huber staut architekten bda Gesellschaft von Achitekten mbH

Erläuterungsbericht zum Wettbewerbsbeitrag

Leitidee: Öffnung zum Park 

Der Neubau des Gymnasiums schließt die Wohnbebauung des neuen Quartiers „Am Park“ entlang der Rhenaniastraße ab, öffnet weite Blicke zum neuen städtischen Park und darüber hinaus in Richtung Havel und schafft ein angemessenes Entrée für den neuen Schulstandort in Spandau. Der Schulbau baut auf einem modularen Baukasten aus Betonfertigteilen sowie einer Deckenkonstruktion aus Holz-Beton-Hybridbauteilen auf. Die rote Farbe der gewölbten Keramikelemente in der Fassade, die ebenfalls vorgefertigt werden, verbindet den Neubau mit der historischen Industriearchitektur in der Wasserstadt Spandau.

Integration des neuen Gymnasiums in die Wasserstadt Spandau 

Die Rhenaniastraße markiert den nordöstlichen Rand der Wasserstadt Spandau. Gleichzeitig bindet sie die weiter südöstlich gelegenen Wohngebiete des Ortsteils Haselhorst an die identitätsstiftende Wasserlandschaft der Oberhavel an. Das Wettbewerbsgrundstück bietet die Möglichkeit den Siedlungsrand zur Mitte des angrenzenden Quartiers und zur Oberhavel zu öffnen. Die gegeneinander versetzt angeordneten 3-geschossigen Baukörper der Schule bilden mit den angrenzenden 4 bis 5-geschossigen Wohnbauten eine Fuge im Stadtgefüge, die sehr gut mit der entsprechenden grünen Fuge weiter nordwestlich an der Kreuzung mit der Daumstraße korrespondiert. Beide Fugen bilden Eingänge zum Quartierspark. Die Transparenz und Durchlässigkeit des städtisch verdichteten Wohnblocks wird ein wesentliches Kriterium für die Wohnqualität und die Attraktivität des Quartiers sein. Der neue Schulbau kann als „städtisches Scharnier“ im Stadtraum erlebbar sein und dabei helfen, die angrenzenden Quartiere und Freiräume miteinander zu vernetzten. Darüber hinaus ist der neue Schulbau im städtischen Kontext sehr gut sichtbar und kann somit sowohl Schülerinnen und Schüler aus dem Quartier als auch darüber hinaus aus dem ganzen Bezirk Spandau anziehen.

Einbindung in die Landschaft

Der Neubau des Gymnasiums stärkt den bereits vorhandenen Grünzug von der zukünftigen grünen Mitte des Quartiers „Am Park“ im Westen ausgehend, über die Freiflächen des Schulgeländes nach Osten zu den angrenzenden intensiv begrünten Kleingartensiedlungen. Östlich des Schulbaus verläuft ein weiterer „grüner Korridor“, der von Nordosten um den Rohrbruchteich kommend, über das vorhandene Wäldchen auf der Ostseite des Grundstücks weiter zur Adickesstraße läuft und das Potential hat, über die „kleine Eiswerderstraße“ die Insel Eiswerder anzubinden. Diese Wegeverbindung bietet, ergänzend zum diagonalen Fußweg über den Quartierspark zur Daumstraße, die Möglichkeit zukünftig die an der Daumstraße angeordnete Außensportfläche des neuen Schulstandorts anzubinden. Die leicht aus der Straßenflucht der Bebauung an der Rhenaniastraße zurückgesetzte Lage des Schulbaus betont die besondere städtebauliche Rolle dieses wichtigen öffentlichen Gebäudes. Zusätzlich ermöglicht die städtebauliche Disposition auch die Anordnung eines grünen Parkstreifen an der Rhenaniastraße und kündigt hier die grüne Mitte des Quartiers bereits an. Der Neubau öffnet sich nach Süden zur Sonne und zu den hier vorhandenen monumentalen Eichen. Der inszenierte Blick auf die alten Bäume wird ein identitätsstiftendes Merkmal des neuen Schulstandorts sein. 

Gestaltung der Freiflächen der neuen Schule

Die Geometrie des Neubaus ermöglicht einen großzügigen Vorplatz zwischen der Wohnbebauung und dem Neubau des Gymnasiums. Von der Mitte der Wasserstadt im Westen kommend ist dieser gut sichtbar Er liegt am Eckpunkt zweier das gleichseitige Dreieck des zentralen Parks begrenzenden Wegeverbindungen und öffnet sich von der grünen Mitte zur Rhenaniastraße und der hier angeordneten zukünftigen Tramhaltestelle. Großzügige mit Bäumen überstandene „grüne Inseln“ lockern den eher urbanen Platz auf und schaffen Versickerungsflächen für das Regenwasser. Die Bäume spenden Schatten, darunter aufgestellte Bänke laden zum Verweilen ein. Fahrradstellplätze sind, in überschaubare Flächen aufgeteilt, auf dem Vorplatz verteilt angeordnet. Großzügige Arkaden am Neubau der Schule und der Turnhalle bieten für ankommende Schüler:innen, sowie Lehrer:innen und Besucher:innen einen wettergeschützten Ort und führen in das Gebäude ein. 
Die Schulfreiflächen schließen unmittelbar südlich an den Neubau an. Sie bieten viel Raum für eine Vielzahl von Funktionen, wie Erholungsflächen, Schulgarten, Gymnastikwiese, Freizeitflächen mit integrierten Spielflächen für Tischtennis und ein Kleinspielfeld für verschiedene Ballsportarten. Nach Süden zu den alten Eichen grenzt eine großzügige Terrasse an die Mensa und den Mehrzweckraum an, die im Sommer zum Speisen und zum Aufenthalt im Freien einlädt. Eine weitere Terrasse an der Ostseite ermöglicht Lernen und Arbeiten im Freien im Rahmen des Kunstunterrichts. Mulden im Bereich des vorhandenen Wäldchens im Südosten erlauben die natürliche Versickerung des Regenwassers. 

Äußere Erschließung

Der Haupteingang des Gymnasiums und der Eingang zur Turnhalle grenzen unmittelbar an die Ostseite des Vorplatzes an. Von hier strömen in den Morgenstunden Schüler:innen, Pädagog:innen und Besucher:innen in das Gebäude. Die Ver- und Entsorgung des neuen Schulstandorts erfolgt von Osten über eine neue Stichstraße an der Rhenaniastraße. Diese bindet die Küche zur Versorgung der Schule mit Speisen, den Müllraum im Schulgebäude, sowie die geforderten beiden Kfz-Stellplätze für behinderte Menschen an die Hauptstraße an. Ergänzend zu den Eingängen, befinden sich zwei weitere Zugänge zum geschützten Schulareal in der Einfriedung. Diese befinden sich an der West- und an der Südseite des Grundstücks und ermöglichen es den Schüler:innen die separat an der Daumstraße angeordneten Sportflächen zu erreichen. Der südliche Nebeneingang dient auch der öffentlichen, vom Schulbetrieb unabhängigen Erschließung der Sport- und Spielfreifläche im südöstlichen Teil des Wettbewerbsgrundstücks. 
Insgesamt werden etwa 200 Fahrradstellplätze an unterschiedlichen Stellen des Wettbewerbsgeländes angeordnet. Die größte Zahl befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Haupteingang, weitere Fahrradstellplätze sind der Sporthalle im Norden an der Rhenaniastraße zugeordnet. Ein weitere Möglichkeit für wettergeschützte Abstellplätze für Fahrräder befindet sich im Westen im geschützten Bereich der Schule und am Kleinspielfeld im Süden. 

Gebäudeidee Neubau Gymnasium

Der U-förmige Neubau des Gymnasiums öffnet sich nach Süden zum Licht und zu den vielfältigen Außenanlagen, mit den bestehenden Eichen in der räumlichen Mitte. Er besteht aus 3 bis 4-geschossigen Gebäudeteilen, die differenziert auf die unterschiedlichen städtebaulichen Rahmenbedingungen reagieren: Im Norden befindet sich, an die Rhenaniastraße angrenzend, die Sporthalle mit einem separaten Eingang. Die Halle ist an der Straße gut erreichbar für externe Sportler:innen und bildet einen Puffer zur Lärmbelastung, die von der Rhenaniastraße ausgeht. Nach Westen fügen sich zwei gegeneinander versetzte Gebäudekörper an, die im Wesentlichen die Lerncluster der Compartments beinhalten. Die räumliche Mitte bilden im Erdgeschoss die Mensa und der Mehrzweckraum, die gemeinsam mit dem Foyer einen großzügig zusammenschaltbaren räumlichen Zusammenhang schaffen und sowohl von Süden als auch über einen gut nutzbaren Innenhof viel Licht erhalten. Nach Osten schließt das Gebäude ein 4-geschossiges Bauteil ab, welches wie bereits der Westflügel Compartments mit unterschiedlichen Lernclustern aufnimmt. Dieses Bauteil bildet einen städtebaulicher Hochpunkt und schließt die 4 bis 5-geschossige Wohnbebauung des neuen Stadtquartiers am Park nach Osten ab. 

Innere Erschließung, Barrierefreiheit 

Das Erschließungssystem besteht aus großzügigen Fluren und Treppen. Es folgt der Gebäudestruktur, ausgehend von einem maximal öffentlichen Erdgeschoss, hin zu den kleinteiligen, eher intimen Compartments, die ohne Durchgangsverkehre und störende Flure, wie eine „kleine Dorfschule“ funktionieren. Die horizontale Verteilung der Menschenströme übernehmen großzügige Flure im EG, sowie im 1.OG. Unmittelbar am Haupteingang öffnet sich eine repräsentative einläufige Freitreppe zum 1. OG. Diese nimmt die Gruppen von Schülerinnen und Schülern auf, führt sie in das 1. Obergeschoss und die angrenzenden Compartments und bindet diese umgekehrt an die Gemeinschaftsflächen im EG und die Schulfreiflächen an. Leicht auffindbare Treppenhäuser führen vom EG. bzw. 1.OG aus direkt in die Compartments. Fluchttreppenhäuser an beiden Gebäudeflügeln sichern den 2. baulichen Rettungsweg aus den Compartments und ermöglichen insbesondere für die Schüler:innen der Sekundarstufe I über gut nutzbare, nach Süden orientierte Loggien die direkte Anbindung aus den Lernclustern in die Freiflächen des neuen Gymnasiums. Die Sporthalle kann sowohl von innen über das Foyer der Schule als auch für die Sportvereine über einen separaten Eingang von der Rhenaniastraße erschlossen werden. Insgesamt 3 Aufzüge, sowie hinreichend breite und gut belichtete Flure sichern die barrierefrei Erschließung der neuen Schule. 

Funktionsverteilung im Gymnasium Rhenaniastraße

EG
Hier befinden sich die öffentlichen Bereiche der Schule. Angrenzend an Foyer, Mensa und Mehrzweckbereich liegt am Eingang die Lernwerkstatt auf der gegenüberliegenden Seite der Bereich der Musik und der Kunst. Die Küche mit Ausgabetresen grenzt an die Mensa an und kann von Osten aus angedient werden. Die Müllentsorgung grenzt unmittelbar an die Küche an und befindet sich innerhalb des Gebäudes. Die dienenden Räume für die repräsentativen Flächen sind nach Norden unterhalb der Turnhalle, zusammengefasst mit den Umkleiden angeordnet. Nach Süden schließen die NAWI-Räume als eigenständiges Compartment das Erdgeschoss ab.

1.OG
Unmittelbar an die Freitreppe anschließend befinden sich im Obergeschoss die Schulverwaltung und die Bibliothek. Von hier aus können alle Bereiche der neuen Schule auf kürzestem Weg erreicht und überblickt werden. Die beiden Gebäudeflügel nach Süden beherbergen die Compartments für die Sekundarstufe I. Die Hallenebene der Sporthalle befindet sich im 1.OG und kann bei Bedarf für Veranstaltungen über die Freitreppe direkt an das Foyer angebunden werden.

2.OG
Hier befinden sich insgesamt 3 Compartments, wobei die Compartments der Sekundarstufe I eine Loggia mit einer Treppe unmittelbar zu den Freiflächen der neuen Schule erhalten. Im Bereich der Sporthalle befinden sich hier die Galerie für die Zuschauer bei Sportveranstaltungen. Im 2. OG sind auch die Technikflächen für die Turnhalle und den neuen Schulbau angeordnet.

3.OG
Hier befindet sich ein weiteres Compartment für die Sekundarstufe I.

Gestaltung der Compartments

Die „pädagogische Mitte“ der Compartments ist das Forum. Es ist die zentrale Begegnungs-, Kommunikations- und Differenzierungsfläche. Das Forum dient als Treffpunkt, Arbeitsraum für Einzel- und Gruppenarbeit, Besprechungs- und Bewegungsraum sowie als Pausenfläche und erweitert die räumlichen Möglichkeiten der weiteren Unterrichtsräume. Um diese Ziel zu erreichen ist es mit flexiblem Mobiliar und vielseitigen Sitz- und Arbeitsmöglichkeiten ausgestattet. Jedem Forum der Sekundarstufe I ist eine Loggia zugeordnet. Die Stammgruppen- bzw. Kursräume werden als Unterrichtsräume genutzt. Bei dem 4-zügigem Gymnasium wird jeweils 1 Compartment für eine Jahrgangsstufe genutzt. Die kleinen und großen Teilungs-/Kursräume ergänzen die Unterrichtsräume durch die Möglichkeit der flexiblen Nutzung. Eine direkte räumliche Verbindung zwischen Teilungs-/ Kursraum und Unterrichtsraum ist ebenso gegeben wie eine Verbindung zum Forum. Eigene Garderoben- und WC-Bereiche werden den einzelnen Compartments zugeordnet so wie auch eine Teamzone für die Pädagog:innen.

Tragkonstruktion Schulgebäude 

Die Primärkonstruktion Tragwerk besteht in allen Geschossen aus den für Lastableitung und Standsicherheit minimal notwendigen drei Elementen Stützen, Decken und aussteifende Wände/Kerne, die sich nicht mit haustechnische Einbauten (Sekundärkonstruktion) vermischen. Die sichtige Führung haustechnischer Leitungen unter der unterzugsfreien Decke erleichtert spätere Umbauten. Der Rohbau entsteht als modular erweiterbares Skelett ohne vertikale Versprünge aus quadratischen Stahlbeton-Fertigteilstützen mit ca. 30x30 cm und dazwischen spannenden deckengleichen vorgefertigten Stahlbetonunterzügen. An den Deckenrandträgern sind Fassadenbrüstung und -stürze befestigt. Die Deckenkonstruktion ist eine sehr wirtschaftliche Holz-Beton-Verbundkonstruktion aus gedübelten Brettstapel-Holzplatten, die über eingelassene Schubverbindungsmittel im Verbund mit einer darauf betonierten, bewehrten Betonplatte wirken. Bei einer Gesamtdicke von 40 cm (26 cm Holzplatte + 14 cm Betonspiegel) entstehen stützenfreie Spannweiten bis zu 9,0 m. Das Tragwerk berücksichtigt die zusätzlichen Lasten im Dachbereich aufgrund der gewünschten Retentionsdachaufbauten. Die Holzplatte wird in der erforderlichen Länge und in einer Breite von 2,4 m vorgefertigt und vor Ort zwischen die Träger gehoben. Der Betonverguss von Decke und deckengleichen Trägern schafft eine monolithische, sehr gut aussteifende Deckenplatte. Die akustisch wirksame Schlitzung der Deckenunterseiten minimiert zusätzliche Akustikmaßnahmen. Stahlbetonkerne (Treppenhäuser) leiten die Aussteifungskräfte der Deckenplatten ab. Treppenhäuser sind mittels Fundamentplatte gegründet, Stützen auf Stahlbeton-Einzelfundamenten, im Bereich der Fassade sind sie Teil der umlaufenden Frostschürze. Alle Betonkonstruktionen verwenden Recyclingbeton aus Betonabbruchgranulat.

Die Außenwände bestehen aus einer vorgehängten nicht tragenden Fassade aus eingefärbten Stahlbetonfertigteilen mit Brüstungselementen aus roter Keramik. Gereihte Fenster aus Holzprofilen mit vorgesetzter Aluschale und Dreifachverglasung ergänzen eine nachhaltige und pflegearme Fassadenhülle. Der außenliegende Sonnenschutz wird über seilgeführte Textilrollos sichergestellt.

Der Innenausbau erfolgt mit nichttragenden Wänden aus leichten Holzständerwänden. Der Eingangsbereich und das Foyer erhalten einen hellen Bodenbelag aus Werkstein, in den Unterrichts- und Büroräumen wird ein Belag aus Linoleum verlegt. Die skulpturale Treppe im Foyer sowie die Einbaumöbel, insbesondere im Unterrichtsbereich, aber auch in den Pantryküchen, werden aus Holz gefertigt. Es werden möglichst natürliche Materialien eingesetzt.

Tragkonstruktion Sporthalle

Die Tragstruktur der Sporthallen teilt sich in die eingeschossige Halle und das Tragwerk des gestapelten Nebenraumtraktes (zweigeschossig). Die gewünschten Zuschauergalerien liegen in der oberen Ebene des Nebenraumtraktes, die Tribüne vergrößert den Hallenbereich. 
Das Dachtragwerk unter der leichten Dachkonstruktion bildet zur Reduzierung der Gebäudehöhe eine Stahlverbundträgerkonstruktion im Abstand von 7,5 m. Auf den 1,7 m hohen Stahlträgern mit 27 m Spannweite werden Trapezbleche mit Schubverbindungen verlegt und mit Beton zu einer monolithischen Platte im Verbund zu den Stahlträgern vergossen. Die Deckenplatte im Dach hat eine Gesamtdicke von 18 cm. Die Decken wirken als monolithische, aussteifende Scheiben. Die Ableitung der Lasten erfolgt über Fertigteil-Stahlbeton-Stützen, die in Einzelfundamente einspannen. Die Aussteifung und Ausfachung zwischen den Stützen übernimmt wärmedämmendes Mauerwerk. 
Das Tragwerk der Nebenraumtrakte funktioniert wie bei den Schulmodulen. Das Skelettsystem schafft auch hier hohe Flexibilität bei späteren Umbauten.

Lärmschutz

Die Anordnung der Sporthalle nach Norden entlang der Rhenaniastraße dient als Lärmpuffer gegen die gemessenen Spitzenlärmpegel von 61 – 70 dB. Das Abrücken der Sporthalle von der angrenzenden Wohnbebauung minimiert die Schallbelastung aus diesem Bereich. Die Schulnutzung orientiert sich zu den geschützten Innenbereichen mit 48 – 58 dB. Dadurch entfallen aufwändige Schallschutzmaßnahmen in den Unterrichtsbereichen. Das Spielfeld hält 25 m Mindestabstand zum Wohnen.

Brandschutz

Dreigeschossigkeit und Nutzungseinheiten > 400 m² bedingen für das Schulgebäude Gebäudeklasse 5. Die tragende Konstruktion ist feuerbeständig, für die Abgrenzung der Compartments mit ca. 800 m² BGF-R zueinander und zur Sporthalle gilt: Wände sind feuerbeständig in Bauart Brandwand mit feuerhemmenden, rauchdichten und selbstschließenden Türen, die im Betrieb offen (iBo) gehalten werden und nur im Brandfall zufallen. Die Abstände von Brandabschnittswänden sind deutlich unter 60 m, da sie durch die Abschlusswände der Compartments zueinander gebildet werden. 
Rettungswege: Je Compartment besteht ein unmittelbarer Zugang zu einem Treppenraum, ein zweiter Rettungsweg erfolgt über das Foyer. Im Erdgeschoss gibt es zwei weitere Ausgänge unmittelbar ins Freie. Die Rettungsweglänge bis zu einem Ausgang liegt unter 25 m. Die Rettungswegbreite von 1,2 m je 200 darauf angewiesene Schüler ist nachgewiesen. Das Rettungswegenetz dient gleichzeitig als interne Verbindungswege von den Obergeschoßen zum Schulhof und zu den Sportflächen.
Das neue Gymnasium erhält gemäß den Entscheidungshilfen der Berliner Bauaufsicht eine automatische Brandmelde- und Alarmierungsanlagen sowie Sprachalarmierungsanlagen. Unterrichts- und Schüleraufenthaltsbereiche erhalten Fenster, die zur Rauchableitung geöffnet werden können. Blitzschutz, Sicherheitsbeleuchtung und Sicherheitsstromversorgung sind im notwendigen Umfang gewährleistet. 

Zertifizierung „Silber“ nach BNB 

Der Neubau des Gymnasiums Rhenaniastraße erfüllt die Anforderungen der Novelle zum Gebäude Energie Gesetz (GEG) vom Juli 2022. Darüber hinaus werden die geforderten Kriterien zu Nachhaltigkeit in der Qualitätsstufe „Silber“ zuverlässig erreicht. 

Konzeption Haustechnik, Bauphysik / Energetisches Konzept 

Die kompakte Bauweise mit minimierter Hülloberfläche ist ein zentraler Baustein für das Erreichen der Ziele von minimierten Lebenszykluskosten. Durch detaillierte Variantenuntersuchungen der thermischen Gebäudehülle und der Anlagentechnik wird im Planungsverlauf das aus energetischer, ökologischer und ökonomischer Sicht optimale Energiekonzept ermittelt. Zur Minimierung des CO2-Fußabdrucks und der Grauenergiebilanz werden grundsätzlich nachhaltige Baumaterialen und Dämmstoffe eingesetzt.

Wärmeversorgung – Autarkes System: 

In Ermangelung eines bestehenden Fernwärmenetzes bietet sich entweder die Anbindung an die quartiersübergreifende Energiezentrale an der Plauer-See-Straße an oder die Schaffung eines autarken Systems unter Nutzung von Erdwärme, um die Verwendung von anliegendem Gas zu vermeiden. Dies ist im Zuge der weiteren haustechnischen Konzeption abzuwägen. Die Wärmeeinbringung erfolgt über Flächenheizungen im Fußboden im Bereich des Foyers und der Unterrichtsräume, über Deckenstrahler im Bereich der Sporthallen und über Heizkörper im Bereich der Büro- und Nebenräume. Ein Teil der Wärmelasten wird über Betonkerntemperierung im Deckenbereich abgedeckt. 

Schmutzwasser: 

Alle Sanitärobjekte werden an das Abwassersystem angeschlossen und im Freispiegelgefälle über Sammelleitungen der öffentlichen Kanalisation entlang der Rhenaniastraße im Trennsystem zugeführt. Die Fallstränge mit Reinigungsöffnungen werden in vorgesehenen Installationsschächten geführt. Anlagenteile, Fall- und Entlüftungsstränge der Entwässerungsanlage werden über Dach entlüftet. 

Regenwasser: 

Die Ausbildung von extensiven Gründächern als Retentionsdach speichert Regenwasser auf den Dachflächen, es wird dadurch zeitverzögert und gedrosselt weitergeleitet. Im Gelände wird das ankommende Regenwasser unter Ausnutzung der bestehenden topographischen Situation auf Teilen des Grundstücks (Flurstück 49) in Retentionsmulden versickert. Zusätzlich wird Regenwasser in Zisternen gespeichert und zur Bewässerung der Außenanlagen herangezogen. Ein Notüberlauf in die öffentliche Kanalisation an der Rhenaniastraße wird vorgehalten.

Trinkwasser: 

Die aus dem neuen Trinkwassernetz entlang der Rhenaniastraße gespeisten Teilsysteme werden nach Nutzungsbereichen aufgeteilt. Zur Legionellenvermeidung werden entsprechende Maßnahmen, wie z. B. Strömungsteiler, automatische Spüleinrichtungen und die entsprechende Dämmung und Schachtausbildung vorgesehen. Auch der Pseudonomadengefahr im Kaltwassersystem wird vorgebeugt, indem Warm- und Kaltwasserleitungen in getrennten Schächten geführt werden. Alle Sanitärobjekte werden an das Trinkwassersystem kalt angeschlossen. Warmes Wasser wird nur dort zur Verfügung gestellt, wo dies zwingend erforderlich ist. 

Raumlufttechnische Anlagen

Zur Sicherstellung des vorgegebenen Sauerstoffgehalts auch in den kalten Jahreszeiten ist der Einsatz von intelligenter, aber einfach zu bedienenden Raumlufttechnik unvermeidbar. Angemessene Öffnungsanteile in Fenstern und Türen erlauben eine maximale Nutzung von natürlicher Lüftung zur Grundlüftung und von Tageslicht. In den Pausen kann zur Entlastung der RLT eine Stoßbelüftung über Fenster erfolgen. Die raumlufttechnischen Zentralgeräte werden für das Schulgebäude im EG und für die Sporthallen in der Technikzentrale im 2.OG positioniert, um kurze Kanalwege sicherzustellen. Die Anlagen erhalten hochenergieeffiziente Filter und Systeme zur Wärmerückgewinnung. Dabei werden die Vorgaben aus der BNB-Systemvariante Unterrichtsgebäude 2017 berücksichtigt. Der Luftwechsel ist flexibel mit bis zu 8-fach / Stunde festgelegt. Die Gemeinschafts- und Unterrichtsräume werden mit Präsenzschaltern ausgerüstet, so dass die Raumlufttechnischen Anlagen bedarfsgerecht über Hybrid-Lüftungskonzepte betrieben werden. Drehzahlgeregelte Ventilatoren in Kombination mit variablen Volumenstromreglern ermöglichen das Gebäude bei unterschiedlichen Lastfällen effizient zu betreiben. Die minimierten innenliegenden Räume werden gemäß DIN / VDI mechanisch be- und entlüftet. Die Entrauchung von Räumen erfolgt gemäß Brandschutzkonzept natürlich.

Starkstromanlagen

Mittel- und Niederspannungsschaltanlagen versorgen das Gebäude aus den Technikzentralen mit Allgemeinstrom (AV) und Sicherheitsstrom (SV). Die Übergabestationen aus der Rhenaniastraße befinden sich im EG. Alle Geschosse werden durch separate Etagenverteilungen mit Strom versorgt. Die zentrale Sicherheitsstromversorgung (SV) wird durch eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) versorgt. Die Sicherheitsbeleuchtung erhält einen separaten Raum. Von hier aus erfolgt die Versorgung der jeweiligen Ebenen. Auf den Dächern wird eine eigenverbrauchsoptimierte Photovoltaikanlage vorgesehen. Die dafür benötigten Geräteanschlusskästen (GAK) und Wechselrichter befinden sich ebenfalls auf dem Dach. Die PV-Stromeinspeisung in das Stromnetz des Gebäudes erfolgt in den Technikzentralen.

Fernmelde- und informationstechnische Anlagen

Zentrale fernmelde- und informationstechnische Anlagen werden möglichst sternförmig installiert. Dabei wird die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) berücksichtigt und die Planung wird EMV-optimiert erstellt. Alle Cluster erhalten EDV-Versorgung und W-LAN. Die für IT/EDV benötigten Server und zentralen Geräte werden im EG und 1. OG vorgesehen. Das Gebäude erhält eine Brandmelde-, Telekomunikations-, Zutrittskontroll- und eine Sprach-Alarmierungsanlage. Die sicherheitsrelevanten Anlagen (BMA/RWA) werden gemäß LAR in E30/E90- verkabelt. Die Anbindung der BMA erfolgt an eine ständig besetzte Stelle. 

Aufzugs- und Förderanlagen

Für die Schule sind zwei und für die Sporthalle ein Personenaufzug mit einer Tragkraft von 630kg nach TRA 200 vorgesehen, als Seilaufzug ohne Maschinenraum, sanft anfahrend, Steuerung, Notruf, behindertengerecht nach EN 12183/ 12184

Gebäudeautomation

Zentrale Gebäudeautomation erfolgt über ein BACnet-System. In der Managementebene werden alle betriebstechnischen Anlagen visualisiert dargestellt. Die Administration kann auch mittels Fernzugriff auf die Anlagenkonfiguration Einfluss nehmen.