Architektur:
NAK Architekten GmbH
Landschaftsarchitektur:
ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH
Tragwerksplanung:
PICHLER Ingenieure GmbH
Architektur:
NAK Architekten GmbH
Landschaftsarchitektur:
ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH
Tragwerksplanung:
PICHLER Ingenieure GmbH
Der Erweiterungsneubau der Schule an der Jungfernheide besteht aus vier höhengestaffelten Bausteinen, die sich um eine gemeinsame Mitte gruppieren. Die leichte Verschiebung der Bausteine zueinander bildet einen gefassten Vorplatz im Südwesten und einen Ausgang zu den Pausenflächen im Nordwesten. So adressiert der Schulneubau sich signifikant in den Straßenraum, während die Positionierung der Sporthalle an der östlichen Grundstücksgrenze einen großzügigen Freiraum fasst, der wiederum durch die Geometrie des Neubaus gegliedert wird. Die prägenden Baumreihen im südlichen Grundstückbereich werden erhalten und bilden ein Rückgrat als übergeordnete fußläufige Erschließung des Grundstücks. Hier wird die Laufbahn wieder dort positioniert, wo sie bisher war. Gleichzeitig wird ein parallellaufender Fußweg außerhalb des eingezäunten Schulbereichs – teilweise als Bestandsweg auf dem Flurstück 424 - angeboten so dass eine öffentliche Durchwegung zwischen Rohrdamm und Lenther Steig ermöglicht wird.
Alle Jahrgangsstufen der Gemeinschaftsschule finden ihren Platz in einem Gebäude mit dem Ziel, jede Schülerin und jeden Schüler der heterogenen Schülerschaft durch Individualisierung und Differenzierung von Lernangeboten sowie Lernräumen bestmöglich zu fördern. Nach außen sind die Gebäudeteile für die Primarstufe im Norden sowie die Gebäudeteile für die Oberstufen im Süden klar ablesbar.
Alle gemeinschaftlich genutzten Bereiche sind im Erdgeschoss angeordnet: die gut auffindbare Verwaltung zwischen dem Eingang und dem Ruhegarten im Nordwesten, die Fachbereiche Kunst/Inklusion und Musik im Nordosten bzw. Südwesten sowie die Aula mit Mensa und einem vorgelagerten Freisitzbereich im Südosten. Als gemeinsame Mitte im Erdgeschoss fungiert das Foyer, das sowohl als Pausenhalle als auch als zentrale horizontale Verteilerfläche dient. Es verbindet den Eingangsplatz mit dem Pausenhof und wird durch zwei großzügige Treppen gegliedert, die zu den Lernclustern der oberen Etagen führen. Die Ausformung der Obergeschosse als Split-Level schaft eine großzügige Raumhöhe im Erdgeschoss im Bereich der Aula, Mensa, Mehrzweckraum und Musikräumen.
Alle Jahrgangsstufen sind in 9 Compartments organisiert. Diese bestehen aus jeweils drei bzw. vier Stammklassenräumen mit zusätzlichen Teilungsräumen, die um ein gemeinsames Forum als Erschließungs und Lernraum angeordnet sind. Die Foren werden von zwei Seiten großzügig belichtet und natürlich belüftet, wodurch eine angenehme Lernatmosphäre entsteht. Jedes Compartment verfügt über eine Loggia mit Zugang zu einer außenliegenden Fluchttreppe. Die Teamräume sind jeweils an der Schnittstelle zwischen zwei Compartments angeordnet. Kurze Wege, eine klare Gliederung und gute Übersichtlichkeit zeichnen die so konzipierten Lernbereiche aus.
Durch die Auflösung des Tragwerks in lastabtragende Stützen kann in den Obergeschossen eine hohe Variabilität hinsichtlich der Raumaufteilung erreicht werden. Bei sich verändernden Anforderungen lässt sich der Grundriss flexibel anpassen, was das Gebäudekonzept zukunftsfähig und damit besonders nachhaltig macht.
Die Sporthallen sind im Osten in einem klar gegliederten Baukörper gestapelt angeordnet. Sie sind sowohl für die Schüler*innen des Neubaus als auch für die Schüler*innen des südlich gelegenen Grundstücks über den Lentner Steig gut erreichbar. Der Umkleidetrakt der Sporthallen mit dem Haupteingang befindet sich an der Westseite des Neubaus und ist somit in Richtung Schulneubau orientiert.
Das Nachhaltigkeitskonzept basiert auf einer integrativen Strategie, die ökologische, ökonomische und soziokulturelle Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Durch den Einsatz langlebiger und recycelbarer Materialien wie Holz, Beton und natürlichen Dämmstoffen wird der ökologische Fußabdruck des Gebäudes deutlich reduziert und zugleich eine spätere Wiederverwertung der Baustoffe ermöglicht. Die gewählte Holzhybridbauweise leistet darüber hinaus einen aktiven Beitrag zur CO₂-Bindung. Ziel ist eine Bauweise, die sowohl zum heutigen Zeitpunkt einen angemessenen und realistischen Ansatz darstellt als auch über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes hinweg eine positive Energiebilanz erreichen kann. Die Stahlbetonbauteile der Fundamente, Deckenplatten und aussteifenden Elemente werden konsequent aus Recyclingbeton hergestellt.
Diese materialbezogenen Maßnahmen werden durch eine umfassende energetische Optimierung des Gebäudes ergänzt. Die begrünten Dachflächen sind großzügig mit Photovoltaikanlagen ausgestattet und ermöglichen eine nachhaltige Eigenstromerzeugung, wodurch die Abhängigkeit von externen Energiequellen deutlich reduziert wird.
In den Obergeschossen kann auf eine mechanische Be- und Entlüftung verzichtet werden. Stattdessen wird ein Low-Tech-Lüftungskonzept umgesetzt: Von jedem Unterrichtsraum führen gedämmte Lüftungskanäle an der Unterseite der Geschossdecken zu senkrechten Schächten. Über eine gezielte Kaminwirkung in Kombination mit steuerbaren Öffnungsklappen an den Fassaden wird eine kontrollierte natürliche Querlüftung der Klassenräume ermöglicht. Diese sorgt während der Unterrichtszeiten für eine kontinuierliche Reduktion des CO₂-Gehalts und unterstützt zugleich die nächtliche Auskühlung des Gebäudes. Die zentral gesteuerte Nachtauskühlung trägt insbesondere in den Sommermonaten zu einem angenehmen Raumklima bei.
In Verbindung mit der Fensterlüftung während der Pausen ersetzt dieses Low-Tech-System eine maschinelle Be- und Entlüftungsanlage vollständig. Die Anordnung der Höfe unterstützt dabei zusätzlich die natürliche Querlüftung.
Auch für die Sporthallen wird konsequent eine natürliche Belüftung verfolgt, um Betriebs- und Wartungskosten nachhaltig zu minimieren. Hierfür sind senkrechte Lüftungsschächte zwischen den Waschräumen und den Galerien vorgesehen, die eine Querlüftung über die Stirnseiten der Hallen ermöglichen. Die Lüftungsklappen der Sporthallen werden bewusst als Dunkelklappen an den Nord- und Südfassaden angeordnet, sodass eine Lärmbelästigung der östlich angrenzenden Wohnbebauung ausgeschlossen wird.
Die kompakte Kubatur beider Neubauten führt zu einem günstigen Hüllflächenfaktor und reduziert den zu erwartenden Energiebedarf erheblich. Insgesamt wird ein klarer Low-Tech-Ansatz verfolgt, der nicht nur die Investitions- und Wartungskosten der Haustechnik senkt, sondern auch die Nutzer*innen aktiv einbindet – etwa durch die Möglichkeit, Fenster situativ und bedarfsgerecht zu öffnen.
Zentrale Wärmestationen jeweils für die Schule und Sporthallen mit Anschluss an der Fernwärme am Lenther Steig werden vorgesehen, die mit niedriger Vorlauftemperatur die Fußbodenheizungen in der Schule und der Sporthalle versorgen können. Auf der Dachfläche werden wechselseitig PV- und Solarmodule vorgesehen, die als „Kraftdach“ aktiviert werden. Die durch die PV-Elemente gewonnene erneuerbare Energie dient zum einen dem Eigenverbrauch, zum anderen wird nicht benötigte Energie in das Stromnetz des städtischen Versorgers eingespeist. Die erforderliche Technikflächen z.B. für die Lüftungsanlagen des Mehrzweckbereichs werden in einem Technikgeschoss im Norden des 3. Obergeschoosses eingehaust und reduzieren somit die Schallbelastung für die umliegenden Wohnbebauungen.
Das Tragwerk der nichtunterkellerten drei- bis max. viergeschossigen Gemeinschaftsschule und der separat stehenden gestapelten Sporthallen ist in einer maximal modularen, vorgefertigten und herstellerunabhängigen wartungsarmen Holz-Beton-Hybridbauweise konzipiert. Durch Drehung und Spiegelung einzelner Gebäudeabschnitte wird ein hoher Wiederholungsgrad erzielt, was sich sehr positiv auf den Bauablauf und die Umsetzungsqualität auswirkt.
Das konsequent einfach konzipierte Tragwerk besteht aus durchgehenden Stützen, Haupt- und Nebenbalken sowie Rippendecken in feuerbeständiger Bauweise und baut auf einem einheitlichen Grundrissraster von 8,40 m x 8,40 m auf. Die Gebäudeaussteifung erfolgt durch Ausbildung von massiven Kernen in Stahlbetonbauweise mit ebenso hohem Vorfertigungsanteil (z.B. Halbfertigteilwände).
Die tragenden Stützen und Unterzüge sind aus entsprechend dimensionierten Brettschichtholzelementen konzipiert, im Erdgeschoss kommen vereinzelt massive Bauteile zum Einsatz. Die Stützenabmessungen sind so gewählt, dass die Haupt- und Nebenunterzüge einfach aufgelegt werden können und der Anteil mechanischer Verbindungsmittel optimal reduziert werden kann. Die vorgefertigten Holz-Beton-Rippendecken tragen im Verbund mittels Kervenverbindungen und werden durch Verguß der Elementstöße zu einer aussteifenden Scheibe ausgebildet. Der Betonanteil gewährleistet neben der Tragfähigkeit und Gebrauchtstauglichkeit ebenso die Anforderungen an den Schallschutz.
Die tragende Konstruktion in den Außenfassaden besteht ebenso aus Stützen und Riegel sowie gedämmten Brüstungen. Im Erdgeschoss kommt eine massive Außenwandkonstruktion zum Einsatz, welche mittels Vorhangelementen versehen wird.
Das größtenteils vorgefertigte Haupttragwerk der übereinander gestapelten Sporthallen besteht aus massiven Stützen und -bindern, zwischen denen eine 16 cm starke Flachdecke spannt. Zur Optimierung des Schwingungsverhaltens der Sporthallendecke zwischen unterer und oberer Halle werden gezielt platzierte Schwingungstilger angedacht. Die Außenwände werden als vorgefertigte Elemente konzipiert. Die Decken des Sozialtraktes bestehen aus konventionellen Flachdecken.
Die Gründung der Gebäude erfolgt gemäß Empfehlungen des Baugrundgutachters.
Der konsequent regelmäßige Aufbau der Schule bedingt, dass im Bereich der Fassade wenige, wiederkehrende Öffnungsformate zum Einsatz kommen können. Das Fassadenschema ermöglicht also einen hohen Vorfertigungsgrad, was sowohl Bauzeit als auch Kosten spart. Die umlaufenden Brüstungen gliedern beide Neubauten in der Horizontalen und bilden somit eine ruhige Verbindung zu den länglichen denkmalgeschützten Wohnbauten der Siemensstadt. Die opaken Fassadenflächen der Obergeschosse werden mittels einer hochgedämmten Holzelementbauweise mit einer hinterlüfteten Verkleidung aus farbigen Profilblechen ausgeführt, während im stärker beanspruchten Bereich des Sockels (Erdgeschoss) gesäuerte Stahlbetonplatten aus Recycling-Beton für Widerstandsfähigkeit und Langlebigkeit sorgen.
Im Innenbereich prägen die natürlichen Materialien Holz und Beton die Raumwirkung und tragen zu einem positiven Innenraumklima bei. Das Schulhaus bietet so ein behagliches Obdach für seine jungen Nutzer*innen.
Das gesamte Schulgelände wird von einem stabilen Stabgitterzaun eingefriedet. Der Hauptzugang befindet sich am Vorplatz im Südwesten des Schulneubaus. Dort befinden sich in unmittelbarer Umgebung sowohl zwei PKW-Stellplätze für mobilitätseingeschränkte Personen sowie zahlreiche Fahrrad-Stellplätze, welche allesamt überdacht werden. Am sekundären Eingang im Südosten, wo sich die Sporthalle befindet, werden ebenfalls überdachte Fahrrad-Stellplätze geplant.
Der Baumbestand des Wettbewerbsgrundstücks kann zu einem Großteil, insbesondere entlang der Grundstücksgrenze, erhalten werden und wird situativ dort ergänzt, wo Pausenflächen gestaltet werden, sodass diese durch zusätzliche Verschattung an Aufenthaltsqualität gewinnen.
Durch die spielerische Kubatur des Schulneubaus, werden umgreifend immer wieder größere und kleinere Nischensituationen geschaffen, welche wiederum verschieden bespielt werden. Im Südwesten handelt es sich um den repräsentativen Vorplatz vor dem Schulbaukörper, im Nordwesten, zusätzlich durch den dichten Baumbestand abgeschirmt liegt der Ruhegarten, im Nordosten am Rande des Pausenhofs werden Lernnischen angeboten und im Südosten befindet sich der Freisitz der Mensa. Weitere Angebote wie Schulgarten, Streuobstwiese und Naturerfahrungsräume finden nördlich der Sporthalle sowie entlang der nördlichen Grundstücksgrenze Platz. Sportliche Betätigung kann im Freien im Bereich zwischen der Schule und der Sporthalle stattfinden, wodurch diese Flächen auch zur Pausennutzung zur Verfügung stehen.
Der Versiegelungsgrad wird unter Berücksichtigung der Rettungs-, Unterhaltungs- und Versorgungswege auf ein Minimum beschränkt, sodass klimawirksame Grünflächen mit differenzierten Gehölzpflanzungen und pflegeleichten Staudenflächen entstehen können. Die befestigten Flächen werden mit zertifizierten, wasserdurchlässigen Betonwerksteinen („Klimasteinen“) auf einem Unterbau aus Recyclingmaterial befestigt. Nach Möglichkeit und Begutachtung der Wiederverwendbarkeit werden Materialien aus dem Rückbau der Bestandsgebäude in das Freiflächenkonzept genutzt. Sämtliches Oberflächenwasser wird auf den extensiv begrünten Retentionsdächern zurückgehalten und gedrosselt zu den erdgeschossigen Grünflächen geführt, wo die Wässer in offenen Mulden verdunsten und versickern können.