Gernot schulz : architektur GmbH

Architektur:
Gernot schulz : architektur GmbH

Landschaftsarchitektur:
Urbanegestalt PartGmbB

Tragwerksplanung:
B+G Ingenieure Bollinger und Grohmann

Technische Gebäudeausrüstung:
Ingenieurgesellschaft Grabe mbH

Erläuterungsbericht

Gesamtkonzeption:
Ein Stück Stadtreparatur, ein Grünraum und ein Impuls für das Quartier.

Mit dem Neubau der Gemeinschaftsschule Pankstraße besteht die Chance, dem Standort erstmalig den städtischen Ausdruck und Auftritt gemäß des Hobrechtplans zur Berliner Stadterweiterung mit seiner Blockrandausprägung zu geben. Das Luftbild aus dem Jahr 1928 zeigt, dass die Ecke Pankstraße/Schönstedtstraße bis zu den Weltkriegen nie bebaut war.

Historisches Vorbild einer städtischen, in die Blockrandstruktur sich einfügenden Schule bildet das Gebäude der ehemaligen Charlotte von Lengefeldschule, dem Vorgängerbau des Diesterweg-Gymnasiums diagonal vis-à-vis des Wettbewerbsgrundstücks, welches sich noch heute – zwar stark im Wiederaufbau nach 1945 überformt – als selbstverständlicher Teil der städtebaulichen Baukörperreihung an der Pankstraße präsentiert.
Dieses geschlossene Stadtbild verliert sich nach dem Brunnenplatz nach Südwesten.

Das heutige neue Verständnis von Schule, die sich als aktiv und offen zum Stadtteil zeigt, ermöglicht einen Schulbau, der bewusst die Baufluchten der Pank- und Schönstedtstrasse besetzt. Zu diesen städtischen Seiten des Grundstücks wird ein architektonischer Ausdruck und Auftritt des Neubaus vorgeschlagen, der den Maßstab der Parzellierung entlang der Pankstraße aufnimmt und das Schulgebäude wie eine Abfolge einzelner Gebäude wirken lässt. Das optimiert die Einfügung des Schulbaus in seine Umgebung und addressiert einzelne Nutzungsbereiche, die von außen erkannt und benannt werden können.

Endlich erhält der Brunnenplatz eine westliche Platzfassade, an der auch der Eingang der Schule mittels eines von einer begrünten Pergola eingefassten Vorplatzes verortet ist. Zum Stadtteil orientiert und einsehbar, sowie vom Haupteingang direkt erreichbar liegen erdgeschossig der Mensa- und Veranstaltungsbereich an der Straßenecke.

Im weiteren Verlauf der Pankstraße kann das Schulleben durch große Fenster und den Hofeinschnitt beobachtet werden. Es ist angedacht, die Pergolastruktur des Hofes hier mittels Prallscheiben zu verglasen, um auch den zur Pankstraße ausgerichteten Teilen der Compartments der Sekundarstufe das Austreten auf die vorgelagerten Freiräume zu ermöglichen. Ein hofseitiges Begrünen der Prallscheibenverglasung ist projektiert.

Am südwestlichen Ende des Grundstücks ist eine Durchwegung und Anfahrung der Schule zwischen Pankstraße und Wiesenstraße als „shared space“-Fläche geplant. Hier präsentiert sich der ALBA-Club mit seinen Ganztagsangeboten niedrigschwellig und gut erreichbar Der Ballfangzaun des Sportplatzes tritt als weiteres „Haus“ in der Abfolge der Ansichten entlang der Pankstraße in Erscheinung und wird durch eine mit der Zeit dichter werdende Begrünung für die Wahrnehmung „verdichtet“.

Großbuchstaben aus Palletten in dem Ballfangzaun des Sportfelds und in dem Rankhilfegewebe der Pergola welches den Vorplatz des Haupteingangs einfasst senden großformatige Erkennungszeichen in den Stadtraum.

Wie anders präsentiert sich das Grundstück zu seiner Rückseite! Der hier befindliche Landschaftsraum beidseitig der Panke ist mit seiner Flora und Fauna ein bewahrenswerter Naturraum. Hier werden die Außenräume der Schule und – geschützt vor der Hektik und Lautstärke der Stadt – die Förderschule situiert. Hier zieht sich der Schulneubau so weit wie möglich zurück, um Platz zu schaffen für mehr Grün als Erweiterung des bestehenden Landschaftsraums. Um den Baumbestand hier zu bewahren, bleibt die große Brandwand des ehemaligen Ledigenheims/Mahngerichts als typisches Berliner Zeugnis der Geschichte unbebaut. Vielleicht ein Ort für die Kunst am Bau?

Zum grünen Schulhof, der mit dem Landschaftsraum der Panke verschmilzt, werden neben der Förderschule auch die Compartments der Primarstufe orientiert, die sich hier – ganz anders als zu den Straßenseiten – als rhythmisch gestaffelte Kubatur mit vorgelagerten Terrassen mit der Natur verzahnt und so die Janusköpfigkeit des Ortes in der Baukörperprägung zum Ausdruck bringt.

Um zu verdeutlichen, dass der Neubau im Sinne der Stadtreparatur eine dienende Rolle einnimmt, sich einfügt und im Stadtbild den Auftritt des großartigen Amtsgerichtsgebäudes am Brunnenplatz stärken möchte, orientiert sich die Höhenentwicklung der Gebäude an den Traufhöhen der historischen Gebäude und nimmt sich das Gebäude farblich und materiell zurück. Im Wesentlichen als Metallfassade mit Klinkeranteilen an den „Kopfseiten“ der SEK1- Compartments und dem gartenseiten erdgeschossigen Sockel gedacht, wird eine homogene beige-weisse farbliche Monochromität vorgeschlagen, welche sich an den Putzfassaden der historischen Altbauten des Arbeits- und des Mahngerichts orientiert.

Nutzungen

Erschließungen
Das Erdgeschoss dient als große verbindende Ebene mit klaren Raum- und Wegestrukturen und ist in großzügige Schulboulevards mit vielfältigen Aufenthalts- und Kommunikationsbereichen für die Schulgemeinschaft, grünen Höfen und Nutzungsclustern organisiert. Ein bereits beschriebener Haupteingang im Nordosten und ein weiterer Eingang achsial gegenüber im Südwesten erschließen das Gebäude. Eine kleine Eingangszone/Terrasse zwischen ALBA-Club und Sportplatz ermöglicht Zuwegung und Aufenthalt auch für die außerschulische Nutzung der Sporthallen. Ein Zutritt zum Schulhof ist fußläufig und per Fahrrad vom Uferweg im Nordwesten ebenfalls möglich. Anlieferung der Küche und Entsorgung des Mülls sind an der Pankstraße abseits des Haupteingangs funktional überdacht verortet.

Zentraler Haupteingang
Vom Haupteingang vis-à-vis des Brunnenplatzes aus, dessen Verschließbarkeit in der Fassadenpergolaebene mitgedacht ist, sind alle zentralen Bereiche auch für außerschulische Nutzungen auf kurzem Weg zu erreichen. Auch ein direkter Weg zum Schulhof, z.B. bei Schulfesten u.ä. ist angelegt. Mensa und Aula als zusammenschaltbarer Multifunktionsbereich entworfen, strahlen in das Quartier aus und haben dennoch mit Vorplatz und Hof die Möglichkeit auch Außenbereiche zu bespielen.

Nebeneingang
An der neuen Zugangs- und Zufahrtsumfahrt im Südwesten gelegen bietet der Nebeneingang insbesondere der Förderschule den notwendigen geschützten Zugang zum Gebäude. Und dennoch entsteht hier keine „abgeschnittene“ Situation für die Schülerinnen und Schüler der Förderschule, da der Eingang an das Netz der Schulboulevards im Erdgeschoss eingebunden ist und so alle Möglichkeiten der Integration und des Rückzugs für die Förderschule gegeben sind.

Ganztag
Für den Ganztag sind alle genutzten Bereiche erdgeschossig angelegt. Lernwerkstätten (mit der Möglichkeit der Öffnung zum Schulhof), Mensa/Aula aber auch Kunst-, Musik-, WAT und Therapieräume sowie die Bilbliothek befinden sich hier. Über mit den Nutzern abgestimmte Flurtüren können funktionale Schließbereiche geschaffen werden.

Außerschulische Nutzungen
Der Bereich Mensa/Aula mit eigenem Sanitärbereich bietet die Möglichkeit außerschulisch genutzt zu werden und separat abschließbar zu sein. Die Zugänge zu den OG-Compartments würden ebenso wie erdgeschossige Flurtüren (hier wäre noch abzustimmen, wo sinnvoll) hierfür verschlossen werden. Auch der Bereich ALBA-Club und Sport können über ein eigenes kleines separates Foyer als eigene Einheit funktionieren.

Lehrerbereich
Der Bereich für die Lehrpersonen, wie auch Verwaltung und Schulleitung sind direkt vom Haupteingang aus erdgeschossig erreichbar. Sowohl der Haupteingangsbereich als auch der gebäudenahe Schulhof sind von hier aus einsehbar.

Die Compartments der Gemeinschaftsschule und der NaWi-Bereich
Über zwei gut auffindbare Treppenräume (beide mit Aufzug!) sind die Compartments in den Obergeschossen zu erreichen. Die Größe der Treppenräume ermöglichen und initiieren Kommunikation zwischen den Mitgliedern der Schulgemeinschaft und bieten Sichtbezüge in die Höfe. Die Compartments der Primarstufe sind in OG1+2 in ruhiger Lage zum grünen Schulhof und dem Naturraum der Panke ausgerichtet. Den Foren sind Außenterrassen zur Erweiterung des Lernraums in Freie vorgelagert. Die hier angeordneten Außentreppen bilden jeweils den ersten Fluchtweg, so dass die beiden Innentreppen offen im Schulboulevard des EG enden und von hier aus entfluchtet werden können. Die Compartments der Sekundarstufe 1 sind zu den urbanen Seiten der Schule ausgerichtet. Die Lage zu den Höfen erlaubt aber auch hier die Orientierung zum Freiraum. Das Compartment der Sekundarstufe 2 und der NaWiBereich befinden sich im obersten Geschoss, was eine ruhige Lernatmosphäre für die Oberstufe und kurze Wege für die Absaugungsanlagen der Navi-Experimentierbereiche bedeutet. Der NaWi-Bereich wurde aufgrund der gewünschten Nähe zur Förderschule im Westen, das SEK2-Compartment im Osten angeordnet. Optional wäre ein Tausch der beiden Bereiche möglich. Dann wäre der NaWi-Bereich noch einfacher aus den Compartments der SEK1 erreichbar.
Alle Compartments erhalten Tageslicht aus drei Himmelsrichtungen, sodass gerade unter dem Aspekt des Ganztags für eine optimale Belichtung und Außenraumkontakt gesorgt ist. In den Compartments sind die Stammgruppenräume mit transparenten Raumeinfassungen zum mittigen Forum hin orientiert. Die Foren sind mittels variablen Modulmöbeln in unterschiedlich große Raumstrukturen unterteilbar, so dass für alle Lernbedingungen und Lerngruppengrößen ideale und aneignungsbare Räume angeboten werden.

Die Compartments der Förderschule
Die Förderschule erhält einen im EG angebundenen eigenen Gebäudeteil, damit eine geschützte reizarme Lage und Ausrichtung gewährt ist, gleichzeitig aber auch dieser Bereich funktional und architektonisch Teil der ganzen Bildungslandschaft und der täglichen Wege im Gesamtbau ist. Die L-Form „umarmt“ den eigenen Außenbereich, die Anordnung der Räume in den Compartments wiederholen die umarmende Geste um die jeweiligen Begegnungsflächen. Kleine Loggien und Terrassen bilden geschützte Übergangsbereiche aus den Lernbereichen in den Außenraum.

Sporthallen
Die übereinander angeordneten Sporthallen bilden zur Pankstraße einen „Immissionspuffer“ und strahlen gleichzeitig, aufgrund der außerschulischen Nutzung und den dann illuminierten Hallen in den Abendstunden, in den Stadtraum aus. Die Hallen und Zuschauergalerien sind für die Schülerinnen und Schüler auf kurzem Weg über eins der Treppenräume der Schule erreichbar, so dass gemäß des Sport- und Bewegungsprofil der Schule der Sport immer präsent ist. Einsehbar von der Pankstraße und doch geschützt zwischen ALBA-Club und ALBA-Court erfolgt der Zugang außerhalb der Öffnungszeiten des Schulgebäudes.

Lüftungstechnik und zentrale Lagerflächen
Für die Lüftungstechnik und die zentralen Lagerflächen ist in mittiger Lage des Gesamtbaukörpers ein zweigeschossiger Aufbau geplant. Die größte Höhenentwicklung ist somit aus dem Stadtraum nicht wahrnehmbar. Zudem ist der Bereich von beiden Treppenräumen der Schule erreichbar. Über diese und hier angeordnete Schächte erfolgt die Vertikalverteilung der Medien/Lüftungskanäle.

Konstruktion und Materialien

Tragwerkskonzept
Das Schulgebäude ist auf einem Raster von ca. 8,50 x 8,50m entwickelt, was der Größe eines Stammgruppenraums als „Urzelle“ des Raumprogramms entspricht.

Das Tragwerkskonzept setzt die gestalterische Idee der Kompaktheit und räumlichen Vielfalt des Gebäudekomplexes unter der Anwendung konventioneller Baustoffe und Konstruktionsweisen um. Zugleich werden mit einfachen Maßnahmen das wichtige Ziel einer ressourcenschonenden und emissionsarmen Primärkonstruktion verfolgt. Holzbetonverbunddeckensysteme und der weitgehende Einsatz von Holzwerkstoffen für Dach- und Deckenkonstruktionen reduzieren den Volumenanteil an Stahlbeton maßgeblich. Zur Sicherstellung einer raschen und kostengünstigen Umsetzung setzt der Entwurf auf eine Systembauweise mit hohem Vorfertigungsgrad.

Vertikaler Lastabtrag
Die vertikale Lastableitung erfolgt grundsätzlich weitgehend auf direkten Lastpfaden von den oberen Geschossen bis zur Gründung. Biegebeanspruchte materialintensive Abfangungen von tragenden Bauteilen werden vermieden. Regelspannweiten des Primärtragwerks von 4.25m bis 8.50m erlauben eine hybride Holz - Stahlbetonkonstruktion mit schlanken Querschnitten. Ausnahmen bilden die weit spannenden Decken/ und Dachtragwerke der Aula und der gestapelten Turnhallen.

Decken 
Die Regelquerschnitte der Holzhybriddecken erfüllen mit einer Plattenstärke von 14cm Stahlbeton und Holzträger mit Querschnitten 20/40cm sowohl die Anforderungen des Tragwerks für Spannweiten von 8.50m und 4.25m in Querrichtung der Gebäude als auch die Anforderung des Schallschutzes sowie des Brandschutzes an Geschossdecken. Konzipiert als Fertigteile mit einer Systembreite von 2.12m erlauben sie eine serielle Vorfertigung, einfachen Transport und Montage. Als lineare Auflager der Deckenelemente dienen Längsunterzüge oder die Stahlbetonwände der inneren Kernzonen. Die Unterzüge werden in Slim-Floor Bauweise deckengleich als ausbetonierte Halbfertigteile oder als Holzträger in Baubuche ausgeführt. Für die Aula bildet eine Decke aus Brettsperrholzplatten oder Stahlbetonfertigteilelementen in Kombination mit Spannbetonträger 20/80cm mit einer Spannweite von 17m in einem Abstand von 1.06m eine robuste Abfangkonstruktion für die darüberliegenden Geschosse in Leichtbauweise, um die Stützenfreiheit der Aula zu ermöglichen. Für die Sprthalle im Erdgeschoss ist eine Decke aus Stahlbetonfertigteilelementen in Kombination mit Spannbetonträger 30/150cm im Abstand von 2.12m vorgesehen. Für die Dachdecke der darüberliegenden Halle ist die gleiche Ausführung vorgesehen, jedoch wegen der geringeren Verkehrslast in doppeltem Abstand.

Stützen
Alle Stützen der Gebäudeteile werden als schlanke Stahlbetonfertigteile mit von oben nach unten gestaffelten Querschnitsgrößen ausgeführt. Die Abmessungen variieren von 20/30cm über 25/30cm zu 30/30cm starken Querschnitten. Ausnahme bilden die Stützen der Aula und der Turnhallen mit 40/40cm.

Horizontaler Lastabtrag
Die Aussteifungskräfte aus vertikaler Beanspruchung (Eigengewicht und Nutzlast) und die aus horizontaler Beanspruchung (Windlast) werden über Aussteifungswände aus Stahlbeton, die gleichmäßig über den Grundriss verteilt sind, abgleitet. Ihre symmetrische Konfiguration erlaubt die Vermeidung von hohen Lastkonzentrationen und die Lastweiterleitung über moderate Membrankräfte. Das ermöglicht eine Realisierung sowohl als schlanke Stahlbetonquerschnitte, als auch als vorgespannte Brettsperrholzwände.

Gründung
Für Gründung des Bauwerks ist in Abhängigkeit den präzisen Daten eines Bodengutachtens eine Flachgründung durch eine partiell verstärke Bodenplatte mit einer Bauteilstärke von 40cm vorgesehen. Alternativ ist ebenso eine Gründung über Streifenfundamente als elastisch gebetteter Balken in Kombination mit einer konstruktiven Bodenplatte und Einzelfundamenten unter hochbelasteten Stützen möglich. Alle erdberührenden Bauteile werden als WU-Konstruktion ausgeführt.

Fassade
Die Fassade wird als hinterlüftete profilierte Metallfassade vorgeschlagen. Es wurde durch die rhythmisierenden Lisenen eine Elementierbarkeit vorausgedacht, die jeweils an den Lisenen ihre Stoßpunkt haben. Die Fassadenprofile sind aus Aluminium und – ebenso wie die Sonnenschutzanlagen – farbgleich zu dem Klinker, der in zwei Kopffassaden der SEK1- Compartments zur Pankstraße und im gartenseiten EG-Sockelbereich geplant ist.

Re-Use, Recycling
Wo immer möglich wird der Einsatz von recycelten oder recycelbaren Baustoffen angestrebt und Baumaterialien aus Abbrüchen in der Region auf ihre Wiederverwendbarkeit für das Projekt geprüft werden.

Rationalisierung des Planungs- und Bauprozess
Die konsequente Skeletbaukonzeption mit hohem Wiederholungsfaktor der einzelnen Bauelemente ermöglicht einen effizienten Vorfertigungsgrad für den Bauprozess. Der geringe Technikanteil spart Kosten und verkürzt die Bauzeit. Die konsequente Trennung von Rohbau, Fassade und Ausbau ermöglicht einen gegliederten Planungsprozess und ermöglicht spätere Änderungen von Raumkonfigurationen.

Umsetzung der Nachhaltigkeitsanforderungen

Ökologische Qualität
Durch die Stapelung der Nutzungsbereich bis hin zur 5-Geschossigkeit entsteht ein angemessener Fußabdruck und ein großflächiger Außenraum mit hoch entwickelter ökologischer Qualität. Hierbei werden vorhandene Qualitäten gestärkt (Grünraum am Wasserkanal) und neue entwickelt (naturnah gestaltete Schulhof- und Quartiersgrünbereiche). Es entsteht ein Lern- und Lebensort von hoher Strahlkraft und ökologischer Qualität.

Ökonomische Qualität
Die konsequente Entwicklung aus einem Skelettbauprinzip sichert dem Gebäudeentwurf eine hohe Wirtschaftlichkeit in der Erstellung und nachhaltige Umnutzbarkeit. Die Trennung von Rohbau und elementiertem Ausbau und Fassadenbau nimmt Bezug auf die unterschiedlichen Lebenszyklen der Bauteile. Die nahezu wartungsfreie Klinkerfassade und der Verzicht auf mechanische Lüftungen in den Compartments führt zu niedrigen Bewirtschaftungskosten. Die intelligente Anordnung der Mensa und der Mehrzweckbereich ohne Überbauung ermöglicht geringe Bauhöhen im EG.

Soziokulturelle Qualität
Die klare Struktur der Grundrisse und die daraus resultierende gute Orientierung für die Nutzer führt ebenso wie die gute natürliche Belichtung und Belüftung, die konsequente Belegung aller Deckenbereiche mit Akustik absorbierenden Material und den Außenbezug aller Räume zu einer hohen Nutzerzufriedenheit. Dies wird verstärkt durch den starken Dialog schulischer und auch außerschulisch nutzbarer Räume, welches das Gebäude zu einem Quartierszentrum und darüber hinaus aufgrund seiner Lage und Grundrissgestaltung im Erdgeschoss zu einem Quartiersimpuls am Brunnenplatz machen. Ebenso die Freiräume: Die sichtbaren Sportanlagen sind ebenso Einladungen an die Bürger zur außerschulischen Nutzung, wie es die Verortung von Mensa und Mehrzweckbereich an der Straßenecke Pankstraße/Schönstedtstraße ist.

Technische Qualität
Die gute Belichtung aller Räume ebenso wie die Querlüftbarkeit aller Compartments ermöglicht und sichert die von der Ausloberin gewünschte natürliche Belüftung und Belichtung aller Unterrichtsräume. Auch die Mensa ist durch den angelagerten Hof querlüftbar, so dass hier nur unterstützend bei Vollbelegung mechanisch gelüftet werden muss. Gleiches gilt für die Sporthallen. Insgesamt wird somit die Umsetzung eines „LowTech“ Gedankens durch den Entwurf ermöglicht, der den ausschließlich bedarfsweise Einsatz von Technik zum Ziel hat.

BNB Pre-Check
Die Zielwerte der Standardzielvereinbarung werden aufgrund der kompakten Baumasse und der Holz-Hybrid-Bauweise übertroffen. Bei den Schadstoffen wird die höchste Qualitätsstufe 5 angesetzt. Für die nachhaltige Materialgewinnung werden die verbauten Hölzer aus nachhaltiger Fortwirtschaft geplant. Der Kriterienbereich „Ressourcheninanspruchnahme“ ist durch den Neubau insofern positiv belegt, da in Summe nach der Realisierung des Neubaus insgesamt mehr entsiegelte und biodiverse Flächen entstehen werden als im Bestand heute vorhanden sind. Der gesamte Wasserkreislauf wird auf dem Grundstück realisiert und Teilfassaden begrünt. Die Lebenszykluskosten gehen nicht über den Standardaufwand hinaus. Die Metall- und Klinkerfassaden sind langlebig und bedürfen keiner besonderen Pflege. Glasflächen sind so gestaltet, dass alle von innen zu reinigen sind. Die Flexibilität und somit Werterhaltung des Gebäudes ist durch das konsequente Skelettbauprinzip und einen hohen Anteil an nicht-tragenden Raumteilungselementen gegeben. Sanitär- und Versorgungskerne sind übereinander angeordnet. Die Behaglichkeit und Zufriedenheit der Nutzerinnen und Nutzer wird durch die hohe Qualität des Entwurfs erreicht. Aufgrund der gewählten QS 4 bei den Schadstoffanforderungen der Materialien wird von einem sehr guten Ergebnis für die Raumluftmessung und somit der Gesundheitskriterien ausgegangen. Aus den Anforderungen der DIN 18040 und dem Prinzip „design for all“ wird ein komplettes Konzept zur Barrierefreiheit entwickelt werden. Auf der Baustelle werden für die Einschränkung von Lärm und Staub, sowie für den Bodenschutz und die Wiederverwendung von Wertstoffen Konzepte erstellt werden.

Außenraum

Die Freianlagen gliedern sich in zur Stadt gewandte Flächen, Lichthöfe und Pausenhöfe mit intensiver Nutzung. Der Alba Platz wendet sich der Stadt zu, als urban cooler künstlicher Raum wird er von einer architektonisch gestalteten transparenten Prallwand von der Pankstraße erlebbar und ist den Umständen entsprechend zu öffnen oder zu schließen. Angrenzend ist Raum für die Clubterrasse und einen gut auffindbaren Zugang für Sportlerinnen. Eine L-förmige Blockinnenerschließung verbindet Wiesenstraße mit Pankstraße und erlaubt eine Durchfahrung für die Kleinbusse und eine insgesamt flexible Andienung. Neben Radstellplätzen an der Orthstraße und Besucherradplätzen zum Brunnenplatz ist die die logische und zentrale Adresse für Fahrrad fahrende, die hier viele Radständer finden. Eine Beschattung der Fläche, die Inszenierung des Eingangs und die Abschirmung zur Nachbarschaft wird über zahlreiche Bäume und Gehölze gewährleistet. Im Eingangshof ist Raum für Ankunft, der Belag der Schule verlässt den beheizten und trifft den öffentlichen Raum. Der Brunnenplatz wird über diesen vermittelnden Raum zu einer guten Adresse, eine skulpturale Gruppe von Steintribüne und ein den Himmel spiegelndes Wasserbecken nehmen direkt Bezug auf die Platzanlage des 19. Jahrhunderts. Der Mensahof wird mit wenigen Baumgruppen von Blaseneschen, unten denen Tafeln für jeweils 12 Personen stehen, gegliedert und als Sommerterrasse der Mensa nutzbar. Die Lichthöfe werden mit Großgehölzen begrünt und tragen wesentlich zur atmosphärischen Qualität des Erdgeschoßes bei. Auf dem Dach des Erdgeschosses entsteht ein charaktervoller Raum mit eingeschnittenen Lichthöfen und einer attraktiven Ausrichtung zur Panke, der als Pausenfläche für die Primarstufe ausgebaut wird. Zwei durch das Gebäude hindurchgepflanzte Bäume und unterschiedliche breite Hochbeete entlang der Außenbrüstung schaffen eine von Pflanzen bestimmte Atmosphäre, der durchgehend als Kunststofffläche gedachte Boden erlaubt die intensive Nutzung und entspricht der technisch komplexen Bausituation. Rückzugsorte in Form von hölzernen Tippis lassen ein kleines Dorf der Primarstufe entstehen, ein großes Spiel und Klettergerät, das im Kern eine aufgeständerte Holzröhre ist, bietet soziales Spiel, Rutschen und Kletterspaß. Vorteil der von Holz umschlossenen Spielräume ist, dass viel Eigenschatten die Nutzung im Sommer attraktiv macht und eine intensive Innenraumqualität bietet, denn der Hof auf dem Dach ist auch Transitraum. Über zwei Fassadenlängen wird die Brüstung als Pergola und Prallwand überhöht, so dass intensiv bis an den Rand getobt, geworfen und gespielt werden kann. Zudem sind langlebige und schöne Befestigungspunkte für mögliche Sonnenschutzsegel sichergestellt. Weitere Spielgeräte und Möbel ergänzen sinnvoll Funktionen eines Pausenhofs. Die Auftragsschule erhält den durch die städtebauliche Setzung geschaffenen qualitätvollen Raum in Richtung Panke als Pausenhof. Ein zentrales Forum mit Segel dient als Verteiler und sicherer Ort im Nahbereich der Zugänge. Viele Großbäume spenden Schatten und Definition für den Freiraum, der an den Rändern zahlreiche Nischen und Rückzugsorte bietet. Umlaufend wird eine dicke Hecke gepflanzt, die Distanz und Blickschutz garantiert, zum großen Pausenhof ist der Zugang dennoch unmittelbar und ohne Hindernis zu erreichen. Die Schnittstelle wird von den Gartenschuppen und dem Gerätehaus in einer Art besetzt, der wahlweise die Abholung von Geräten erlaubt, aber auch einen Vermittlungsbereich der Schülerinnengruppen schafft. Dieser Raum liegt im Schulgarten, der wie eine zweite Haut um die Auftragsschule herum entwickelt ist. Die intensiven Beetflächen sind gut belichtet, zur Orthstraße gibt es aber auch gedeckte Bereiche und einen Obsthain mit grünem Klassenzimmer. Der große Schulhof wird von einer großen Baumgruppe als grüne Halle überschirmt, hier wird die Qualität des Ufergrünzuges ins Schulgelände hinein übersetzt und erweitert. Der wesentliche Teil ist ein teilbefestigter Streifraum unter diesen Bäumen, akzentuiert wird der Raum durch ein sparsames Wegenetz, das zugleich für den Sport als Laufbahn funktioniert. So werden alle Funktionen für Alle erreichbar und die Versiegelung bleibt gering. Entlang des Schulbaus weitet sich die befestigte Fläche auf, hier finden die meisten Querungen und täglichen Wege statt, der Übergang in Spiel ist bewusst fließend. Eine zentrierenden perfekte Kreisgeometrie bietet ein Becken mit Hackschnitzeln, hier sind beweglich Holzobjekte wie in einer gewaltigen Lichtung angeordnet, Gruppen balancieren, sitzen und spielen in den offenen Bereichen. Die Umgestaltung mit einfachen Mitteln ist gewünschter Teil des Konzeptes.

Energiekonzept

Das besondere Augenmerk der energetischen Planung liegt auf der Umsetzung eines nachhaltigen und wirtschaftlichen Konzepts. Die Nutzung vorhandener Energiesysteme in Verbindung mit der Erweiterung um regenerative Energiequellen zur Wärmeerzeugung erzeugen Synergieeffekte bei Investition und Betrieb. Darüber hinaus wird der Energiebedarf durch die Auswahl hochwertiger Bauteilkomponenten auf ein Optimum reduziert.

Die geplanten Neu- und Anbauten sollen aus ökologischer Sicht einem passiven Gebäudekonzept mit den Mindestanforderungen an ein KfW-Effizienzhaus 40 folgen. Zur Einhaltung des sommerlichen Wärmeschutzes ist eine schwere hybride Bauweise, zur Begrenzung der thermischen Lasten in Verbindung mit außenliegenden Jalousien und eine Nachtauskühlung geplant. Zur Optimierung der physikalischen Bedingungen und der sommerlichen Nachtauskühlung sowie zur Minimierung der Wärmeverluste wird die Querlüftung über Lüftungselemente und / oder Fenster vorgesehen. Der architektonische Entwurf gibt durch seine dreiseitige Fassadengestaltung optimale Bedingungen zur Umsetzung der freien Lüftung vor. Zur Sicherstellung der ausreichenden Raumluftqualität werden dynamische Nachweisverfahren zur Optimierung dieses Konzepts vorgeschlagen. In Bereichen mit erhöhten Anforderungen an den Raumbedarf wird eine mechanische Be- und Entlüftung mit zentralen Lüftungsanlagen vorgesehen. Die Möglichkeit zum Öffnen der Fenster bleibt aber auch hier weiterhin vollständig erhalten.

Für Sonderbereiche oder Einzelräume in exponierten / alleinstehenden Lagen sind Fensterlüftungen oder dezentrale mechanische Lüftungsanlagen, je nach Nutzung und Ausrichtung der Bereiche projektiert. Dabei wird der Mensa- und Küchenbereich mit separaten, den technischen Vorgaben entsprechenden zentralen Küchenlüftungssystemen ausgestattet. Die Sporthallen werden aufgrund der geometrischen Anordnung ebenfalls mechanisch mit hoher Wärmerückgewinnung belüftet.

Zur Wärmeenergie-Bereitstellung wird Fernwärme zur Beheizung eingesetzt werden. Die Forderung zur Nutzung eines möglichst hohen Anteils an regenerativen Energien wird über die Fernwärme, die ca. 85-prozentige Wärmerückgewinnung in den RLT-Geräten und der Eigenstromerzeugung aus der Photovoltaikanlage sichergestellt. Sämtliche Flachdächer können hierbei für die Installation von Photovoltaikanlagen genutzt werden.

Zur Reduzierung des Trinkwasserbedarfs werden an allen Sanitärobjekten wassersparende Armaturen eingesetzt.

Mit einer Außenluftmenge von ca. 25-36 m³/h und Person kann dauerhaft eine ausreichende Luftqualität (Begrenzung der CO2-Konzentration in Räumen auf unter 1.000 ppm) erzielt werden. Zudem garantiert diese geringe Luftmenge Geräusch- und Zugfreiheit in den Klassenräumen. Kann die Raumluftqualität über eine Fensterlüftung nicht nachgewiesen werden, werden zusätzliche mechanische Lüftungselemente ausgeführt. In diesem Fall wird die mechanische Lüftung raumweise über Luftvolumenstromregler in Verbindung mit der Messung des raumweisen CO2-Gehalts abgeschaltet, wodurch Lufttransportenergie eingespart wird.

Unterrichtsräume haben sehr hohe interne (Schüler) und externe (Fenster) Kühllasten. Die Wärmeabgabe durch Transmission ist im Sommer vernachlässigbar und eine Überhitzung der Räume ist bei zusätzlicher Sonneneinstrahlung möglich. Die Wärme muss tagsüber zwischengespeichert und nachts über die Fenster / Lüftung abgeführt werden. Neben einer schweren hybriden Bauweise werden die Fensterflächen in Bezug auf die Tageslichtversorgung und einem äußeren Sonnenschutz optimiert ausgestattet (MetallRaffstores mit Tageslichtlenkung). Die notwendigen Lüftungsanlagen werden mit einem Sommerbypass ausgestattet, sodass eine aktive Nachtauskühlung mit einem geringen Energieeinsatz vorgenommen werden kann.

Es sollte eine raumweise (Einzelraumregelung) Steuerung für Heizung, Lüftung, Sonnenschutz und Lüftungsklappen (Fenster) möglich sein.

Die Flurbeleuchtung soll über Bewegungsmelder mit Lichtsensoren gesteuert werden. Die Beleuchtung in den Klassenräumen wird unterteilt in fensternahe und fensterferne Bereiche, die über Tageslichtsensoren individuell dem Bedarf angepasst werden können. Generell werden LED-Leuchten zur Ausführung kommen.

Zur Außenbewässerung kann ein unterirdisches Regenrückhaltebecken, dass das Wasser der Dachflächen und der Hygienespülung aufnimmt, installiert werden. Das Regenwasser kann dann bei Bedarf aus der Zisterne zur Bewässerung entnommen und an heißen Sommertagen über Verdunstungsflächen, zur Abkühlung des Mikroklimas auf dem Schulgelände, genutzt werden. Durch den Einsatz von Gründächern wird über die Rückhaltung des auf den Dachflächen anfallenden Regenwassers die Einleitmenge nachhaltig reduziert. Zusätzlich wird die Dachoberfläche über die Verdunstung des rückgehaltenen Regenwassers auf der Dachfläche gekühlt. Darüber hinaus verbleibendes Regenwasser soll möglichst auf dem Grundstück mittels Versickerungsschächten und -rigolen verbleiben, um die Einleitung in das öffentliche Leitungsnetz größtmöglich zu minimieren bzw. je nach Anforderung an das Kanalsystem komplett.