Schenker Salvi Weber ZT GmbH

Architektur:
Schenker Salvi Weber ZT GmbH

Landschaftsarchitektur:
BBZ Landschaftsarchitekten Berlin GmbH

Tragwerksplanung:
Pichler Ingenieure GmbH

Technische Gebäudeausrüstung:
CES clean energy solutions

Brandschutz:
KLW Ingenieure GmbH

Thermische Bauphysik, Bauakustik und Raumakustik:
G4W GmbH

Consulting
Baukreisel e.V.

Erläuterungsbericht

Architektur

Der Entwurf für die neue Schule an der Pankstraße vervollständigt den städtebaulichen Kontext und ergänzt die räumliche Fassung des Brunnenplatzes. Zum durchgrünten Freiraum an der Panke wird der Charakter der Compartmentschule als „Schulen in der Schule“ durch eine differenzierte Staffelung des Volumens ablesbar. Vorgestellte, begrünte Balkone verknüpfen das Gebäude mit dem Freiraum und erweitern die Lernräume in den Außenraum.

Die neue Gemeinschaftsschule – Verbindung zwischen Stadt- und Freiraum
Zur Schönstedtstraße entsteht ein vier- bis fünfgeschossiger Baukörper in geschlossener Bauweise, der den Brunnenplatz angemessen räumlich fasst. Die Ecke zur Pankstraße wird durch einen fünfgeschossigen Gebäudeteil akzentuiert. Zum ehemaligen Ledigenheim staffelt sich der Baukörper in Höhe und Tiefe zurück und bewahrt dessen Eigenständigkeit. An der Pankstraße erhält der Neubau einen angemessenen Vorplatz, an den der Mensa- und Mehrzweckbereich als doppelgeschossiges Volumen mit Blick zur Sporthalle anschließt. Zum Nordwesten gliedert eine rhythmische Staffelung das Bauvolumen und macht die „Schulen in der Schule“ erkennbar. Begrünte Balkone erweitern die Lernräume nach außen, und aus jedem dort liegenden Compartment ist der Schulhof über Außentreppen schnell erreichbar. Die Sporthalle mit Alba-Jugendclub wird als eigenständiges Volumen mit unabhängigem Zugang von der Wiesenstraße organisiert.

Verwebung mit der Stadt
Das Grundstück bleibt von allen Seiten zugänglich, sodass bewusst keine Rückseite entsteht. Der Haupteingang liegt am Vorplatz Pankstraße, ein weiterer Eingang an der Schönstedtstraße. Durch die Umwidmung bestehender Parkplätze sind – zusätzlich zur Ausladezone auf dem Grundstück – Stellplätze für Kleinbustransporte vorstellbar. Der Zugang von der Wiesenstraße dient außerhalb der Schulzeiten als Eingang zur Sporthalle und zum Alba-Jugendclub für Fuß- und Radverkehr. Eine wettergeschützte Pergola bindet an den Radweg entlang der Panke an und trennt externe von internen Nutzungen, während sie im Schulbetrieb als schattiger Pausenbereich dient. Für PKW, Lieferverkehr und Kleinbusse wird eine Durchwegung von der Pankstraße zur Wiesenstraße vorgeschlagen. Die Hol- und Bringezone für Rollstuhlnutzer*innen wird nahe dem zentralen Foyer angeordnet, und die Pergola ermöglicht den wettergeschützten Ein- und Ausstieg.

Foyer und Mehrzweckbereich als Fenster zum Stadtraum
Das zentrale Foyer bildet das Herz der Anlage und verbindet Vorplatz und durchgrünten Pausenhof. Mensa und Mehrzweckbereich öffnen sich zum Foyer und können bei Veranstaltungen zugeschaltet werden. Sheddächer sorgen für gleichmäßige Belichtung und flexible Nutzung der tiefen Räume. Große Fenster zur Pankstraße zeigen schulische Aktivitäten als „Schaufenster“ in den Stadtraum. Ausgabeküche und Lagerflächen liegen in der nordwestlich angrenzenden Raumschicht mit direkter Anbindung an die Anlieferung.

Fachräume und Bibliothek – Lernen an den grünen Innenhöfen
Musik, Kunst und WAT gruppieren sich im südöstlichen Gebäudeteil um den „Kunsthof“. Die Bibliothek öffnet sich zum Pausenhof und liegt – gemeinsam mit dem Förderzentrum am „Lesegarten“ – den zweiten, intensiv begrünten Innenhof.

Ganztag und Verwaltung im Herzen der Schule
Die Verwaltung liegt zentral im 1. Obergeschoss, ist über die Haupttreppe direkt angebunden und orientiert sich zum Vorplatz. Im südöstlichen Teil des 1. Obergeschosses befinden sich die naturwissenschaftlichen Fachräume. Lernwerkstätten werden um das Haupttreppenhaus organisiert und sind zusammen mit Foyer, Mehrzweckbereich und Bibliothek unabhängig im Ganztagesbetrieb nutzbar. Inklusions- und Therapieräume liegen in räumlicher Nähe zum Förderzentrum.

Das Förderzentrum als Ort für diverse Bedürfnisse
Die Räume des Förderzentrums liegen im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss am Mahngericht mit eigenem Freiraum im „ruhigen“ Teil der Schule. Der städtebaulich gewollte Rücksprung zum Mahngericht schafft Distanz zum öffentlichen Straßenraum. Je nach Bedarf ist das Förderzentrum über das zentrale Foyer oder den ruhigen Nebeneingang an der Schönstedtstraße erreichbar.

Das Compartment als Ort des Rückzugs und der Gemeinschaft
Primarstufe und Sekundarstufe II liegen als Doppelcluster im 1. bis 3. Obergeschoss im Gebäudeteil zum Pausenhof. Die Cluster der Sekundarstufe I werden ab dem 2. Obergeschoss im südöstlichen Teil nahe NaWi-Räumen und WAT verortet. Stammgruppen- und Teilungsräume gruppieren sich um eine gemeinsame Mitte als Forum für Lern- und Betreuungsangebote. Teamräume ermöglichen Übersicht, und mobile Trennwände sowie transparente Teilungsräume schaffen Flexibilität, Offenheit und gleichmäßige Belichtung. Klar strukturierte Räume, kurze Wege und gute Übersicht unterstützen unterschiedliche Wahrnehmungs- und Lernbedürfnisse. Begrünte Balkone erweitern die Lernräume und bieten direkten Zugang aus den Compartments in den durchgrünten Pausenhof.

Äußere Erscheinung – städtischer Baustein am Brunnenplatz
Die Fassadengestaltung sucht eine angemessene Sprache für Ort, Nutzung und Kontext. Eine fein abgestufte, vertikal gegliederte Fassade auf robustem Sockel bezieht sich auf das Mahngericht und wirkt zugleich zeitgemäß und flexibel. Zur Panke verknüpfen begrünte Balkone das Gebäude mit dem Freiraum, und filigrane Stahlstrukturen von Balkonen und Pergolen erinnern an Garten- und Parkarchitektur. Vorgeschlagen wird eine differenzierte Bekleidung aus vorgefertigten Klinkerelementen mit niedrigen Unterhaltskosten und guter Alterung. Der Sockel wird mit elementierten Betonfertigteilen robust materialisiert. Sämtliche Fassadenelemente sollen zerstörungsfrei demontierbar und wiederverwendbar gefügt werden.

Freiraum

Die Freianlagen nehmen vorhandene Gehölzstrukturen auf und entwickeln ein klimaangepasstes, nachhaltiges Schulumfeld mit funktional differenzierten Teilbereichen. Der Freiraum gliedert sich in den maximal grün ausgebildeten Schulhof im Inneren des Ensembles sowie den Vorplatz mit Vorfahrt zur Erschließung von Schule und Sporthalle.

Schulhof
Bestehende Gehölze werden durch Neupflanzungen ergänzt, die Teilbereiche gliedern, Schatten spenden und Rückzugs-, Aufenthalts- und Lernorte ermöglichen, ohne die Übersichtlichkeit zu verlieren. Ein naturnaher grüner Rahmen im Norden stärkt Übergang zum Grünzug an der Panke, Orientierung, Aufenthaltsqualität und Mikroklima und bietet Naturerlebnisse sowie Einblicke in Retentionsflächen für Lernerfahrungen. Der Rahmen umschließt die aktiven Bereiche mit Sitz- und Erholungszonen, und offene Rasenflächen ermöglichen freies Spielen. Grünbereiche an Gebäude und Laubengang vermitteln zu den begrünten Fassaden. Der Schulhof unterstützt Bewegung und ruhige Nutzungen zugleich. Eine markierte Laufbahn mit Weitsprunganlage strukturiert das Angebot, und Sitz- sowie Liegepodeste definieren geschützte Aufenthaltsbereiche. Ein leicht vertieftes Amphitheater schafft einen Unterrichtsort im Außenraum, und Tischtennisplatten ergänzen niedrigschwellige Freizeitangebote. Der Schulgarten im Norden vermittelt zwischen aktiveren Bereichen und dem grünen Rahmen. Für Kinder aus dem AutismusSpektrum wird im Anschluss an die Förderschule ein bewusst ruhiger, durch Grün abgeschirmter Teilbereich vorgesehen. Im Bereich von Multifunktionsbau und Mensa entsteht eine großzügige Fläche als Übergang zwischen Gebäude- und Freiraumnutzung mit Anbindung des Laubengangs zur Sporthalle.

Vorplatz
Der Vorplatz an der Pankstraße bildet das repräsentative Entree und wird befestigt mit Vegetationsinseln ausgebildet, die Gehölzstrukturen erhalten und weiterentwickeln. Die Vorfahrt wird im gleichen Material gestaltet und zwischen Schulgebäude und südlicher Nachbarbebauung geführt, sodass sie Haltestelle für Kleinbusse, Feuerwehrzufahrt und Müllabfuhr erschließt. Vor der Sporthalle weitet sie sich zu einer kleinen Platzsituation als Aufenthaltsbereich für den außerschulischen Betrieb.

Oberflächen und Vegetation
Die Materialwahl folgt Re-Use, Langlebigkeit, Wartungsarmut und Wassersensibilität. Auf Pausenhofflächen dominieren wassergebundene Decken und streifenweise verlegte Waschbetonplatten, die aus Fassadenelementen der alten Schule demontiert wurden. Vorplatz und Vorfahrt werden aus Granitpflaster aus Berliner Altmaterial hergestellt, wobei gebrauchte Steine gesägt werden, um barrierefreie Erschließung zu ermöglichen. Wo möglich ergänzen Schotterrasenflächen und reduzieren Versiegelung. Der Baumbestand bleibt weitgehend erhalten, und unvermeidbare Eingriffe werden durch standortgerechte, klimaresiliente und artenreiche Nachpflanzungen kompensiert. Einheimische Gehölze und Stauden im grünen Rahmen stärken die Biodiversität.

Regenwassermanagement
Das Regenwassermanagement folgt dem Schwammstadtprinzip mit Rückhalt, Verdunstung und anteiliger Versickerung. Befestigte Flächen entwässern in Grünbereiche, Schotterrasen unterstützt Infiltration, und unter Sportflächen sowie Amphitheater sind Rigolen zur Retention und Teilversickerung vorgesehen. Die Erschließung ist barrierefrei und für Schülerverkehr sowie Versorgung dimensioniert, und Feuerwehrzufahrten sowie Betriebslogistik sind integriert, ohne die Freiräume zu dominieren. Anlieferung und Müllabholung erfolgen über die Vorfahrt aus dem öffentlichen Straßenraum mit zentralem Müllstandort. Entlang der Schule wird die Vorfahrt als Haltestelle für 3 Kleinbusse sowie ein Kleinbusstellplatz mit Raum für Heckausstieg über Rampen ausgebildet, und südwestlich der Sporthalle werden weitere 3 barrierefreie Stellplätze vorgesehen. Fahrradbügel sind in Paketen angeordnet: 138 (inkl. 10 Sonderfahrräder) am Anschluss an den Panke-Radweg, 82 (inkl. 4 Lastenfahrräder) überdacht am Eingang der Sporthalle, 126 (inkl. 2 Lastenfahrräder) überdacht am Haupteingang Pankstraße sowie 20 (inkl. 2 Lastenfahrräder) überdacht am Eingang Brunnenplatz.

Wirtschaftlichkeit in den Freianlagen
Der Entwurf ist auf Dauerhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit im Lebenszyklus ausgelegt. Eine klare Grundstruktur, robuste Bauteile und reduzierte Versiegelung sichern Qualität bei angemessenem Mitteleinsatz und unterstützen abschnittsweise Umsetzung im Teilumbau. Baumerhalt, geringe Erdbewegungen und gebündelte technische Maßnahmen wie Rigolen und Zisterne reduzieren Investitions- und Folgekosten und führen zu einem pflegearmen Freiraum.

Kreislaufgerechtes bauen mit Bestandsbeton

In Decken, Bodenplatten und vorgehängten Fassaden der Albert-Gutzmann-Schule liegen über 70 % der Gebäude-Gesamtemissionen. Das Wiederverwendungskonzept hält den Großteil dieser Energie im Kreislauf und vermeidet mindestens 300 Tonnen CO₂-Äq Neuemissionen. Bestandsplatten werden in definierte Formate gesägt, geprüft und als vorgefertigte, unbewehrte Betonteile gemäß DIN-Normen eingesetzt, sodass keine Sondergenehmigungen nötig sind. Statische Berechnung, Prüfung und Gewährleistung erfolgen innerhalb geltender Normen für Betonfertigteile.

Boden- und Deckenplatten werden Bodenplatten
Der Bestand umfasst ca. 12.500 m² Boden- und Deckenplatten mit ca. 402 Tonnen CO₂-Äq, während der Neubau ca. 8.500 m² Bodenplatten benötigt. Der Überschuss erlaubt die Konzentration der Sägemaßnahmen auf unkomplexe Gebäudeteile und damit gezielte Minimierung der Rückbaukosten. Die Druckfestigkeit wird über Bohrkerne nachgewiesen, und die Platten werden als unbewehrte Bauteile eingesetzt, während in lokal erhöhten Lastbereichen konventionell bewehrte Ergänzungen vorgesehen sind. Erfahrungen zeigen, dass zerstörungsfreier selektiver Rückbau in dieser Größenordnung Mehrkosten gegenüber Abriss unter 20 % halten kann. Durch Lagerung vor Ort und unmittelbaren Wiedereinbau liegt die Bodenplatte aus Wiederverwendung unter den Kosten einer konventionellen Bodenplatte, bei einer Vermeidung von ca. 94 % der Neuemissionen.

Waschbetonfassaden wird Bodenbelag
In Waschbeton-Fassadenplatten sind ca. 40 Tonnen CO₂-Äq gebunden, und sie prägen die Gestalt des Bestandsgebäudes baukulturell. Im Außenraum überzeugen sie durch Witterungs- und Rutschfestigkeit, und im Innenraum werden sie durch Fräsen und Polieren zu Terrazzo transformiert. Die geschliffene Oberfläche verbindet Bestandsmaterialität mit zeitgenössischer Ästhetik und erzeugt einen durchgehenden Materialfluss zwischen innen und außen. Durch Wiederverwendung werden ca. 70 % der Neuemissionen der Innenraum-Bodenbeläge vermieden.

Doppelstegplatten als Fertigteilplatten
Doppelstegplatten eignen sich zur Wiederverwendung als tragende Deckenelemente, was im europäischen Ausland bereits erprobt ist. Spannweiten und Tragfähigkeiten passen zu den Anforderungen der Eingangsbereiche, und die Vielzahl identischer Elemente ermöglicht Prüfkohorten mit geringem Aufwand. Der Nachweis erfolgt als Fertigbauteil nach Norm, und die geometrische Kompatibilität mit Zielstärken sichert die Umsetzbarkeit ohne konstruktive Kompromisse. Damit werden mindestens 60 % der Neuemissionen der Deckenkonstruktion in diesen Bereichen vermieden.

Gesamtbilanz
In Summe werden über die drei Wiederverwendungsfälle mindestens 300 Tonnen CO₂-Äq Neuemissionen vermieden, während verbleibende Bauteile konventionell hergestellt werden. Die Materialität des Bestands wird zum Gestaltungsmittel, und die Tragstruktur wird zum Speicher bereits investierter Energie.

Tragwerkplanung

Das Tragwerk der nichtunterkellerten Gemeinschaftsschule und der angrenzenden, übereinander gestapelten Sporthallen ist als modulare, vorgefertigte, herstellerunabhängige, wartungsarme und feuerbeständige Hybridbauweise geplant. Grundlage ist ein konstruktives Grundraster von 4,25 m.

Schule
Stützen laufen konsequent durch alle Geschosse, liegen in Fassadenebene im Rasterabstand und werden im Inneren zur Grundrissflexibilität mit verdoppeltem Abstand gesetzt. Vorgesehen sind Stahlbetonfertigteilstützen mit hohem Recyclinganteil. Die Decken werden in Klassenraumbereichen als Holzhybriddecken und in der schmaleren Flurspange als Rippendecke aus Reuse-Bauteilen der AlbertGutzmannschule ausgeführt. Geplant sind leimarme Brettsperrholz-Flachdecken mit Verbund-Aufbeton, um Tragfähigkeit, Gebrauchstauglichkeit und Bauphysik materialgerecht zu erfüllen. Dach- und Geschossdecken liegen auf deckengleichen Unterzügen, um kollisionsfreien haustechnischen Leitungsverzug für Erst- und Folgenutzungen zu ermöglichen. Die Mensa wird stützenfrei über eine Balkenkonstruktion überspannt. Zur Aussteifung dienen Kerne in den Clustern, und die Gründung ist über Einzel- und Streifenfundamente angedacht. Für die Bodenplatte werden Bauteile des Bestands im Re-Use-Konzept genutzt, da sie nicht für die Standsicherheit herangezogen wird.

Sporthall
Das Sporthallentragwerk besteht aus Stahlverbundstützen und Stahlverbindern mit einer schlanken 15-cm-Flachdecke. Die Verbundbauweise reduziert die Gesamtbauhöhe, und zur Optimierung sind Schwingungstilger angedacht. Außenwandelemente zwischen den Stützen steifen zusätzlich aus.

Energetisches Konzept

Der Bildungscampus verbindet pädagogische Qualität mit einem klar strukturierten, langlebigen und energieeffizienten Low-TechTechnikkonzept. Die Gebäudetechnik ist bedarfsgerecht und funktional reduziert, während Architektur und Technik ein integrales, ressourcenschonendes und betriebssicheres System bilden. Eine kompakte, luftdichte Hülle senkt den Heizwärmebedarf und ermöglicht ein regenerativ getragenes Versorgungskonzept. Passive Maßnahmen wie kompakte Bauform, hochwertige Hülle und hybride Lüftungsstrategien reduzieren den technischen Energieeinsatz, und mechanische Systeme werden gezielt eingesetzt.

Wärmeversorgung
Die Wärmeversorgung erfolgt überwiegend über eine Sole/Wasser-Wärmepumpe für die Grundlast, wobei das Erdreich im Winter als Wärmequelle dient. Die Konfiguration erlaubt Sommer-Temperierung und thermische Regeneration durch Wärmerückführung. Pufferspeicher im Change-Over-Betrieb und optimierte Systemtemperaturen steigern die Effizienz. Für Spitzenlasten und teilweise zentrale Warmwasserbereitung ist ein Fernwärmeanschluss vorgesehen, und alternative Quellen wie Grund- oder Abwasser können geprüft werden. Nach aktuellem Stand liegt der Anteil regenerativer Energien im Berliner Verbundnetz bei 7 %. Der Dekarbonisierungsfahrplan der Fernwärme fokussiert bis 2045 auf Wasserstoff (ca. 50 %-Anteil) und weist auf Versorgungsunsicherheiten hin. Deshalb wird ein bivalentes System mit Wärmepumpe und Fernwärme vorgesehen, um von Beginn an einen hohen Anteil regenerativer Energien zu erreichen. Die CO₂-Reduktion verbessert die Ökobilanz nach BNB und ermöglicht Förderprogramme wie die Bundesförderung Klimafreundlicher Neubau.

Lüftung
Das Lüftungskonzept reagiert auf Städtebau und Lärm. Straßenseitig wird ein hybrides System genutzt, das mit mechanischer Grundlüftung und hocheffizienter Wärmerückgewinnung die hygienische Mindestlüftung in Unterrichtszeiten sicherstellt. In Pausen ergänzt natürliche Stoßlüftung über öffenbare Fenster. Die Luftführung folgt dem Kaskadenprinzip mit Zuluft in Unterrichtsräumen, Überströmung in Verkehrsflächen und Abluft über Sanitär- und Nebenräume. Im rückwärtigen Gebäudeteil und in der Sporthalle wird natürliche Fensterlüftung eingesetzt. Gegen sommerliche Überwärmung sind Nachlüftungsstrategien durch Querlüftung vorgesehen, und der Leitwert von 1.000 ppm für Berliner Schulen wird sichergestellt.

Warmwasserbereitung
Küche und Sportbereiche werden zentral über Fernwärme mit Warmwasserspeicher versorgt. Entnahmestellen in Sanitärbereichen der Regelgeschosse werden dezentral elektrisch über Untertischspeicher betrieben, um Leitungsverluste und Zirkulation zu minimieren.

Regenwassernutzung
Regenwasser wird in einer außenliegenden Zisterne gesammelt und für WC-Spülung sowie Bewässerung genutzt. Die Speicherung reduziert Trinkwasserbedarf und dient zugleich temporärer Regenrückhaltung.

Stromversorgung und Monitoring
Photovoltaik auf extensiv begrünten Dachflächen erzeugt Strom und unterstützt die Energieeffizienz. Ein Monitoring mit kontinuierlicher Erfassung der Energieflüsse schafft Transparenz, ermöglicht Optimierung und macht Energieprozesse im Schulalltag sichtbar.

Tageslicht
Es wird eine optimierte Tageslichtversorgung zur Unterstützung von Konzentration und Leistungsfähigkeit angestrebt. Hohe Reflexionsgrade und günstig angeordnete transparente Fassadenflächen stehen im Fokus. Brüstung und geringer Sturzbereich lassen Licht tiefer in Lernlandschaften eindringen, und transparente Innenbauteile versorgen Mittelzonen. Sonnenschutz-Tageslichtlenkung sorgt auch im heruntergelassenen Zustand für ausreichende Versorgung und reduziert den Kunstlichtbedarf.

Akustik
Die Cluster-Konzeption erfordert Abweichungen von normativen Vorgaben konventioneller Flurschulen. Transparenz und Offenheit werden durch leichtere Bauweisen wie Glaswände, Vorhänge und mobile Trennwände umgesetzt. Abschirmende Wände, Möblierung und raumakustische Maßnahmen werden auf Basis von Schallfeldsimulationen dimensioniert. So werden Sprachverständlichkeit erhöht und gegenseitige Störungen reduziert.

Brandschutz

Bauordnungsrechtliche Einstufung
Das Gebäude ist aufgrund seiner Höhe (EG bis 4.OG, ca. 15,5 m gemäß BauO Bln §2 (3)) ein Gebäude der Gebäudeklasse 5. Es ist Sonderbau gemäß BauO Bln §2 (4), u. a. als Schule (Nr. 13), als Gebäude mit mehr als 1.600 m² BGF des größten Geschosses (Nr. 3), mit Räumen für mehr als 100 Personen (Mensa, Nr. 6) sowie als Versammlungsräume mit mehr als 200 Besuchern (Nr. 7a). Eine zweigeschossige Sporthalle wird als freistehender Gebäudekörper geplant. Für die Bewertung sind BauO Bln, MSchulbauR und MVStättVO zu beachten.

Abwehrender Brandschutz
Die erste Anlaufstelle der Feuerwehr liegt am Haupteingang Pankstraße. Ein Unterflurhydrant ist im öffentlichen Straßenland an der Ecke Pankstraße/Schönstedtstraße vorhanden, und der Regelabstand von 100 m zur ersten Löschwasserentnahmestelle wird eingehalten. Vertikale Angriffswege erfolgen über notwendige Treppenräume bzw. Treppen, und Flucht- sowie Rettungswege werden baulich sichergestellt. Aufstellflächen sind nicht erforderlich, Bewegungsflächen sind vom öffentlichen Straßenland möglich, und eine Zufahrt zu rückwärtigen Gebäudeteilen ist von der Wiesenstraße vorgesehen. Auf dem Grundstück sind eine Bewegungsfläche und eine Wendemöglichkeit für die Feuerwehr vorzusehen.

Baulicher Brandschutz
Das Schulgebäude wird als Grenzbebauung mit Brandwänden an angrenzende Gebäude angeschlossen. Tragende Bauteile und Trennwände müssen feuerbeständig sein, und aufgrund der Abmessungen werden 5 Brandabschnitte hergestellt. Die Brandabschnittslänge von 60 m und die Brandabschnittsfläche unter 1.600 m² wird eingehalten. Die Abschnitte werden in allen Geschossen übereinander ohne wesentliche Versätze ausgebildet. Anstelle notwendiger Flure wird die Cluster-/Compartmentlösung umgesetzt, die Nutzungseinheiten bis 400 m² ohne notwendige Flure erlaubt. In den Regelgeschossen werden 2 Einzel- und 2 Doppelcompartments gebildet, im obersten Geschoss wird auf zwei Einzelcompartments reduziert, und die Clustergröße beträgt bis zu 600 m². Diese Größe wird als umsetzbar eingeschätzt, mit zusätzlichen brandschutztechnischen Trennungen innerhalb der Doppelcluster. Als Rettungswege sind zwei Hallen mit Treppenanlagen, ein Treppenraum und zwei außenliegende Treppen geplant, wobei die Außentreppen über Laubengänge erreichbar sind.

Rettungswegekonzept
Für Schulgebäude und Sporthalle sind zwei bauliche Rettungswege erforderlich. Jedes Compartment hat Zugang zu zwei unabhängigen notwendigen Treppen (Hallen-Treppen, notwendiger Treppenraum oder Außentreppe). Die maximale Rettungsweglänge von 35 m wird von jeder Stelle eingehalten. Der Mehrzweckraum (Mensa) liegt im Erdgeschoss in einem eigenen Brandabschnitt mit direkten Ausgängen ins Freie. In der Sporthalle werden Rettungswege über zwei notwendige Treppenräume mit direkten Ausgängen ins Freie sichergestellt. Treppenlauf- und Türbreiten sind nach SchulbauR zu planen.

Anlagentechnischer Brandschutz
Erforderlich sind eine flächendeckende Brandmelde- und Alarmierungsanlage nach DIN 14675 sowie eine Sprachalarmierungsanlage in den Compartments aufgrund der Größe von 600 m². Sicherheitsbeleuchtung, Alarmierungsanlage und Brandmeldeanlage benötigen eine Sicherheitsstromversorgung. Notwendige Treppen und Hallen sind wirksam zu entrauchen, und die Compartments können über Fenster in der Fassade entraucht werden. Die Mehrzweckhalle ist nach MVStättVO zu entrauchen.

Organisatorischer Brandschutz
Erforderlich sind Flucht- und Rettungswegpläne, ein Feuerwehrplan, eine Brandschutzordnung sowie ein Brandschutzbeauftragter.