Atelier 30 Architekten GmbH

Erläuterungsbericht

Neubau Gemeinschaftsschule Pankstraße

Städtebauliches und architektonisches Konzept Der Neubau der Gemeinschaftsschule Pankstraße versteht sich als präzise gesetzter Bildungsbaustein im Stadtraum von Berlin-Gesundbrunnen, robust im Ausdruck, maßstäblich gegliedert und offen in seiner räumlichen Organisation.

Dabei formuliert der Neubau entlang der Pankstraße und der Schönstedtstraße eine klare stadträumliche Kante. Ein begrüntes Sockelgeschoss als grüner Filter zum Stadtraum verankert das Gebäude im öffentlichen Raum und interpretiert die straßenbegleitende Bebauung als ruhige, zusammenhängende Basis. An der Eckadresse tritt das darüberliegende Volumen zurück und erzeugt gemeinsam mit einer pergolaartigen Struktur im Sockel einen adressbildenden Auftakt. Der so entstehende Vorplatz vermittelt zwischen Stadt und Schule und stärkt die Wahrnehmbarkeit des Haupteingangs im urbanen Kontext.
Der Zugang führt unmittelbar in das kommunikative Zentrum der Anlage. Pausenhalle, Mehrzweckraum, Mensa und gemeinschaftliche Nutzungen bilden ein offenes, transparentes Herz, das Innen- und Außenräume miteinander vernetzt und als sozialer Ankerpunkt der Schulgemeinschaft fungiert. Von hier aus entwickeln sich klare Wegebeziehungen zu den Freiflächen sowie zur Sporthalle.

Auf dem landschaftlich formulierten Sockel sind differenziert gesetzte Baukörper aus Backstein angeordnet. Ihre Maßstäblichkeit leitet sich aus der Organisation der schulischen Compartments ab. Die volumetrische Gliederung übersetzt das große Bauvolumen in eine feinere Körnung und schafft einen rhythmisierten Fassadenverlauf, der sich sensibel in den heterogenen Stadtraum von Gesundbrunnen einfügt. Gleichzeitig wird die innere Struktur nach außen ablesbar und stärkt die Identität der einzelnen Lernbereiche.

In Richtung der Pausenflächen staffelt sich die Baumasse terrassierend. Das begehbare Mensadach erweitert den Außenraum zu einer zusätzlichen Aufenthalts- und Lernlandschaft und unterstützt die räumliche Verzahnung sowie den Dialog von Architektur und Freiraum.

Sporthalle, Spielbereiche und grüne Freiflächen werden zu einer zusammenhängenden Schullandschaft verbunden, die unterschiedliche Atmosphären und Nutzungsschwerpunkte anbietet.
Die klare Setzung der Baukörper ermöglicht effiziente innere Abläufe und kurze Wege. Gleichzeitig entstehen vielfältige Blickbeziehungen und Übergänge zwischen Innen und Außen, die Orientierung und soziale Interaktion fördern. Die Schule wird damit nicht als monolithisches Gebäude verstanden, sondern als differenzierte Lernlandschaft mit hoher räumlicher Qualität.

Innere und äußere Erschließung | Räumliches Konzept

Der Schulbau entwickelt sich aus einer klar strukturierten, intuitiv erfahrbaren Erschließungsfigur. Über den zentralen Haupteingang mit vorgelagertem Platz öffnet sich das Gebäude in ein großzügiges, lichtdurchflutetes Foyer mit angeschlossener Pausenhalle, ein transparenter Auftakt und identitätsstiftender Mittelpunkt der Schulgemeinschaft. Zwei markante, kommunikativ ausgebildete Treppenanlagen strukturieren das Haus vertikal und fördern informelle Begegnungen. Sie verbinden alle Ebenen und stärken die räumliche Lesbarkeit des Gebäudes. Die Compartments sind eigenständig erschlossen und ermöglichen eine klare funktionale Zuordnung bei gleichzeitiger organisatorischer Unabhängigkeit.

Die zentral angeordnete Pausenhalle bildet das räumliche und soziale Herz der Schule. Als multifunktionale Mitte vernetzt sie sämtliche Funktionsbereiche und lässt sich durch die Zuschaltung von Mensa, Mehrzweckraum und Musikraum flexibel erweitern. So entsteht ein wandelbarer Raum für Gemeinschaft, Austausch und Veranstaltungen. Im Erdgeschoss sind die öffentlichen und gemeinschaftsbezogenen Nutzungen gebündelt: die Fachräume für Wirtschaft, Arbeit und Technik, die Verwaltung sowie die Autismusschule mit den Bereichen der Geistigen Entwicklung. Diese Anordnung gewährleistet kurze Wege, funktionale Synergien und eine klare Adressbildung. Für die Autismusschule ist zudem ein optional separat nutzbarer Eingang vorgesehen, der bei Bedarf eine unabhängige Erschließung und einen geschützten Zugang ermöglicht.

Das 1. Obergeschoss versteht sich als fachlich geprägte Lernlandschaft. Bibliothek, Naturwissenschaften und Informatik bilden einen zentralen Wissenscluster, ergänzt durch Lernwerkstatt und Kunstbereich mit vorgelagertem Interaktions- und Ausstellungsbereich. Zwei großzügige Ausgänge führen unmittelbar ins Freie auf die als Bewegungslandschaft ausgebildete Dachterrasse und erweitern die pädagogischen Flächen um qualitätsvolle Bewegungs- und Aufenthaltsangebote im Außenraum.

Die Compartments der „Autismusschule abschlussorientiert“ sind hier integriert und räumlich klar zugeordnet.

Die oberen Geschosse gliedern sich nach Altersstufen: In den Obergeschossen zwei und drei sind die Compartments der Primarstufe und der Sekundarstufe I organisiert, während die Sekundarstufe II im 4. Obergeschoss verortet ist. Diese vertikale Staffelung schafft altersgerechte Lernbereiche mit jeweils eigenständiger Identität. Die Dachterrasse kann optional als separate Pausenfläche für die Sekundarstufe II aktiviert werden und erweitert den Lern- und Aufenthaltsraum ins Freie.

Jedes Compartment verfügt über ein gemeinsames Forum als pädagogische Mitte. Grüne Loggien stellen dabei den direkten Bezug zum Außenraum her, sorgen für natürliche Belichtung und Belüftung und unterstützen eine helle, angenehme Lernatmosphäre. Das robuste, zugleich flexible Grundrisssystem ermöglicht langfristige Anpassungsfähigkeit. Nutzungsverschiebungen oder organisatorische Veränderungen können ohne grundlegende Eingriffe umgesetzt werden.

Sporthallen und Sportbereiche

Die Sporthallen sind übereinander angeordnet und als kompakter Funktionsbaustein innerhalb des Gesamtgefüges organisiert. Durch die klare Zuordnung der Bereiche und eine differenzierte Erschließung werden schulische und externe Nutzungen sinnvoll miteinander verknüpft.

Die Hallen sind sowohl direkt vom Schulhof als auch über die interne Erschließung zugänglich. Dadurch wird eine flexible Nutzung ermöglicht, die auch unabhängig vom Schulbetrieb funktioniert.

Der Jugendclub ALBA erhält einen separaten Zugang zu seinen Räumlichkeiten im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss. So wird eine eigenständige Nutzung gewährleistet, während gleichzeitig die räumliche Nähe zu den Sportflächen erhalten bleibt.

Die barrierefreien Umkleidekabinen sind zentral im Erdgeschoss angeordnet, sodass ein Geschosswechsel nicht erforderlich ist. Die weiteren Umkleiden im 1. und 2. Obergeschoss sowie die Zuschauerbereiche werden über die Treppenräume und einen Aufzug klar und übersichtlich erschlossen.

Die Loggia im 1. Obergeschoss dient als gemeinsamer Aufenthaltsbereich für den Jugendclub ALBA und die Sportler:innen. Sie schafft einen zusätzlichen Ort für Begegnung und Austausch innerhalb des Sportbereichs.

Parkplätze und Fahrradstellplätze

Die Stellplatzflächen für Pkw und Fahrräder sind funktional sinnvoll auf dem Grundstück verteilt und gewährleisten eine klare Zuordnung zu den jeweiligen Nutzungsbereichen. Es werden 3 zusätzliche Kfz-Stellplätze, 1 Kleinbus-Stellplatz sowie 3 KleinbusHaltebereiche vorgesehen.

Für den Radverkehr werden insgesamt 366 Fahrradstellplätze nachgewiesen. Ein Teil der Fahrradabstellflächen ist witterungsgeschützt angeordnet.

Durch die kompakte Organisation und die Nutzung der vorhandenen Topografie können die Stellplätze effizient in das Gesamtkonzept integriert werden. Gleichzeitig bleiben die Freiflächen klar strukturiert und gut nutzbar.

Architektursprache, Fassadengestaltung, Konstruktion

Der Auftritt des Neubaus für die Gemeinschaftsschule Pankstraße ist offen und einladend.

Die Architektur ist durch die Materialität der Fassade, Transparenz und die Verzahnung mit dem Standort geprägt.

Das Planungskonzept basiert auf den Grundsätzen des nachhaltigen Bauens.

Die Konstruktion ist in Hybridbauweise geplant.

Das Untergeschoss, die Treppenhauskerne und die brandschutzrelevanten Bauteile sind als Beton-Massivkonstruktion vorgesehen. Die Gebäudeaussteifung erfolgt über die Erschließungskerne.

Das Schulgebäude ist konsequent auf einem durchgängigen Raster von 8,60 x 8,60 m geplant. Die Primärkonstruktion basiert auf einem STB-Skelett aus Stützen und Trägern (Unterzügen). Das

Deckentragwerk wird mit Holzträgern ergänzt, auf welche die HolzBetonverbundelemente der Decken aufgelagert werden.

Das Erdgeschoss setzt sich als Gebäudesockel von der Kubatur ab und ist mit einer robusten Oberfläche aus vorgefertigten Betonelementen verkleidet. Distanzgrün und Fassadenbegrünung bieten hier einen grünen Filter zum Stadtraum. Die Fassadenelemente der Obergeschosse sind hochgedämmt und mit einer hinterlüfteten Ziegelvorsatzschale bekleidet.

Die Fensterbrüstungen in Sitzhöhe sind für die Klassenräume als Sitzbank nutzbar. Im Inneren sind die Schulräume durch einen Materialwechsel aus hell lasierten Holzflächen und Glas geprägt. Im Zusammenspiel mit hellen Bodenbelägen und einem abgestimmten Farb-Materialkonzept entstehen lichtdurchflutete Räume, die sowohl offen für das Arbeiten in Gruppen, aber auch abgeschirmt für konzentrierte Einzelarbeit konzeptioniert sind und einen angenehmen Lern- und Lebensort schaffen.

Alle Glasflächen erhalten einen außenliegenden Sonnenschutz.

Für die Raumakustik werden die Wand- und Deckenoberflächen akustisch wirksam geplant.

Ökologisch-energetisches Konzept, Energieeffizienz, Wirtschaftlichkeit

Analog zum Gebäudekonstruktionskonzept, bei dem mit der Holzhybridbauweise die Materialien dort eingesetzt werden, wo es sinnvoll/wirtschaftlich ist und sowohl die Vorteile des Massivbaus als auch die des Holzbaus genutzt und miteinander kombiniert werden, basiert auch das Haustechnikkonzept darauf, bei minimiertem Einsatz technischer Systeme eine hohe Gesamteffizienz zu erreichen (Low-Tech vor High-Tech).

Konzeptionelle Grundsätze für Nachhaltigkeit und den wirtschaftlichen Gebäudebetrieb:

  • Hybrid-Konstruktion mit hohem Vorfertigungsgrad
  • Verwendung recyclingfähiger und natürlicher Baustoffe
  • sehr gut gedämmte Gebäudehülle
  • robuste und nachhaltige Fassadenoberflächen
  • gute und gleichmäßige Tagesbelichtung der Lernbereiche
  • optimierter sommerlicher Wärmeschutz durch Außenjalousien
  • Heizen und Kühlen (passive Kühlung) mittels Wärmepumpentechnik (keine fossilen Brennstoffe)
  • Optional Nachtauskühlung
  • dezentrale Anordnung der TGA/RLT-Anlagen mit kurzen Leitungswegen
  • Einsatz von Photovoltaik und Solarthermie
  • Umsetzung eines hybriden Lüftungskonzeptes aus optimierter manueller und maschineller Lüftung
  • Einsatz effizienter Anlagenkomponenten mit Wärmerückgewinnung
  • Umsetzung eines zukunftsfähigen und klimaangepassten Regenwassermanagements
  • Begrünung der Dachflächen unter den Aspekten der Biodiversität und Unterstützung des Mikroklima

Die Herstellung des Gebäudes mit einem hohen Vorfertigungsgrad lässt eine wirtschaftliche Errichtung des Bauwerks erwarten. Auf der Basis – Verwendung kreislauffähiger Materialien und Baustoffe, Energieeffizienz und Low-Tech – kann ein nahezu klimaneutrales Gebäude realisiert werden, welches einen vorbildlichen Beitrag zum Klimaschutz leistet.

Brandschutz

Das Fluchtwegekonzept basiert auf zwei unabhängigen baulichen Rettungswegen mit Zugang ins Freie. Löschmittel werden dezentral zur Verfügung gestellt. Für die Feuerwehr werden Zufahrten auf das Schulgelände und entsprechende Aufstellmöglichkeiten vorgesehen.

Freianlagen

Das freiraumplanerische Gesamtkonzept für die Gemeinschaftsschule Pankstraße sieht unter klimaangepassten Gesichtspunkten vor, differenzierte Schulhofbereiche mit unterschiedlichen Charakteren, Atmosphären und Funktionen zu erzeugen. Umso den Schülern aller Altersklassen ein vielfältiges und ansprechendes Nutzungs- und Aufenthaltsangebot zu ermöglichen.

Die städtebauliche Setzung der neuen Baukörper (Schule und Sporthalle) lässt einen großzügigen, zusammenhängenden und räumlich angenehm gefassten Schulfreiraum entstehen, der für die unterschiedlichen Ansprüche der Schüler Möglichkeitsräume bietet. Für die jeweiligen Altersklassen gibt es entsprechende Nutzungs- und Aufenthaltsräume, die sich in bestimmten Bereichen überlagern und so auch ein altersübergreifendes Miteinander erzeugen und Identität stiften.

Der gesamte Schulhof wird als „grüne“ Lern- und Bewegungslandschaft verstanden, die überstellt ist von großkronigen Zukunftsbäumen und durch abgesenkte, intensiv bepflanzte Grünflächen gegliedert wird, die neben ihrem insektenfreundlichen Blütenreichtum gleichzeitig als Retentions- und Sickerflächen dienen.

Die Grünflächen dienen als Versickerungs- und Verdunstungsflächen und bestehen in entsprechenden Bereichen aus bespielbaren Rasenflächen. Bereiche aus mageren, zweischürigen Wiesenflächen werden an nicht intensiv genutzten Bereichen vorgesehen und leisten einen Beitrag zur Biodiversität. Einfassungen oder zusammenhängende, strukturgebende Flächen bestehen aus einheimischen Sträuchern und Wildhecken und dienen als Lebensraum für Vögel. Ergänzt wird die Grünstruktur durch Saumpflanzungen aus standortgerechten Wildkräutern.

Der Baumbestand wird nach Möglichkeit erhalten und als strukturgebendes Mittel für den Schulfreiraum verwendet. Ergänzende Baumpflanzungen gliedern sich in die bestehende, freie Struktur ein und erzeugen so ein neues Gesamtbild. Die neue Baumstruktur spendet in den Sommermonaten ausreichend angenehme Schattenbereiche.

Der Schulfreiraum versteht sich neben seiner Funktion als Pausentreff zum Klönen und Ausruhen als Bewegungslandschaft: Von einer Boulderskulptur über einen Streetballcourt, Calisthenics- und Parcours-Angebote bis hin zu Bodentrampolinen findet sich alles, bei dem Sport und Spaß eine Einheit bilden. Dass auch mal nur zugeschaut wird, versteht sich von selbst: Lange Bänke, bei denen man zusammen auch auf der Lehne sitzen kann, und intimere Sitzschalen für zwei bilden die „Tribüne“ für die Action auf dem Platz.

Die Freianlagen erfüllen neben den Anforderungen der Bewegungs- und Lernlandschaft auch grundsätzliche Funktionen einer resilienten und nachhaltigen Gebietsentwicklung. Dazu zählen ein Maximum an strukturreichen Vegetationsflächen, wasserdurchlässige Oberflächenbefestigungen und ein Regenwassermanagement als teiloffenes Kreislaufsystem. Die Dachflächen des Schulgebäudes sind extensiv begrünt mit einer Substratstärke von 15 cm, um den Abfluss deutlich zu reduzieren. In den erdangebundenen Vegetationsflächen wird das Regenwasser durch die Ausbildung der Topografie, wo immer möglich, den Pflanzflächen zugeführt und darüber hinaus in Zisternen für die Brauchwassernutzung gesammelt. Überschüssiges Regenwasser wird in Rigolen zwischengespeichert, teilversickert und stark gedrosselt in das öffentliche Entwässerungssystem eingeleitet.