Architektur:
Bruno Fioretti Marquez GmbH
Landschaftsarchitektur:
Studio Vulkan Landschaftsarchitektur GmbH
Tragwerksplanung:
Schnetzer Puskas Ingenieure GmbH
Technische Gebäudeausrüstung:
Transsolar GmbH
Brandschutz:
brandschutz plus GmbH
Architektur:
Bruno Fioretti Marquez GmbH
Landschaftsarchitektur:
Studio Vulkan Landschaftsarchitektur GmbH
Tragwerksplanung:
Schnetzer Puskas Ingenieure GmbH
Technische Gebäudeausrüstung:
Transsolar GmbH
Brandschutz:
brandschutz plus GmbH
Auf dem Grundstück Nord der bestehenden Schule an der Jungfernheide im Berliner Bezirk Spandau soll ein Erweiterungsneubau und eine neue Doppelsporthalle für die wachsende Großstadt Berlin errichtet werden. Das Grundstück liegt in einem heterogenen Umfeld, das geprägt ist von großmaßstäblichen Gewerbe- und Verwaltungsbauten und dichtem Geschosswohnungsbau. Prägend sind neben dem großen, alten Baumbestand auch die Straße Rohrdamm, die für große Lärmimmissionen aus Westen sorgt. Zum Ende des Jahrzehnts soll zudem die ehemalige S-Bahnstrecke der Siemensbahn reaktiviert werden, sodass die Lärmbelastung aus Westen und Süden weiter zunehmen wird. Der Gleiskörper teilt das Gesamtschulgrundstück in zwei Teile, sodass nur über zwei Unterführungen eine Verbindung zwischen neuem und altem Schulcampus besteht.
Städtebaulich stellen der Schul- und Sporthallenneubau ein Ensemble dar, das sich in die Körnung des Quartiers einfügen. Die städtebauliche Setzung resultiert im Wesentlichen aus Strategien der Lärmvermeidung: Im Westen wird zum Rohrdamm hin die relativ lärmunempfindliche Sporthalle platziert, die so einen Lärmschatten in Richtung Osten ausbreitet. Ganz im Osten des Grundstückes wird der Schulneubau platziert. Eine zentrale Achse vom Rohrdamm entlang der Eingangsfassade der Sporthalle führt direkt zum überdachten Haupteingang der Schule. Diese Achse zieht sich durchs Gebäude hindurch und bietet im Osten einen Nebeneingang, der eine fußläufige Erschließung von der Gebel- Straße im Osten ermöglicht.
Der Schulneubau ist als Hoftypus entwickelt: Zwei Baukörper mit Innenhöfen werden aneinandergereiht, sodass durch die Höfe eine gute Belichtung und Belüftung, aber auch abseits des Außenlärms ruhige, geschützte Außenräume entstehen. Zur Verbesserung der Belichtung und zur differenzierten städtebaulichen Gliederung des Hauses, werden diese zueinander verschoben und verschmolzen. So entsteht eine größere Fassadenabwicklung, die eine hervorragende Versorgung mit Tageslicht und Frischluft trotz der großen Baukörpertiefe ermöglicht. In der Höhe ist der südliche Bauteil drei- und der nördliche Bauteil viergeschossig.
Die Sporthalle folgt einer einfachen, regelmäßigen Kubatur und zeigt sich zum Schulhof nach Süden hin mit seinen Nebenräumen in etwa ein Geschoss niedriger als der nördliche Hallenteil.
Zum Rohrdamm hin wird - das Grundstück im Westen nachzeichnend - eine Schallschutzwand als raumhaltige Umfriedung vorgesehen, die Raum für Außenraumgeräte, den Schulbus, Fahrradabstellplätze und das Schultor bietet.
Zwischen den beiden Baukörpern und um sie herum entstehen differenzierte Außenräume, die eine Kaskade klar strukturierter Freiräume darstellen. Unterschiedliche Teilräume mit eigenen Atmosphären und Qualitäten bilden zusammen als neuer Schulstandort ein selbstverständliches, naturnahes Gesamtgefüge.
Die zentrale Erschließungs- und Aufenthaltsachse ist als „Aktivitätsband“ Zentrum des Campus und schafft einen direkten Bezug zum Hauptzugang der Schule und der Sporthalle. Entlang dieser lebendigen Mitte sind Spiel-, Bewegungs- und Aufenthaltsangebote angeordnet und es bündeln sich die unterschiedlichen schulischen Alltagsaktivitäten. Die Belagsgestaltung bildet die funktionale Zonierung ab: Hauptbewegungsflächen sind mit robusten, wasserspeichernden, möglichst recycelten Betonplatten ausgeführt, während kleinteilige Pflasterungen mit versickerungsfähigen Fugen die Nebenbereiche gliedern. Begrünte Fugen sorgen zu den Rändern hin für einen fließenden, sanften Übergang in die Grünräume.
Zwischen Sporthalle und Schulgebäude spannt sich ein Sporthof mit Multifunktionsspielfeld auf, der über einen belastbaren Grundbelag verfügt. Eine durchgehende Sitzbank markiert den Übergang zwischen Sportbereich und Schulhof und lädt zum Verweilen oder zum Zuschauen ein. Eine Laufbahn an der Nordgrenze des Grundstücks und eine Gymnastik- und Spielwiese im Westen mit unmittelbarer Verbindung zur Sporthalle runden das Sport- und Spielangebot im Freien ab.
Zentrum des eigentlichen Pausenhofs zwischen Schule, Sporthalle und Rohrdamm ist eine frei nutzbare Wiesenfläche, auf der alte Eichenbäume wachsen, unter denen gespielt und geplaudert werden kann und die zudem im Sommer kühlenden Schatten spenden. Ergänzende Baumgruppen und differenzierte Mähbereiche zonieren die offene Wiese weiter und stärken den landschaftlichen, naturnahen Charakter des Campus.
Östlich der Schule wird eine Speiseterrasse für die Mensa vorgesehen, die das Einnehmen des Frühstücks oder des Mittagessens im Vormittagslicht und bei Sonnenschein im Freien ermöglicht. Diese Terrasse ist als locker strukturierter, baumüberstandener Platz konzipiert, der Aufenthalt, Lernen und Erholung im Freien ermöglicht.
An der Südgrenze des Grundstücks wird in Fortsetzung der Lärmschutzwand ein Pergola-überstandener Schulgarten vorgesehen. Den räumlichen Abschluss des Grundstücks bildet ein umlaufender Grüner Rahmen aus Bestands- und Neupflanzungen, die als „grüner Saum“ das gesamte Grundstück zusammenfassen. Biodiversitätsfördernde Bereiche ergänzen diesen Rahmen und schaffen eine besondere Atmosphäre im Übergang zu angrenzenden Grundstücken. Die Grundstückseinfriedung jenseits der Schallschutzwand wird mit rasch wachsenden Kletterpflanzen begrünt.
Das Schulgebäude ist räumlich klar und übersichtlich organisiert: Eine zentrale Längsachse mit Haupt- und Nebenzugang im Erdgeschoss und dem großen, zentralen Treppenhaus erschließt das Haus direkt und effizient. Hier befindet sich auch der Aufzug des Schulgebäudes. Als Zentrum aller Bewegung stellt es das Herz des Schulhauses dar und erschließt alle Bereiche auf kurzem Wege. Links und rechts von diesem Herzen befinden sich auf den Obergeschossen zueinander versetzte, ringförmige Nutzungsschichten, die sich um jeweils einen der beiden Patiohöfe legen. Diese Höfe wiederrum funktionieren jeweils als ein „Lungenflügel“ und versorgen das Innere des Hauses mit frischer Luft und viel Tageslicht, ohne allzu lärmbelastet zu sein.
Das Erdgeschoss bietet Raum für die Mensa, die Mehrzweckräume, die Schulverwaltung und für den künstlerischen und musischen Bereich, wohingegen auf den Obergeschossen die regulären Unterrichtsräume zu finden sind.
Erschlossen wird das Erdgeschoss über einen überdachten Eingangsbereich als Unterschnitt ins Gebäude und einem angrenzenden Windfang, der die Zugbewegung im Hause reduziert. Hier ist auch das Büro der Hausmeisterin bzw. des Hausmeisters als zentrale Anlaufstelle vorgesehen. Das große Treppenhaus erschließt als gebäudehohe Halle das gesamte Schulgebäude. Südlich von der Treppenhalle befindet sich der repräsentative Bereich der Schule, der sich als kaskadenartige Raumfolge vielfältig zusammenschalten lässt oder aber separat genutzt werden kann: Ein großes, mit Oberlichtern beleuchtetes Foyer bietet Raum für schulische Veranstaltungen. Im Alltag kann es bei schlechten Witterungsverhältnissen als Pausenraum dienen. Hieran schließen sich die Aula als Mehrzweckraum mit Bühne und die große Mensa mit 200 Sitzplätzen an. Auch diese Räume können bei Bedarf zusammengeschaltet werden. Um diese großen Räume herum werden dienende Nebenfunktionen verteilt: Eine große WC-Anlage, Requisitenräume, die Aufbereitungsküche der Mensa, Garderoben und Lagerbereiche.
Im Erdgeschoss befinden sich auch die musischen und künstlerischen Fachräume: Die Fachräume Musik profitieren von der Nähe zur Aula, sodass auch auf kurzem Wege ein Klavier hinübergeschoben werden kann. Die Fachräume Kunst sind atelierartig entlang der erdgeschossigen Fassade angeordnet, sodass auch ein Arbeiten und Werken im Freien Teil des Unterrichts sein kann. Für Gäste und Eltern leicht aufzufinden, befindet sich die Schulverwaltung ebenso im Erdgeschoss und kann unmittelbar von der Treppenhalle aus erreicht werden.
Die Obergeschosse sind klar, und gleichmäßig organisiert: Zwischen Außenfassade und den Innenhöfen befinden sich die Compartments mit den allgemeinen Unterrichtsbereichen. Erschlossen werden sie vom großen Treppenhaus aus über eine Garderobe (mit zugeordnetem Sanitärbereich), die unmittelbar nach dem Schuhwechsel in die Foren führt. Angegliedert finden sich hier dann Stammgruppen- / Kursräume, kleine und große Teilungsräume und weitere, informellere Lernorte. In den einzelnen Compartments finden auch Teambereiche, Pflegeräume, die Lehrmittelsammlungen und weitere Nebenräume Platz.
Das Forum ist zentraler Begegnungsort, bietet Raum zum Spielen, Toben, Lernen und Lehren und wird so zum identitätsstiftenden Zentrum eines jeden Compartments. Über seine teilweise gläsernen Wände zu den Lernräumen hat das Forum mittelbar und am Hof unmittelbaren Zugang zu Tageslicht und Luft. Aufgrund des zentral platzierten großen Treppenhauses werden in den beiden Bauteilen lediglich jeweils nur ein weiteres, kleines Treppenhaus notwendig. Über diese Treppenhäuser erreichen Schülerinnen und Schüler auf direktem Wege das Freie im Fluchtfall, aber vor allem im Alltag unmittelbar den Schulhof. Im Alltag dient es zudem den Lehrkräften und den Mitarbeitenden auch als schneller Zugang zu anderen Schulbereichen.
Alle Obergeschosse folgen derselben, einfachen organisatorischen räumlichen Logik; einzig im dritten Obergeschoss entfällt das südliche Compartment.
Als Doppelsporthalle verfügt die neue Sporthalle über sechs Hallenteile auf zwei Sportebenen. Ein fassadenbreites Vordach bietet Witterungsschutz beim Warten im Freien; von hier aus wird über einen zentral gelegenen Windfang die Halle auf Sportfeldebene mit angrenzenden Geräteräumen erschlossen. Zwei an den Gebäudestirnseiten gelegene Treppenhäuser und ein zentral angeordneter Aufzug erschließen die Sporthalle effizient und barrierefrei über alle Geschosse. Im ersten und dritten Obergeschoss befinden sich identisch organisierte Umkleide- , Wasch- und Sanitärräume, die über eine zum Luftraum der Sporthalle orientierten Galerie erschlossen werden.
Von hier aus kann dem Spielen und dem Wettkampf zugeschaut werden. Im zweiten Obergeschoss befinden sich die Geräte- und Sanitärräume für die Sporthalle auf der zweiten Ebene. Oberhalb des viergeschossigen Nebenraumtraktes werden raumlufttechnische Geräte für den Betrieb der Sporthalle aufgestellt. Aufgrund der geforderten lichten Raumhöhe in den Sporthallen kommt es zu einem Höhenversatz zwischen Nebenraumtrakt und oberer Sporthalle. Dieser Versatz wird zum Belichten mittels seitlichen Oberlichtbändern genutzt.
Die baurechtlich geforderte Schallschutzwand entlang der westlichen und entlang von Teilen der südlichen und nördlichen Grundstücksgrenze wird mit unterschiedlichen Nutzungen belegt und zu einem identitätsstiftenden Element entwickelt: Als raumhaltige Wand bietet das Element Platz für Garten- und Schneeräumgeräte und für Außensportgeräte, die unmittelbar von der Gymnastikwiese aus erreicht werden können. Am Haupteingang teilt sich die Wand auf und wird am Eingang zur Aushängetafel der Schule: Aktuelle Schulprojekte und sportliche Siege werden hier ebenso ausgestellt, wie Schul- und Sportinformationen ausgehangen. Auch ein Schwarzes Brett für die Schülerinnen und Schüler befindet sich hier und informiert so allmorgendlich. Die raumhaltige Wand erhält hier auch ein Vordach mit Ausschnitten für die bestehenden Bäumen, sodass darunter eine Vielzahl an Fahrrädern überdacht und sicher an Bügeln abgestellt werden können. Ein großes Schiebetor (mit Schlupftür) erlaubt das sichere Verschließen des Schulhofes. Ebenso unter dem Dach wird ein Garagenraum für den „Schulbus“ vorgesehen. Auch findet hier ein großzügiger Müllraum Platz, der unmittelbar von der Straße aus bedient werden kann.
Im Süden schließt sich der Schulgarten unter einer leichten Pergola-Struktur an, der so Teil dieser raumhaltigen Wand wird.
Als Integrierte Sekundarschule ist das Thema der Inklusion und Barrierefreiheit naturgemäß ein essenzieller Bestandteil aller Überlegungen, dementsprechend werden die Schule, die Sporthalle und die Außenanlagen nach dem Grundsatz des Universal-Design-Ansatzes entwickelt und bieten allen Schülerinnen und Schülern gleichwertige und gleichberechtigte Lern-, Lehr- und Lebensräume im Sinne einer vollen Teilhabe.
In der Sporthalle und im Schulgebäude werden alle Ebenen über Aufzüge im Inneren für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen erreicht. Zusätzlich sind alle Verkehrsflächen und Treppen barrierefrei ausgestaltet, sodass diese stets sicher und gut begangen werden können. Schwellen werden im Schulgebäude wie auch in den Außenanlagen vermieden. Das zugrunde gelegte Zwei-Sinne-Prinzip, das sich u. a. in visuell und haptisch kontrastierenden Materialien ausdrückt, erlaubt eine diskriminierungsfreie Aneignung der Schule, der Sporthalle und der Außenanlage durch alle Schülerinnen, Schüler, Lehrende und Gäste. Der gesamte Schulcampus wird als inklusiver Lern- und Lebensraum entwickelt.
Das Schulgebäude wird in hybrider Skelettkonstruktion errichtet: Vorgefertigte Stahlbetonstützen (40cm x 40 cm) und -balken (40 cm x 64 cm) aus Recyclingbeton werden in einem Raster von 8,40 m x 8,40 m aufgestellt und bilden so ein statisch klares, einfaches und robustes Gerüst. Dieses Gerüst wird kombiniert mit ebenso vorgefertigten Holz-Beton-Verbunddecken, sodass zügig und kostengünstig der Rohbau errichtet werden kann. Die Holzbalken werden im Abstand e= 84 cm und mit Abmessungen von 32 cm x 20 cm verlegt und erhalten eine horizontal aussteifende Betonscheibe von lediglich 14 cm Stärke. Einige wenige Aussteifungswände und die Treppenhauswände werden für die Gebäudeaussteifung herangezogen und aus rezyklierten Stahlbeton errichtet. So wird eine störungsfreie, und auch zukünftig umnutzbare Grundrissstruktur ermöglicht. Die Treppenläufe werden als Fertigteile angeliefert.
Durch den hohen Grad an Vorfertigung kann eine zügige, kostengünstige und termingerechte Baustelle gewährleistet werden. Die Hybridbauweise nutzt die einzelnen Materialvorteile gezielt: Stahlbeton übernimmt lastintensive und aussteifende Funktionen und gewährleistet große Robustheit, Dauerhaftigkeit, einen guten Schallschutz und thermische Masse. Das Holz - als nachwachsender Rohstoff - reduziert den CO₂-Fußabdruck und trägt zu einem angenehmen Raumklima und einer ruhigen Atmosphäre bei. Die Tragstruktur ist grundlegend konstruktiv materialsparend und auf eine lange Lebensdauer hin ausgelegt.
Die Sporthalle folgt in dem Bereich des viergeschossigen Nebenraumtrakts streng der hybriden Baukonstruktion des Schulgebäudes. Im Hallenbereich wird die Konstruktion aufgrund der großen Spannweiten abgeändert: Die Decke über der unteren Sporthalle ist als Rahmenkonstruktion mit Stützen im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss ausgebildet. Zur Sicherstellung der Gebrauchstauglichkeit sowie zur Beherrschung der dynamischen Beanspruchungen kommen Spannbetonbinder bzw. Verbundträger im Abstand von ca. 5,10 m zum Einsatz. Diese ermöglichen eine große stützenfreie Spannweite bei gleichzeitig begrenzter Durchbiegung und Schwingung. Zwischen den Bindern spannt eine einachsig gespannte Stahlbetondecke.
Die Konzeption der Tragwerke beider Gebäude ist auf Rationalität, einfache Wiederholbarkeit und einen hohen Vorfertigungsgrad ausgerichtet. Das regelmäßige Raster von 8,40 m bzw. 5,10 m ermöglicht eine Standardisierung der Tragwerkselemente und reduziert den Planungs-, Koordinierungs- und Ausführungsaufwand. Alle Holzträger und Stahlbetonbauteile des Rohbaus können in wenigen Typen werkseitig vorgefertigt werden. Dies führt zu kurzen Bauzeiten, zu einer hohen Ausführungsqualität und großer Kostensicherheit.
Auch im Bereich der Gebäudehülle, die hocheffizient in beiden Gebäuden im EE40-Standard errichtet wird, wird ein hohes Maß an Vorfertigung angestrebt: Durch Modularisieurng, Standardisierung und Wiederholung können die Fassadenelemente als fertige „Sandwich-Elemente“ angeliefert werden und zügig am Rohbau befestigt werden. Großformatige Festverglasung sorgen für eine optimale Beleuchtung der tiefen Lernräume; ein außenliegender textiler Sonnenschutz bietet zudem Schutz vor Überhitzung der Räume. Als Wetterhülle präsentiert sich im Gefachbereich neben der Verglasung eine hinterlüftete, robuste Wellblechfassade, die aus rezyklierten Elementen hergestellt wird und mit einem egalisierenden und korrosionsschützenden Anstrich versehen wird. Innerhalb der Wellblechfassade werden Perforationen zur Lüftung über dahinterliegende, öffenbare Fenster vorgesehen. Im Bereich vor den Randbalken, der Deckenstirn und vor den vertikalen Stützen wird eine Fertigteilfassade vorgesehen, die extrem robust und dauerhaft ist. Die Fassade des Schulgebäudes ist somit nahezu wartungsfrei. Das Dach wird als „0-Gefälledach“ mit hohem Retentionsvolumen ausgelegt und vollständig extensiv begrünt und mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet.
Der Innenausbau erfolgt vollständig in Trockenbauweise, wobei das Verwenden von Holz-Lehm-Trockenbauweisen im Sinne der Nachhaltigkeit und zur Feuchteregulierung zwar empfohlen wird; dies ist allerdings im weiteren Planungsverlauf kostenmäßig vertiefend zu untersuchen. Die Forumswand wird großzügig verglast und als „raumhaltige Wand“ genutzt. Im oberen Bereich der Wand ist ein Deckenkoffer vorgesehen, in dem die Lüftungsleitungen geführt werden. Im Brüstungsbereich werden die Heizkörper mit einer lackierten Holzwerkstoff-Konstruktion mit Lüftungsschlitzen für den darunterliegenden Heizkörper versehen, die zum Sitzen und Lernen am Fenster einladen. Die Fußböden werden im Bereich der Haupterschließungsflächen mit einem veredelten, geschliffenen Estrich ausgestattet. Die Foren erhalten als „Wohnzimmer“ der Schule einen Holzdielenboden und die Lernräume behagliche Linoleumböden. Alle Sanitärräume werden mit robusten keramischen Belägen an Böden und Wänden ausgestattet.
Im Zentrum dieses Energie- und Nachhaltigkeitskonzeptes steht die Entwicklung eines ökologisch und ökonomisch optimierten Gebäudes, das hohe Komfort- und Behaglichkeitsansprüche erfüllt, das in Erstellung, im Betrieb und in seiner Materialität möglichst niedrige CO2-Emissionen verursacht und im laufenden Betrieb kostengünstig funktioniert. Somit wird eine umfassende Nachhaltigkeit angestrebt.
Die vorgeschlagenen Konzeptkomponenten ermöglichen dem Projekt ein Vorzeigeprojekt im Sinne der Kopplung des Modulbaus mit natürlichen Baustoffen zu werden – vor allem unter dem Aspekt der ökologischen und ökonomischen Effizienz.
Die räumliche Organisation aus Treppenhalle, Foyers, Foren, und kleinteiligen Clusterbereichen geht Hand in Hand mit dem haustechnischen Konzept und einem wirtschaftlichen Gebäudebetrieb: Die Zuluft folgt dem Menschen und maximiert Synergien in den Aufenthaltsräumen. Die zentrale Treppenhalle erhält Frischluft aus einem Bodenkanal und versorgt darüber das gesamte Schulhaus mit frischer Zuluft. Diese wird im Treppenbereich vorerwärmt. Aus der Halle werden die einzelnen Geschosse dann mit frischer Luft versorgt: Über schallgeschützte Lüftungskanäle mit intergierten Brandschutzklappen strömt die frische Luft oberhalb der Garderobe aus der Treppenhalle in die Clusterbereiche. Die Zuluft durchfließt ein integriertes Heizelement und ist nun angenehm temperiert. Im Foyer verteilt sich die Luft weiter und fließt über in die Trennwände integrierte Überströmelemente in die einzelnen Lehrräume. In den Räumen selbst wird eine mechanische Ablüftung installiert, die so einen „Unterdruck“ im gesamten Haus erzeugt und so für einen hygienischen, kontinuierlichen und behaglichen Luftwechsel sorgt. Im Bereich der Nasszellen wird die Abluft sodann über Dach geführt. Hier wird ein Kreislaufverbundsystem zur Wärmerückgewinnung vorgesehen. Ergänzend wird das Lüftungskonzept durch das händische Öffnen der Fenster zum lärmunbelasteten Innenhof unterstützt, sodass auch ein natürliches Lüften möglich ist. Die Fenster zu den lärmbelasten Bereichen können ebenso zur Komfortsteigerung geöffnet werden; allerdings können sie aufgrund des hohen Lärmpegels nur in Pausenzeiten geöffnet werden. Durch diesen innovativen Lüftungsansatz können im Vergleich zu konventionellen Lösungen haustechnische Kosten in Erstellung und im Betrieb reduziert werden.
Die Führung der haustechnischen Leitungen ist integrativ mit dem Tragwerk entwickelt und somit Bestandteil des Tragwerkskonzepts. Die Leitungen verlaufen zumeist parallel zu den Stahlbeton-Hauptunterzügen. Durchdringungen der Hauptträger werden auf ein absolutes Minimum und auf statisch klar definierte Bereiche reduziert. Dadurch bleibt die Tragfähigkeit, die Dauerhaftigkeit und die Wirtschaftlichkeit der Konstruktion erhalten.
Primär wird zum Heizen ein Flächenheizsystem (Heizkörper im Brüstungsbereich) vorgesehen, das extremen Hitzeperioden auch zum Kühlen genutzt werden kann. Die Kühlung erfolgt dann über ein Wärmepumpensystem und wird bedarfsweise mit einer Nachtluftspülung über Fensteröffnung kombiniert. Es wird dazu ein Erdwärmekollektorsystem unterhalb der Gebäude vorgeschlagen. Im Innenraum kommen natürliche Baustoffe wie Holz und Lehm zum Einsatz. Diese bieten im Innenraum zusammen mit den massiven Bauteilen zum einen thermische Masse und sie dienen zum anderen als Feuchtepuffer. Dadurch werden besonders trockene oder feuchte Luftempfindungen im Sommer oder Winter minimiert. Großzügige Verglasungen sorgen für eine möglichst hohe Tageslichtausbeute. Ergänzend werden energiesparende LED-Leuchten vorgesehen.
Die Sporthalle wird mit einer Fußbodenheizung beheizt, die über für die Nutzerinnen und Nutzer angenehme Strahlungswärme den Komfort erhöht, ohne das Luftvolumen der Halle zu überhitzen. Im Sommerfall wird der Komfort in der Halle über große Öffnungsflügel zur natürlichen Belüftung und Nachtluftspülung sichergestellt. Eine zentrale, mechanische Lüftungsanlage als Grundlüftung und für die Sanitärräume wird mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung vorgesehen. Die Zuluft wird über die Geräteräume in den Hallenbereich eingebracht. Die Abluft wird im Sanitärbereich abgesaugt und zur Wärmerückgewinnung zur Lüftungsanlage zurückgeführt.
Der Heizwärmebedarf wird zum einen über das anliegende Fernwärmenetz gedeckt, zum anderen wird ein rev. Wärmepumpensystem ausgelegt auf den Kühlbedarf. In das System wird zudem auch die Abwärme aus dem Kreislaufverbundsystem eingebunden. Großflächige Photovoltaikanlagen auf den Dächern versorgen den Campus mit nachhaltigem, dezentral erzeugtem Strom.
Aufgrund der Gebäudegröße und -höhe ist das Schulgebäude der Gebäudeklasse V zuzuordnen. Ebenso werden die Sonderbautatbestände Versammlungsstätte und Schule erfüllt. Die Sporthalle ist der Gebäudeklasse III zuzuordnen, wobei auch hier ein Sonderbautatbestand (Sporthalle) erfüllt wird. Das Schulgebäude wird als sog. Compartment-Schule entwickelt und in wirksame brandschutztechnische Abschnitte unterteilt. Tragende sowie raumabschließende Bauteile des Schulgebäudes werden entsprechend der Gebäudeklasse V feuerbeständig (F90- AB bzw. abweichend F90-B) bzw. in der Sporthalle gem. Gebäudeklasse III feuerhemmend (F30) hergestellt.
Das Schulgebäude wird in zwei Gebäudeteile unterteilt, wobei ein jeder Gebäudeteil Raum für zwei Compartments mit jeweils weniger als 800 m2 BGF bietet. Die Compartments entsprechen baurechtlich den „Nutzungseinheiten“. Zwischen den beiden Gebäudeteilen wird ein notwendiger Treppenraum angeordnet, der sich zusammen mit der geometrischen Verschiebung beider Gebäudeteile zueinander brandschutztechnisch begünstigend auswirkt. Der notwendige Treppenraum wird mit Wänden in Bauart Brandwand und mittels Feuer- und Rauchschutztüren von den Nutzungseinheiten sicher abgetrennt. So wird das ca. 76 m lange Schulgebäude in zwei Brandabschnitt unterteilt. Zur Behinderung einer Rauchausbreitung und Verbesserung der Flucht- und Rettungs-, sowie der Löschmaßnahmen der Feuerwehr werden die übergroßen pädagogischen Compartments durch Stürze oder Rauchschürzen (ca. 1 m unterhalb der Decke) zusätzlich in Rauchabschnitte unterteilt. Die Sporthalle bildet zwei Brandabschnitte, die durch feuerhemmende Wände und Decken getrennt sind.
In der Schule führen die Fluchtwege für Nutzerinnen und Nutzer sowie die Angriffswege für Rettungskräfte der Feuerwehr über eine notwendige Treppe des zentralen notwendigen Treppenraums. Zwei weitere notwendige Treppenhäuser ergänzen das redundante Rettungswegkonzept des Schulgebäudes. Somit kann jedes Compartment im Brandfall über zwei notwendige Treppenräume sicher und direkt ins Freie entfluchtet werden. Erschließungsflächen sind in diesem Rettungskonzept nicht als notwendige Flure erforderlich. Die großzügigen Foren dienen als Kommunikations- und Interaktionsflächen, gleichzeitig tragen sie zur besseren Orientierung und Organisation bei der Flucht bei. Die Rettungswege der Turnhalle führen im Erdgeschoss direkt ins Freie und im Obergeschoss über notwendige Treppen ins Freie bzw. in den alternativen Brandabschnitt. Notwendige Aufstell- und Bewegungsflächen für die Feuerwehr werden für einen wirksamen Angriff berücksichtigt. Ausreichende Löschangriffe und Rettungsmaßnahmen der Rettungskräfte sind über die vorhandenen Feuerwehrzufahrt möglich. Zudem werden im notwendigen Treppenraum der Schule trockene Steigleitungen zur schnelleren Löschwasserverteilung vorgesehen.
Durch Einhaltung der bauordnungsrechtlich geforderten Brandschutzqualität der Bauteile und die Schaffung ausreichender sicherer Bereiche für Flucht- und Rettungswege sind Abweichungen von der Bauordnung nicht erforderlich. Neben den in der Schulbaurichtlinie geforderten Einrichtungen zur Rauchableitung, zum Blitzschutz, zur Sicherheitsbeleuchtung, Alarmierung und Sicherheitsstromversorgung sind aufwendige Systeme zur Brandfrüherkennung oder Brandbekämpfung – die üblicherweise Mängel im baulichen Brandschutz kompensieren müssen – hier nicht erforderlich.