RICHTER MUSIKOWSKI Architekten PartGmbB

Heinrich-Hertz-Gymnasium Visualisierung Außenansicht

Architekten:
RICHTER MUSIKOWSKI Architekten PartGmbB

Landschaftarchitekten:
MAN MADE LAND Bohne Lundqvist Melllier GbR

Technische Gebäudeausrüstung:
Drees & Sommer SE

Erläuterungsbericht zum Wettbewerbsbeitrag

Städtebau und Gebäude

Kontext

Der Grünraum zwischen Straße der Pariser Kommune und der Andreasstraße wird von Wohn-und Bürogebäuden gerahmt. Drei öffentliche Gebäude liegen in diesem Grünraum – Kita, Haus für Familien und Bildung und der Neubau des Heinrich Hertz Gymnasiums.

Lichtung

Den Ort wird gelesen als Lichtung, gerahmt von hochwüchsigem Baumbestand und den umgebenden Gebäuden. Der Neubau platziert sich mit seiner Funktion als Bildungsbau als ein eigenständiger Solitär innerhalb dieses Grünraums.

Äußere Landschaften

Vor und Rücksprünge verzahnen das Gebäude mit den Außenbereichen und den unmittelbaren Gebäuden der Umgebung. Wie ein Gebäude im Park wird der Baukörper vom Schulhof umschlossen. Dieser grüne Rahmen beherbergt unterschiedliche Freiraumsequenzen und Nutzungen wie Bolzplatz, Sitz- und Spielbereiche und den Feuchtbiotop.

Vertikalität und Maßstab

Der zusammengesetzte Baukörper generiert durch seine Anordnung und Körnung Binnenräume - den Vorplatz zum Südwesten und die umlaufenden Schulhofbereiche mit verschiedenen Belichtungszonen und Qualitäten.
Die Vertikalität der Fassaden reagiert gegenüber der hohen Nachbarbebauung mit einer selbstbewussten Setzung. Die Auffaltung der Dachflächen zu gegenüber aufgestellten Pultdächern verleiht dem Baukörper nach Außen die notwendige Zeichenhaftigkeit und Strahlkraft – nach Innen bildet sich auf dem Dach ein intimer Dachgarten.

Innere Struktur

Der Baukörper unterteilt sich in ein Erdgeschoss und 4 Obergeschosse. Im Erdgeschoss befindet sich die Verwaltung, die Mensa und der Mehrzweckraum, die Musikräume und weitere dienende Räume. Die Fach-und Unterrichtsbereiche befinden sich in den Obergeschossen. In jedem Geschoss sind je zwei Compartments um eine zentrale Treppe angeordnet. Ein Lichthof sorgt für eine Belichtung der Foyerbereiche. Für Technikflächen ist eine Teilunterkellerung vorgesehen.

Organisation - Lernlandschaften

Der jeweilige Unterrichtsbereich wird über das Foyer betreten. Die Fachräume sind entlang der Aussenfassade um das Forum angeordnet. Die Teambereiche sind ebenfalls über das Foyer erschlossen und haben immer Bezug zum Forum. Jedes Compartment beherbergt die notwendigen Schließflächer, WC-Anlagen und Nebenräume. 

Dachtopographie

Die nach Innen geneigten Dächer bilden die räumliche Fassung für die erlebbare Dachlandschaft. Eine Terrasse im 4.Obergeschoss ist zentraler Ort des Dachgartens. Von hier gibt es ein Rundweg zu Teleskopstandort, Forschungsstation, Pflanzgarten und solaren Energiefeldern. Die Terrassierung macht die Dachneigung - gleich wie in einer hügeligen Landschaft erlebbar. Es entsteht ein behüteter und exklusiver Ort – ein Garten als kontemplativer Lern- und Erlebnisraum.

Untergeschoss

Auf Basis der Erkenntnisse aus dem Baugrundgutachten wird ein Bodenaustausch erforderlich. Dadurch ergibt sich quasi eine de-facto Baugrube. Es wird vorgeschlagen, diesen Bauzustand für die Ausführung einer Teilunterkellerung zu nutzen. Dadurch können Flächen mit Tageslichtnutzung im Erdgeschoss gewonnen werden. Insbesondere die Übergaberäume für die Hausanschlüsse und die Technikflächen für die Versorgung der EG Nutzungen sind günstig im Untergeschoss zu verorten. Des weiteren ergibt sich durch diese Maßnahme Spielraum für die Freiraumgestaltung auf dem Dach.

Materialität - Aussen

Der Baukörper wird von einem filigranen Kleid aus unterschiedlich lasierten, vertikal angeordneten Keramikelementen umzogen. Die gleichmäßige Einfassung sorgt für eine körperhafte Erscheinung des Gebäudes.
Der offene Sockelbereich im Erdgeschoss ist mit raumhohen Verglasungen und Metallelementen versehen. Die Vorhangfassade in den Obergeschossen wird gegliedert durch Bandfenster und Loggien.
Die gewählten Fassadenmaterialien – vorgehängte Keramik-Elemente, Glas und Metall- bilden eine robuste und langlebige Hülle. Als Unterkonstruktion dient das Stahlbetonskelett der Tragwerkskonstruktion und die Holzausfachungen. Bewusst wird aus Gründen der Witterung und Beständigkeit auf den sichtbaren Einsatz von Holz im Außenbereich verzichtet.

Materialität - Innen

Die Innenräume werden gegliedert durch die Tragstruktur aus Stahlbeton und die holz-verkleideten nicht-tragende Ausfachungswände. Holzverkleidungen kommen ebenfalls bei den Schließfächern zum Einsatz.
Die Böden werden in den öffentlichen Bereichen als geschliffener Estrich und im Erdgeschoss als Sichtterrazzo ausgebildet. In den Unterrichtsbereichen kommen elastische Beläge (Kautschuk) zum Einsatz. Die Decken im Foyer und Mehrzweckbereich werden mit akustisch wirksamen Holz-Abhangdecken versehen. In den Unterrichtsbereichen erhält die Decke eine akustisch wirksame Holzfaserplatte.

Freiraum

Freiraumkonzept

Die Freifläche des Heinrich-Hertz-Gymnasiums ist als Teil einer größeren Grünfläche konzipiert, die bereits das Gebiet der bestehenden Kita und dem geplanten Haus für Familie integriert. Zusammen bilden sie eine natürliche grüne Enklave in der umgebenden städtischen Umwelt.
Im Inneren des Schulhofs steht das Schulgebäude auf einem funktionalen Plateau, umgeben von einem grünen Rahmen. Der grüne Rahmen verdichtet sich zu den Rändern des Geländes hin. An den Schnittpunkten des Plateaus und des grünen Rahmens entsteht eine Abfolge von Freizeit- und Erholungsräumen. Zu diesen Bereichen gehören ein Amphitheater, Sport- und Spielplätze und ein Kantinenbereich im Freien.

Zugänglichkeit und Bewegungsraum

Mehrere Eingänge zum Schulgelände gewährleisten die Anbindung an die Nachbarschaft. Der Haupteingang ist als offener städtischer Platz südwestlich des Gebäudes geplant. Durch seine Öffnung des Geländes zur Lange Straße ermöglicht der Platz die Einbindung der Schule in das lokale Freiraumsystem und in die Fuß- und Radverkehr-Infrastruktur des Viertels.
Drei weitere Eingänge sind zum Schulhof vorgesehen: Einer von der Nord-Ost-Seite des Geländes, der eine Abkürzung zu den Sportanlagen in der Fredersdorfer Straße bietet, ein Service-Eingang von der Süd-Ost-Seite, der zum Entladen der Kantinen-Lieferungen und der Müllcontainer genutzt werden kann, und ein dritter im Norden des Plangebietes, der das Gelände mit einem nahegelegenen Park sowie der Kita und dem Haus für Familie verbindet.
Die Bewegungen innerhalb des Schulhofs sind als Wege zwischen den Freiflächen organisiert. Der Bewegungsraum weitet sich vor den Eingängen des Gebäudes und in den Erholungsbereichen auf und verengt sich in den Durchgangsbereichen.

Naturerlebnispfad

Ein alternativer Weg ergänzt den inneren Kreislauf um das Gebäude. Es handelt sich um einen "Naturerlebnispfad", verlaufend durch den grünen Rahmen. Der "Naturerlebnis-Pfad" ist konzeptionell in Abschnitte unterteilt. Jeder Abschnitt des Pfades bietet die Möglichkeit, verschiedene Aspekte der Natur zu erkunden und kennenzulernen. Im südöstlichen Teil des Schulhofs stellt die Mischung aus bestehenden und neuen Bäumen beispielsweise ein lokales Berliner Biom dar und bildet somit das Thema eines "Stadtnatur-Pfades". Im nordöstlichen Teil des Schulhofs gibt es einen "Tier-Lebensraum-Pfad", entlang diesem Räume für den Lebensraum von Kleintieren und Insekten geschaffen und gestaltet wurden. Im nordwestlichen Teil gibt es einen "Pfad der natürlichen Texturen" - ein Barfußpfad aus verschiedenen Materialien wie Stein, Holz, Mulch und Kies. Der Pfad soll die taktile Erfahrung verschiedener natürlicher Materialien ermöglichen.

Grüner Rahmen und Vegetationskonzept

Der grüne Rahmen ist eine natürliche, waldähnliche Grünfläche. Hier kann man mehrere Naturerlebnisräume und Rückzugsräume entlang des "Naturerlebnispfades" finden.
Im Bereich des grünen Rahmens werden die bestehenden Bäume erhalten und in die Gestaltung integriert sowie durch neue Baumpflanzungen ergänzt. Die Auswahl der neuen Bäume umfasst einheimische Arten und einen Mix aus mediterranen Bäumen. Die Verwendung von mediterranen Bäumen ermöglicht es, das Gebiet mit einer höheren ökologischen Widerstandsfähigkeit auszustatten.
Die Struktur der Bäume ist folgendermaßen organisiert: Eine dichte lineare Baumreihe prägt die West- und Ostseite des Grundstücks, und innerhalb des Schulhofs gibt es Gruppen von freistehenden Gehölzen, die in die Freiflächen springen und die schattigen Räume bilden.
Der Stahl-Zaun der Schule ist halbtransparent und mit einer Hecke versehen. Wo es möglich ist, werden entlang des Zauns Strauchgruppen gepflanzt, um die Grenzen des Geländes zu lockern.

Belagsmaterialien und Ausstattung

Das Hauptziel des Materialkonzepts besteht in der Maximierung der Durchlässigkeit der Schulhofoberfläche. Aus diesem Grund wird für das "Plateau" hauptsächlich Drainbeton verwendet. Um ein Pflastermuster zu schaffen und wichtige Eingänge hervorzuheben werden verschiedene Farbtöne von Drainbeton verwendet. Weiterhin werden in bestimmten Bereichen durchlässigere Materialien wie z. B. wassergebundene Wegedecke (Kantinenbereich, Grillbereich, Wasserbrunnenbereich), Holz (Holzdecks im Biotopbereich) und Mulch verwendet. Die Außenmöblierung ist aus Holz und Beton. Für die Spiel- und Sportgeräte werden natürliche Materialien wie Holz und Seile verwendet.

Parken

Vor dem Haupteingang sind Parkplätze vorgesehen, darunter befinden sich auch ein Behindertenparkplatz sowie der Parkplatz für einen Kleinbus. Die Fahrradständer sind in der Nähe des Haupteingangsplatzes verteilt: zum Teil entlang der Lange Straße, zum Teil zwischen dem Zalando-Gebäude und der Grundstücksgrenze der Schule - der Rest befindet sich auf dem Schulhof.

Versickerungskonzept Freiraum

Der grüne Rahmen dient auch der natürlichen Regenwasserversickerung und -speicherung/ -sammlung. Die versiegelten Flächen des Schulhofes sind zu den Grünflächen geneigt, sodass das Regenwasser in den grünen Rahmen fließt. Das überschüssige Regenwasser kann außerdem in Regenrückhaltebecken gesammelt und versickert werden. Der abgesenkte und versickerungsfähige Raum des Biotops sowie des Amphitheaters sind multifunktional nutzbar und ermöglichen die Rückhaltung des überschüssigen Wassers.

Dach

Das Dach ist als erhöhter öffentlicher Raum konzipiert, der eine Mischung aus Freizeit- und Bildungsaktivitäten bietet. Ein großer Teil der Dachfläche soll steppenartigen bepflanzt werden. Die Dachfläche hat einen orthogonalen, regelmäßigen Charakter - sie ist als Fortsetzung des Gebäudes und nicht als öffentlicher Raum (wie z.B. im Erdgeschoss) konzipiert. Die Tatsache, dass das Dach aus geneigten Flächen besteht, wird als Gelegenheit genutzt, eine Vielzahl von Räumen mit besonderer räumlicher Konfiguration und Identität zu schaffen. Im Eingangsbereich des Daches befindet sich zum Beispiel ein Schulhof, der auf verschiedenen Ebenen angeordnet ist und von Bäumen beschattet wird. Im südwestlichen Teil des Daches befindet sich eine Rampe, die zum Teleskop und zur Forschungsstation der Schule führt. Der Rest der Dachflächen wird zur solaren Energiegewinnung genutzt.

Identität Heinrich Hertz

Die Gestaltung von Gebäude und Freiraum ist inspiriert von einer Vielzahl von Bildern und räumlichen Sequenzen. Um der Anforderung nach einer Identität im Sinne eines naturwissenschaftlichen Gymnasiums gerecht zu werden, wird in der Freiraumgestaltung die vielfältige Verwendung von Pflanzen intensiv behandelt. Die Gestaltung der unterschiedlichen Bereiche verwendet organisch-grafische Motive von Frequenzbildern in Anlehnung an die Errungenschaften des Namensgebers Heinrich Hertz. Die Fassadenelemente mit ihrer vertikalen Struktur werden durch eine feine Lasur zu einem graphischen Gewebe verbunden.

Tragwerkskonzept

Entwurf

Der Tragwerksentwurf erzeugt eine wirtschaftliche und nachhaltige Konstruktion, welche auf die architektonischen Randbedingungen Rücksicht nimmt, die geplante Nutzung integriert, einen effizienten Bauablauf ermöglicht und gleichzeitig einen effektiven Abtrag der statischen Lasten gewährleistet. 
Im Rahmen des Wettbewerbes wurden unterschiedliche Konstruktionsvarianten für das Gebäude diskutiert und bewertet, um schlussendlich die Vorgaben der verschiedenen Projektanforderungen in Einklang zu bringen.

Tragstruktur

Der geplante fünfgeschossige und teilweise unterkellerte Schul-Neubau wird als hybride Konstruktion errichtet. Das Untergeschoss und das Erdgeschoss werden hierbei als massive Stahlbeton-Skelettkonstruktion ausgebildet. In den massiven Geschossen kann der Neubau mit schlanken, zweiachsig weit spannenden Stahlbetondecken errichtet werden. Die Deckenauflagerung und der vertikale Lastabtrag erfolgt über Stahlbetonstützen und Stahlbetonwände der Treppenhauskerne. Teilweise kragen die Obergeschosse ca. 2,50m über das Erdgeschoss aus. Die Lasten werden über Stahl-Verbundträger abgefangen und weitergeleitet. In der Mensa und dem Mehrzweckraum werden auf Grund der Flexibilität und der Stützenfreiheit Verbundträger-Abfangungen für die Stützen der Obergeschosse erforderlich. Das gewählte Tragwerk der vier Obergeschosse besteht aus modularen Holz-Beton-Verbunddecken, welche über 4-seitig verlaufende Unterzüge die Lasten in die Stützen und Wände einleiten, welche in den Obergeschossebenen durchlaufen.
Diese Bauweise mit geringeren Massen in den oberen Geschossen und einem massiven „Sockel“ ist ideal für die Gesamtstabilität des Gebäudes. Des weiteren gewährleistet diese Bauweise eine maximale lichte Raumhöhe und volle Flexibilität bei der Grundrissgestaltung – sowohl für evtl. spätere Grundrissumgestaltungen als auch für die technische Gebäudeausrüstung.
Die Aussteifung des Gebäudes wird durch die vorhandenen Deckenplatten (horizontale Scheiben) und durch die durchgehenden Stahlbetonwände der Treppenhäuser gewährleistet.
Die Gründung des Gebäudes kann bei vorhandenem tragfähigem Baugrund weitestgehend über eine wirtschaftliche Flachgründung als gebettete Bodenplatte ausgeführt werden.

Einsatz von Fertigteilen und Nachhaltigkeit

Die Stahlbetonwände können mittels Einsatzes von Halbfertigteilen als Dreifachwände hergestellt werden. Der maximierte Einsatz von Fertigteilen (Holzdecken, Holz-Beton-Verbunddecken) und Halbfertigteilen (Stahlbeton—Wände) garantiert perfekte Oberflächen und eine reduzierte Bauzeit bei maximaler Wirtschaftlichkeit unter Berücksichtigung von geringer Lärmemission bei der Errichtung.
Für die Herstellung der Stahlbetonbauteile können ressourcenschonende Betone mit rezyklierter Gesteinskörnung (RC Beton) verwendet werden. Durch die bauseits hergestellten Schraubverbindungen der Anschlüsse im Holz- und Stahlbau ist eine evtl. Rückbaubarkeit und die Weiterverwertung der Baustoffe gut möglich (cradle to cradle).

Haustechnikkonzept und Nachhaltigkeit

Energiekonzept

Für den Neubau des Hertz-Gymnasiums in Berlin wurde ein zukunftsorientiertes, nachhaltiges und innovatives Energieversorgungskonzept entwickelt, welches den hohen Ansprüchen und dem Standort als nachhaltiges Gebäude gerecht wird. Das Gebäude erzeugt lokal keine CO2-Emissionen.
Sämtliche lokal verfügbaren und regenerativen Energien wurden überprüft und durch folgende Techniken mit in das Energiekonzept aufgenommen:

  • Fernwärme
  • Photovoltaik (PV) auf dem Dach zur Eigenstromversorgung

Die Wärmeversorgung wird über die Fernwärme sichergestellt. Diese besitzt aufgrund der Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplung und regenerativer Brennstoffe einen guten Primärenergiefaktor.
Die Stromerzeugung durch Photovoltaik-Anlagen am Gebäude kann direkt durch die Nutzer in Anspruch genommen und gesteuert werden (Allgemeinstrom, Nutzerstrom, Strom für Be- und Entlüftung der Räume).

Niederschlagswassermanagement

Mit der Regenwassernutzung ist eine Schonung der Wasser-Ressourcen und eine Verbesserung des Mikroklimas gegeben. Das zwischengespeicherte Regenwasser kann für Toilettenspülungen, Garten- und Dachbegrünung sowie für Reinigungsarbeiten verwendet werden.
Darüber hinaus wird ein Teil des auf dem Dach angesammelten Wassers über eine sichtbar inszenierte Installation im Bereich des Lichthofs nach unten geführt. Das so über den Regenwasserkollektor gesammelte Wasser kann wieder aufbereitet werden und als Trinkwasserbrunnen im Foyer und im Freiraum erlebbar gemacht werden.

Raumklima- und Lüftungskonzept

Bereits durch das Fassadenkonzept erfolgen hohe Energieeinsparungen. Die hochgedämmte Gebäudehülle mit 3-fach-Verglasung und einem optimierten Fensterflächenanteil mit außenliegendem Senkrechtmarkisen bietet höchsten Wärmeschutz. Dadurch werden Heizaufwand im Winter und Wärmeeintrag im Sommer reduziert. Zusätzlich bedingt die Fassade eine hohe Tageslichtversorgung und damit gerade im Winter solare Gewinne und einen verringerten Beleuchtungsbedarf. Weiterhin verfügt die Fassade zusätzlich zur mechanischen Lüftung über öffenbare Fenster zur natürlichen Lüftung (hybride Lüftung).
Die mechanische Belüftung in den Klassenräumen geschieht impulsarm über dezentrale in die Hausgeometrie integrierte Brüstungs- bzw. Standgeräte. Zugerscheinungen als auch akustische Beeinträchtigungen werden durch die Wahl der Geräte und ihre Positionierung auf ein absolutes Minimum reduziert. Darüber hinaus können auch Lüftungsgeräte mit zusätzlichen Funktionen der Luftfilterung für die Klassenräume eingesetzt werden. Somit ist sichergestellt, dass die Neubaustandards an die Raumluftqualität eingehalten werden und eine gesunde Lernumgebung geschaffen wird. Für die zentralen Bereiche der Cafeteria, Küche und Mehrzweckraum erfolgt die mechanische Belüftung über Zentralgeräte im Untergeschoss. Zur Belüftung der Flurbereiche sind motorisch angetriebene Fenster im Fassadenbereich und am innenliegenden Lichthof vorgesehen. Somit können z.B. während der großen Pausen weite Teile der Erschließungsflächen ohne großen technischen und wirtschaftlichen Aufwand stoßgelüftet werden. Im Sommer kann dieses System auch im Rahmen eine passiven Nachtauskühlung genutzt werden und somit die Raumtemperaturen im Schulgebäude am Folgetag reduzieren.
Das Heizen wird von der Fußbodenheizung übernommen. Damit wird ein ausgewogenes Verhältnis von Raum- und Strahlungswärme geschaffen, das auch einen geringeren Bedarf an Heizenergie mit sich bringt. Das System ermöglicht einen wirtschaftlichen Betrieb durch niedrige Betriebstemperaturen und minimierte Wärmeverluste in der Verteilung.
Die künstliche Beleuchtung der Räume erfolgt über energiesparende, langlebige LED-Leuchten. Diese schaffen einen guten visuellen Komfort, reduzieren den Wärmeeintrag und die Betriebskosten aufgrund geringen Energieverbrauchs und minimierten Wartungskosten. Die Aktivierung der künstlichen Beleuchtung kann tageslicht- und präsenzabhängig erfolgen, kann aber auch manuell aktiviert und übersteuert werden.
Das Raumklimakonzept ist hochflexibel und lässt sich ohne große Umbaumaßnahmen an wechselnde Nutzungsszenarien der Räume anpassen. Zudem können die Komfortparameter individueller Raumzonen - in voreingestellten Grenzen – flexibel geregelt werden, um so auf die wechselnden Bedarfe verschiedener Nutzungsszenarien zu reagieren.

Technikflächen

Die Technikflächen sind im Untergeschoss vorgesehen. So befinden sich die Übergaben für Wärme, Strom, Wasser sowie Lüftungsgeräte für die zentralen Funktionen des EG im Untergeschoss. Lediglich einige Abluftventilatoren sind auf dem Dach positioniert, sodass genug Spielraum für eine kreative Dachgestaltung gegeben ist. Die notwendigen Technikflächen auf den Etagen werden weitestgehend minimiert.

Dachflächen

Technikflächen werden in die multifunktionale Dachlandschaft integriert. Dabei werden verschiedene Nutzungen wie - intensive Begrünung, Photovoltaik, Dachgarten - zu einem didaktisch erfahrbaren Rundgang kombiniert.

Brandschutzkonzept

Die Feuerwehr gelangt über den Vorplatz an der Langen Straße im Süden und über den Zugang von der Straße der Pariser Komune in das Gebäude. Das Haus wird als Sonderbau und der Gebäudeklasse 5 zugeordnet. Tragende Bauteile werden in F90 ausgebildet.
Das Gebäude wird durch F90-Trennwände gegliedert - es sind keine Brandwände vorgesehen.
Innerhalb der Regelgeschosse werden die einzelnen Compartments in Cluster zu ca. 400 qm geteilt.
Jeder Unterrichts- und Aufenthaltsbereich erhält als 1. Rettungsweg einen direkten Zugang in einen notwendigen Treppenraum. Der 2.Rettungsweg erfolgt über die Treppe im Foyer – gemäß Schulbaurichtlinie §3.2. Vom Dach aus gelangt man direkt in zwei voneinander unabhängige notwendige Treppenräume. Im Erdgeschoss erfolgt die Flucht aus den einzelnen Bereichen direkt ins Freie.
Zur Kompensation wird eine Aufrüstung der Alarmierungsanlage als eine Brandmeldeanlage vorgeschlagen. In den Treppenhäusern werden Trockensteigleitungen vorgesehen.

Umsetzung der Nachhaltigkeitsanforderungen nach BNB

Ökologische Qualität

Für das städtische Gymnasium wird die Geschossigkeit maximal ausgenutzt und der Footprint minimiert. Auf einen ressourcenschonenden und langlebigen Materialeinsatz wird sorgfältig geachtet. Durch das Freiraumkonzept wird eine hohe Zahl des Baumbestands erhalten und nachverdichtet. Es entstehen intensiv genutzte Freiräume mit einem kühlen Mikroklima. Binnenräume im Außenbereich, Dachgarten und Feuchtbiotop sorgen für Biodiversität. Anfallendes Regenwasser wird auf dem eigenen Grundstück gesammelt, zurückgehalten, wiederverwertet und versickert. Lokale Energiequellen aus dem „Netzwerk Stadt“ werden direkt genutzt.

Ökonomische Qualität

Der Baukörper wird flächeneffizient geplant und erhält ein optimiertes A-V-Verhältnis bei gleichzeitiger Sicherstellung des Tageslichtbedarfs. Die robuste und langlebige Fassadenhaut minimiert den späteren Wartungsaufwand. Eine Mehrfachnutzung von Flächen wird durch den Entwurf angeboten – z.b. Erschließungsflächen werden gleichzeitig zu pädagogischen Räumen, Mehrzweckraum und Mensa können zusammengelegt werden und sind vom Erdgeschoss-Eingang leicht erreichbar. Eine robuste Tragstruktur mit Ausfachungswänden bildet die Basis für eine flexible Nutzung und eine spätere Anpassungsfähigkeit. 

Soziokulturelle und funktionale Qualität

Die haustechnische und energetische Konzeption für den Neubau ist zukunftsorientiert, innovativ, wirtschaftlich und nachhaltig. Das Raumklimakonzept bietet höchste Behaglichkeit und Flexibilität bei energie- und flächeneffizienter Auslegung. Zusammenfassend wird dadurch der größte Kostenpunkt des Lebenszyklus einer Immobilie, der Betrieb des Gebäudes, minimiert. Durch das Lüftungskonzept wird die Innenraumhygiene eingehalten. Akustische Maßnahmen zur Sicherung des akustischen Komforts werden umgesetzt. Eine Vielzahl an Blickbeziehungen verbinden Innenräume untereinander und nach aussen. Loggien, Sitznischen und Binnenräume zwischen den Unterrichtsbereichen offerieren Aufenthaltsangebote. Ein Haupteingang und eine Einfriedung sichern das Gelände ab.
Alle Bereiche werden über einen Aufzug und Rampen zu 100% barrierefrei erschlossen und sind ausreichend kontrastierend im Sinne des „Design for All“ gestaltet. Eingangsbereiche, Zugänge und Stellplätze sind teilweise überdacht.

Technische Qualität

Das Energiekonzept ist grundsätzlich bedienfreundlich und langlebig konzipiert. Die gewählten Energieträger bedingen keine komplizierte Anlagentechnik. Die Verschattung durch Bäume und Nachbarbebauung begünstigt den geringen Kühlbedarf. Durch Einsatz von Photovoltaik werden nachhaltige Energiequellen genutzt.