die Loggien und Aussentreppen werden mit einer Metallmaschennetzen umschlossen, die in Teilbereichen begrünt werden.

Der sommerliche Wärmeschutz wird durch vorgesetzte Betonfertigteilelemente (brise soleils), die außenliegenden Sonnenschutzanlagen, thermisch träge schwere Fulbodenkonstruktionen sowie eine effektive Nachtauskühlung gewährleistet.

Dach
Die Dachkonstruktionen erhalten einen Retentionsdachaufbau mit Gefälledämmung und extensiver Dachbegrünung zur Befeuchtung des Mikroklimas und Temperaturabsenkung durch Zwischenspeicherung des Regenwassers auf der Dachfläche. Zusätzlich wird eine mit der Dachbegrünung harmonierende PV-Anlage auf der Dachfläche angeordnet. 
Begehbare Terrassenflächen werden mit einem Betonsteinplattenbelag versehen, nicht begehbare Flächen werden ebenfalls extensiv begrünt.

Ausbau - Materialien
Die Materialwahl reagiert nachhaltig und angemessen auf die Schulnutzung. Das Gebäude wird aus robusten und langlebigen Materialien gebaut. Massive Bauteile sollen weitestgehend unverkleidet bleiben, um sie als Wärmespeicher zu aktivieren und damit die thermische Stabilität des Gebäudes zu verbessern. Im Innenbereich führen Kontraste aus warmen organischen und robusten mineralischen Oberflächen die Materialsprache der Fassaden konsequent fort.
Grüne Linoleumböden in den Unterrichtsräumen, Leichtbauwände teilweise mit Holzoberflächen und Möbeleinbauten aus Holzwerkstoffplatten sowie Akustikdecken aus Holzwolleplatten kontrastieren mit den mineralischen Oberflächen der Nutzestrichböden der Zentral- und Erschließungsbereiche. Beton- und Holzwände bleiben sichtbar. Leichtbauwände werden in einem hellen Farbkanon gestrichen. Durch die Wahl natürlicher Materialien entstehen eine hohe Behaglichkeit und ein hoher Innenraumkomfort.

Baustoffauswahl
Bei der Planung und Bauausführung werden möglichst nur Materialien und Bauteile verwendet, die hinsichtlich Gewinnung, Transport, Verarbeitung, Funktion und Beseitigung eine hohe Gesundheits- und Umweltverträglichkeit sowie eine hohe Lebensdauer aufweisen. Die Baustoffe sind i.d.R. recyclingfähig oder verrottbar. Auf diese Weise werden geringstmögliche Lebenszykluskosten erzeugt.

Raumakustik
Um die Raumakustischen Anforderungen einzuhalten sowie eine akustische Behaglichkeit zu erzielen, werden in den Aufenthaltsräumen sowie in den Verkehrsbereichen zwischen den Brettschichtholzrippen Holzwolleplatten als Absorberflächen eingebaut. TGA-Leitungsführungen werden in die Akustikdecken sowie Einbaumöbel integriert.

Barrierefreiheit
Der Schulneubau wird durchgängig barrierefrei geplant:
- Erreichbarkeit des Gebäudes / Behindertenparkplatz / barrierefreier Hauptzugang
- Horizontale und vertikale Erschließung (Aufzug)
- Lage, Anzahl und Ausstattung barrierefreier Sanitär- und WC-Räume
- Orientierung im und außerhalb des Gebäudes durch die übersichtliche Struktur der Baukörper und ein kontrastreiches Farbleitsystem

Brandschutz
Das geplante Schulgebäude hat eine Höhe (Oberkante des obersten Fußbodens von Aufenthaltsräumen) >7 m und ist damit in die Gebäudeklasse (GK) 5 einzuordnen. Zusätzlich ist der Sonderbautatbestand „Schule" erfüllt und die Schulbaurichtlinie zu beachten. Das aus Gebäudeklasse und Sonderbautatbestand erforderliche Konzept des baulichen, anlagentechnischen und organisatorischen Brandschutzes unterstützt in seiner Auslegung den Entwurfsgedanken der Architekten. Es nutzt die von der Architektur vorgegebenen Abschnitte und Einschnitte für die Belange eines sicheren und genehmigungsfähigen Baukörpers. Die Nutzung wird so von Anforderungen des Brandschutzes entlastet und die vom Entwurfsverfasser gewünschte Flexibilität und Transparent sichergestellt.

Baustoffe und Bauteile
Tragende sowie raumabschließende Bauteile sind in der GK feuerbeständig oder abweichend feuerbeständig (F 90-A/F 90 B) herzustellen. Die Schulbaurichtlinie stellt keine zusätzlichen Anforderungen an Baustoffe oder Bauteile. Bei einer abweichend feuerbeständigen Baukonstruktion kann Holz als Baustoff für alle tragenden und raumabschließenden Bauteile verwendet werden.

Brand- und Rauchabschnitte
Die erforderlichen Brandabschnitte orientieren sich an der räumlichen Organisation und Gestaltung des Entwurfs. Durch die Teilung der Baukörper in Cluster (pädagogische Einheiten) bis zu einer Größe von ca. 900 m?, die durch feuerbeständige Wände und feuerhemmende Rauchschutztüren getrennt sind, entstehen sichere Bereiche, die einer Ausbreitung von Feuer und Rauch vorbeugen und zur horizontalen Evakuierung in benachbarte Brandabschnitte (z. B. für Inklusion) genutzt werden können. Innerhalb der Cluster werden durch Maßnahmen oberhalb der Bewegungsebene (Stürze, Unterzüge) Rauchabschnitte ausgebildet, die im Brandfall einer übermäßigen Rauchausbreitung vorbeugen.

Flucht- und Rettungswege
Die Fluchtwege für Schülerinnen und Schüler wie die Rettungswege für Rettungskräfte der Feuerwehr führen über insgesamt acht notwendige Treppen, die entweder als sichere Außentreppen oder innerhalb notwendiger Treppenräume angeordnet sind. Großzügige, offene Treppen dienen zusätzlich der vertikalen Erschließung des Baukörpers, sind jedoch von der Aufgabe als Flucht- oder Rettungsweg entlastet. Jeder Cluster kann im Brandfall über eine notwendige Treppe oder einen Rettungsweg in einen anderen Cluster sicher entfluchtet werden. Durch eine horizontale Evakuierung in benachbarte sichere Bereiche ist auch die schnelle Rettung von Personen mit Behinderungen gewährleistet. Erschließungsflächen sind in diesem Rettungskonzept nicht als notwendige Flure erforderlich. Die als Kommunikations- und Interaktionsflächen geplanten Foren im Zentrum der Cluster verbessern gleichzeitig die Orientierung und Organisation der Flucht zu benachbarten Treppen oder in sichere Bereiche.
Zusätzlich tragen Rauchschürzen im Zusammenspiel mit den o.g. Rauchabschnittsmaßnahmen und Verglasungen zur Abschnittsbildung und zur Transparenz innerhalb der Cluster bei.

Löschsysteme, Systeme der Brandfrüherkennung
Durch Einhaltung der baurdnungsrechtlich geforderten Brandschutzqualität der Bauteile und die Schaffung ausreichender sicherer Bereiche für Flucht- und Rettungswege sind Abweichungen von der Bauordnung nicht erforderlich. Neben den in der Schulbaurichtlinie geforderten Einrichtungen zur Rauchableitung, zum Blitzschutz, zur Sicherheitsbeleuchtung, Alarmierung und Sicherheitsstromversorgung sind aufwendige Systeme zur Brandfrüherkennung oder Brandbekämpfung - die üblicherweise Mängel im baulichen Brandschutz kompensieren müssen - nicht erforderlich.

Wirtschaftlichkeit / Rationalisierung

Die Anwendung eines einheitlichen Planungs- und Konstruktionsrasters und die horizontale und vertikale Wiederholung von darauf basierenden Regelgrundrissen und typisierten Fassadenelementen führt zu erheblichen Synergieeffekten in allen Leistungsbereichen der Planung und Bauausführung. Der durchgängige Einsatz von Fertigteilen für das Tragwerk ermöglicht einen hohen Grad an Vorfertigung und die Umsetzung einer Montagebaustelle und verkürzt die Bauzeit und damit die Baukosten erheblich. Kompakte Baukörper, ein gutes Verhältnis BGF/NF sowie eine angemessene Materialwahl ermöglichen niedrige Investitionskosten. Eine dauerhafte, robuste und anpassungsfähige Konstruktion führt zu niedrigen Lebenszyklus- sowie Unterhalts- und Betriebskosten (Reinigungs- und Reparaturfreundlichkeit) und stellt einen Beitrag für die nachhaltige Nutzung des Gebäudes dar.

Nachhaltigkeit - Energie und Klimakonzept

Das Gebäudekonzept orientiert sich an nachhaltigen Lösungen über die zu erwartende Nutzungsdauer. Dabei wird insbesondere den Anforderungen an Gesamtwirtschaftlichkeit, Ressourcenefizienz und Behaglichkeit Rechnung getragen. Im Ersten Schritt wird dazu der Energiebedarf minimiert, der dann mit optimal angepassten Systemen gedeckt wird. Thermische Hülle sowie das Gebäudetechnikkonzept werden so ausgelegt, dass der gewünschte Energiestandard KFW-Effizienzhaus 40 erreicht wird.

Passive Maßnahmen
Architektur, Fassade und Gebäudetechnik sind optimal aufeinander abgestimmt. Um einen geringen Energieverbrauch bereits aus dem Gebäudekonzept ableiten zu können, werden zunächst passive Maßnahmen berücksichtigt:
- Hervorragende Wärmedämmung durch einen kompakten Baukörper mit gut abgestimmter Gebäudehülle
- thermische Speichermasse durch schwere Aufbaukonstruktionen des Bodens; Die Speichermasse wird zur Nachtauskühlung und zum internen Wärmeausgleich optimal genutzt
- hohe Tageslichtverfügbarkeit auf Grund hoher Transparenz / Transluzenz / sturzloser Fassade
- Die Raumregelung für Beheizung, Belüftung und Beleuchtung ist über CO2-, Temperatursensoren und Präsenzmelder tageslichtabhängig geplant.
- Zentral gesteuerter effizienter außenliegender Sonnenschutz, der zentral gesteuert und jeden Abend heruntergefahren wird, um eine raum- und fassadenorientierte Verschattung in Bezug auf Tageslichtbedarf und Wärmeeintrag individuell mittels Einzelraumregelung einstellbar zu gestalten.
 

Wärmeversorgung
Die Wärmeversorgung des Gebäudes ist mit Fernwärme vorgesehen. Die Wärmeübertragung in den Räumen erfolgt über Konvektoren. Weiterhin besteht die Möglichkeit die Wärmeversorgung über eine zusätzliche Wärmepumpe sicherzustellen. Zur Regeneration des Geothermiefeldes wird passive Kälte zur Temperierung des Gebäudes ausgekoppelt. Dies ist im Hinblick auf die Lebenszykluskosten und CO2-Emissionen die nachhaltigste Lösung.

Raumluft
Das Lüftungskonzept beruht in allen Bereichen auf einer Kombination von natürlicher Lüftung mit erforderlicher mechanischer Lüftung (hybride Lüftung). Alle verglasten Fassadenbereiche werden mit einer maximalen Fläche an öffenbaren Fenstern ausgestattet, dies ermöglicht es, alle an die Fassade angrenzenden Bereiche natürlich zu lüften. Alle wesentlichen Bereiche können dadurch innerhalb und bei Bedarf auch außerhalb der Nutzungszeiten effektiv natürlich grundgelüftet, die Raumluft vorkonditioniert und natürlich gekühlt (Nachtauskühlung) werden. Im Hinblick auf das Low-Tech-Konzept wird die mechanische Belüftung nur betriebsbedingt bei Notwendigkeit mit minimal erforderlichen Luftwechselraten und wartungsarmer, einfacher und robuster Anlagentechnik erfolgen.
Die Unterrichts- und weiteren Aufenthaltsräume erhalten in die Fassade integrierte Nachströmelemente. Die Zuluft wird im Winter über statische Heizflächen vortemperiert. Die Luft strömt über schallgedämmte Öffnungen in den Flurwänden über und wird an den zentral angeordneten Sanitarkernen über Türunterschnitte / Gitter mittels Ventilatoren abgeführt und separat über Dach geführt. Zusätzlich erfolgt eine Querlüftung über die jedem Compartment zugeordnete Loggia. Die mechanische Lüftung kann in Zeiten schlechter Raumluftzustände kombiniert mit extremen Außentemperaturen (hochsommerlich) durch das Umschalten in eine Maximalstufe erhöht werden. Dieses System wird auch zur Nachtluftspülung genutzt. In sensiblen Bereichen wie Nawi-Fachräumen ggf. auch in Unterrichtsbereichen in Nähe der Pankstraße können Lüftungsgeräte mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung als horizontale Brüstungslösungen zum Einsatz kommen.
Deckenventilatoren werden zur Optimierung des sommerlichen Komforts in den Aufenthaltsbereichen eingesetzt. Zusätzlich ist dort eine Stoßlüftung über die vorhandenen Fensteröffnungsflügel möglich.
Die geforderten 1.000 ppm im Mittel werden so zu jeder Zeit eingehalten.
Weiterhin wird die Abluft jeweils einer sich auf dem Dach befindenden Abluft-Wärmepumpe zugeführt. Hierdurch ist es möglich ganzjahrig die Warmwasserbereitung für die Sporthalle sowie die Sanitärbereiche dezentral und ökologisch bereitzustellen.
Weiterhin wird die Serverkühlung als Abwärmenutzung in die Wärmeversorgung mit einbezogen. Die Be- und Entlüftung des Mehrzweckbereiches ist entsprechend der Nutzeranforderung mit mechanischer Lüftungsanlage sowie mit hocheffizientem Wärmerückgewinnungssystem und Adiabate passiven Kühlung vorgesehen.

Wasser und Abwasser
Die Trinkwasserversorgung erfolgt aus dem anliegenden Netz. Das Abwasser der WC- Bereiche wird im freien Gefälle oberhalb der Rückstauebene in die öffentliche Kanalisation eingeleitet. Das fetthaltige Abwasser der Küche wird vor Einleitung in die öffentliche Kanalisation durch einen Fettabscheider geleitet.

Regenwasser
Ein übergeordnetes Regenwassermanagement sieht eine dezentrale Rückhaltung und Versickerung von Oberflächenwasser vor. Ein Zusammenspiel von extensiv begrünten Dachflächen, begrünten Retentionsmulden und Verdunstungsbeeten hält Regenwasser vor Ort und puffert insbesondere Starkregenereignisse wirksam ab. Gleichzeitig sorgt es zusammen mit neuen Baumpflanzungen für ein verbessertes Mikroklima und reduziert den Hitzestress in den verdichteten Innenstädten. Das anfallende Regenwasser wird in zwei unterirdischen Zisternen gespeichert und kann für die Bewässerung der Grünflächen verwendet werden. Die Wirtschaftlichkeit der Nutzung von Regenwasser als „Grauwasser" für die WC- Spülung wird geprüft.

Beleuchtung
Durch die großzügigen sturzlosen Fensterflächen kann das Tageslicht optimal genutzt werden. Erganzend dazu wird eine künstliche Beleuchtung vorgesehen, die sich in der Lichtstärke dem Tageslicht anpasst. Für die Beleuchtung werden hocheffiziente Langfeldleuchten (LED) entsprechend der jeweiligen Raumnutzung vorgesehen, die tageslicht- und präsenzabhängig gesteuert und somit als Ergänzung zum Tageslicht zugeschaltet werden können.

Photovoltaik
Auf den Gebäudedächern werden kompakte zusammenhängende gering verschattete Flächen für die Nutzung von in die Gründächer integrierte Solartechnik angeboten. Die PV-Anlagen sind auf möglichst hohen Eigenverbrauch hin optimiert, um möglichst viel selbst erzeugten Strom in den Gebäuden direkt nutzen zu können.