AFF Gesellschaft von Architekten mbH
Erläuterungsbericht zum Wettbewerbsbeitrag
»Du wirst dich darauf einrichten müssen, mit Menschen auszukommen, die anders denken als du selbst, und du darfst nicht versuchen sie zu vergewalti- gen oder zu betrügen, um sie zu deiner Meinung zu bekehren.«. - Carlo Schmid
EIN ORT FÜR ALE, INKLUSIV, OFFEN UND ZUKUNFTSFÄHIG
Die Carlo-Schmid-Oberschule versteht sich seit ihrer Gründung im Jahr 1985 als inklusive Schule, die Vielfalt als Stärke begreift. Das Leitbild der Schule „Herausforderungen gemeinsam gemeistert“ prägt das pädagogische Konzept und fördert eine Lernkultur, die sowohl individuelle Förderung als auch Gemeinschaftssinn in den Mittelpunkt stellt.
Trotz dieses fortschrittlichen Konzepts entspricht der bauliche Zustand des Schulgebäudes nicht mehr den Anforderungen eines zeitgemäßen Bildungsortes. Schadstoffbelastete Bauteile, sanierungsbedürftige Strukturen und unzureichende Raumqualitäten schränken die pädagogische Arbeit deutlich ein.
Mit der geplanten Sanierung, Erweiterung und Neustrukturierung soll die Carlo-Schmid-Oberschule zukunftsfähig gestaltet und als innovativer Bildungs- und Begegnungsort weiterentwickelt werden. Dabei steht der sensible Umgang mit dem Bestand, nach dem Grundsatz „Wie viel ist genug?“, im Fokus und verfolgt das Ziel ein offenes und integratives Gebäude mit gemeinschaftsfördernden Atmosphären einer anregenden Wissenskultur zu schaffen.
ARCHITEKTONISCHES UND STÄDTEBAULICHES KONZEPT
Der längliche Bestandsbau mit seinen prägnanten Treppentürmen wird städtebaulich fortgeschrieben und um einen Erweiterungsbau ergänzt. Durch die Rotation des Kopfbaus in Bezug auf den Bestand öffnet sich der gesamte Schulbau zum unmittelbaren Kontext hin und formuliert trotz seiner monolithischen Erscheinung eine einladende Zugänglichkeit ins Außen.
Die Adresse des Schulbetriebs wird durch eine klare Ankunftssituation gestärkt. Einstige Bauteile der Tragstruktur des ehemaligen Nebengebäudes formulieren im Re-Use-Verfahren als Pergola eine großzügige Eingangsgeste vorm Haupteingang des Schulgebäudes. Zudem schafft der Neubau eine zweite, unabhängige Adresse für den öffentlichen Sportverein. Die sich öffnende Typologie des Entwurfes leitet die Nutzenden von der angrenzenden Lutoner Straße wie durch ein Portal vom Schulvorplatz auf das Schul- und Sportgelände und schafft eine klare Abgrenzung vom städtischen Raum zum schuleigenen Kontext.
Die Eigenschaften der identitätsprägenden Merkmale der Schule, ihre markanten roten Treppentürme, werden adaptiert und verstärkt und verleihen dem Gebäude als „rotes Gewand“ seinen neuen, starken Charakter. Zudem ergänzt der Neubau mit der Sporthalle den Bestandsbau als gestaltprägenden Kopf und entwickelt eine unvergleichliche Formsprache. Die Wiederverwendung und Neuinterpretation der Materialressourcen aus dem Schulbestand, vereinen Alt- und Neubau und verstehen sich als Reminiszenz des Vorgefundenen. Vertraute Bilder des Ortes werden aufgegriffen, mit neuen Ansätzen weitergedacht und ermöglichen den Nutzenden über einen prägnanten Ausdruck eine hohe Identifikation mit „ihrer“ Schule.
Das großzügige Öffnen der Erdgeschosszone schafft fließende Raumübergänge von Innen und Außen, schafft spannende Raum- und Blickbezüge und aktiviert so den Ort.
ERSCHLIEßUNG UND ORGANISATION (BARRIEREFREIHEIT)
Über den prägnanten Haupteingang des Schulgebäudes gelangen die Nutzenden in das weitläufige Bestandsfoyer des Hauses. Dieses gestaltet sich als gemeinschaftlicher Versammlungs- und Aufenthaltsort und dient als zentraler und infrastruktureller Verteilungsraum. Westlich öffnet sich der Raum nun zusätzlich in den Außenraum hin. Hier sind die Musikfachräume verortet, welche das Bestandsvolumen auf Erdgeschossebene aufweiten. Östlich gelangen die Nutzenden in den großen Mehrzweckraum sowie die Mensa und Cafeteria. Vom Foyerbereich sind die vier Treppentürme des Schulgebäudes zu erreichen. Diese dienen als dezentrale Erschließungselemente, verbinden alle Geschosse miteinander und sind zusätzlich die Fluchtwege des Gebäudes.
In den Regelgeschossen des Schulgebäudes sind die Stammgruppenräume der SEK I und II sowie die Teilungs- und Teamräume organisiert. Hier konnte ein Großteil der Bausubstanz qualifiziert und erhalten und die Raumqualität der Unterrichtsräume dank deren Aufweitung und minimaler baulicher Maßnahmen verstärkt werden.
Großzügige, geschossübergreifende Lichthöfe brechen den Bestandskörper auf und lassen viel Tageslicht in die ehemaligen Dunkelzonen des Gebäudeinneren strömen. Die Lichthöfe ermöglichen gemeinschaftsstiftende Blickbeziehungen sowie Raumaufweitungen zwischen den einzelnen Geschossen und verbinden diese so miteinander. Sie werden zu den zentralen Elementen des Hauptgebäudes, generieren durch ihr helle Atmosphäre hohe Aufenthalts- und Lernqualitäten und verleihen dem alten Bestand einen ungeahnt offenen Charakter.
Alle Regelgeschosse führen fließend in den Erweiterungsbau über und verbinden Alt und Neu im Gebäudeinneren scheinbar unmerklich.
Der Erweiterungsbau bildet an der Westseite den neuen Gebäudeabschluss und nimmt interdisziplinär sowohl die Fachräume als auch die Sporthalle in sich auf. Auf Erdgeschossebene setzt sich die Erweiterung vom Bestandsbau ab und generiert sowohl eine zweite Adresse für die Öffentlichkeit als auch eine großzügige Eingangsgeste auf das hintere Schulgelände. Der neue Gebäudeteil öffnet sich ebenerdig zum Außenraum und ermöglicht den dort befindlichen WAT-Räumen eine Aufweitung ins Außen.
Die Fachräume orientieren sich im Gebäudeinneren um ein zentrales Atrium. Dieses schafft, ähnlich der Lichthöfe im Bestand, ein verbindendes Moment zwischen den Geschossen und generiert eine gemeinschaftsstiftende Lernatmosphäre.
Im oberen Gebäudeteil verortet sich die dreiteilige Sporthalle. Diese wird sowohl vom Schulbetrieb als auch vom öffentlichen Sportverein genutzt und wird über die beiden Treppenkerne des Hauses erschlossen. Öffentlichkeit und Schule finden hier zusammen und die Carlo-Schmid-Oberschule wird zum lokalen Ort des Austauschs.
MATERIALITÄT, FASSADENGESTALT UND KONSTRUKTION
Das übergeordnete Ziel des Bauvorhabens ist die größtmögliche Wiederverwendung der vorgefundenen Baustoffressourcen. So wird die rückgebaute Hülle, die Waschbetonplatten des ehemaligen Nebengebäudes aufgearbeitet, farblich behandelt und als Zuschnitte zur neuen Fassade des Erweiterungsbaus wiederverwendet. Der Charakter des Bestandsgebäudes wird über den Erweiterungsbau fortgeschrieben und die vermeintlich veraltete Fassade somit nachhaltig und dauerhaft interpretiert.
Die schadstoffbelasteten Fenster des Bestandgebäudes werden durch neue Aluminiumfenster ersetzt, die farblich den „roten“ Ausdruck des Hauses und somit die unverwechselbare Gebäudeidentität komplimentieren.
Die Sporthalle grenzt sich mit einer pigmentierten Holzfassade als Gebäudeabschluss vom restlichen Gebäude ab und lässt von Außen ihre funktionale Differenz erkennen.
Auch im Gebäudeinneren gilt es möglichst viel Bausubstanz zu erhalten und dennoch gänzlich neue Aufenthalts- und Lernatmosphäre zu etablieren. Bestehende Linoliumbodenbeläge sowie Raster-Abhang-Decken werden erhalten, Tragkonstruktion teilweise freigelegt und durch neue Holzeinbauten an Wand und Decken ergänzt.
NACHHALTIGKEIT, WIRTSCHAFTLICHKEIT UND ENERGIEEFFIZIENZ
Ziel des Energie-, Klima- und Nachhaltigkeitskonzepts des Entwurfes ist die Entwicklung eines ökologisch und ökonomisch optimierten Schulgebäudes, das höchste Ansprüche an Komfort und Behaglichkeit erfüllt, minimale CO₂-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus verursacht, im laufenden Betrieb wirtschaftlich funktioniert und damit dauerhaft nachhaltig ist.
Der Entwurf der Carlo-Schmid-Oberschule legt neben der Wiederverwendung der Bestandsbaustoffe, besonderen Fokus auf den Einsatz kreislauffähiger Materialien und CO₂-Einsparungen. Wesentliche Faktoren sind hierbei die Holzkonstruktionen aus lokalen Ressourcen mit einfachen Fügungen.
Reversible Fassadenkonstruktionen, die den Rückbau oder die Weiterverwertung berücksichtigen, sind ebenfalls ein zentraler Aspekt. Schraub- und Klemmverbindungen sollen zum Einsatz kommen und erlauben eine flexible Anpassung und Wiederverwertung. Darüber hinaus gewährleisten robuste Oberflächen und solide alternde Materialien eine alterungsfähige Ästhetik und Beständigkeit des Gebäudes.
Explizit der Erweiterungsbau verfolgt eine nachhaltige, energieeffiziente und kompakte Bauweise. Dieser Ansatz lässt sich nur erreichen, indem die konzeptionelle Betrachtung der Nachhaltigkeitsfaktoren wie Baustoffauswahl, Energieeffizienz, Tageslichtverfügbarkeit, Biodiversität, Flächenausnutzung und Wirtschaftlichkeit betrachtet und in diesem Entwurf aufeinander abgestimmt werden. Durch ein effizientes, schlankes Konzept der Gebäudetechnik lässt sich die Energieeffizienz erhöhen. Dies wird ergänzt durch architektonisch-konstruktive Maßnahmen, wie der natürlichen Belichtung und Belüftung.
LANDSCHAFTSPLANERISCHES KONZEPT
Die Außenanlagen sind ein wesentlicher Bestandteil des schulischen Lebensraums und stehen in direkter gestalterischer und funktionaler Wechselwirkung mit dem Neubau. Ziel ist es, eine inklusive und vielfältig nutzbare Freiraumstruktur zu schaffen, die das schulische Miteinander im Außenraum unterstützt. Zentraler Aufenthaltsbereich ist der südlich des Schulgebäudes gelegene Pausenhof. Zwei Erschließungsachsen spannen sich zwischen Schulgebäude, Sporthalle und den angrenzenden Sportfreiflächen entlang der Lutoner Straße auf. Diese sogenannte „Two-in-One“-Lösung gliedert den Eingangsbereich in die zwei Adressen:
• Zugang Sportflächen über einen Vorplatz mit Schulpasserelle zur Sporthalle,
• Zugang Schulgebäude über einen großzügigen Vorplatz vor dem Schulfoyer.
Ein verbindender Stichweg mit Fahrradstellplätzen schafft eine funktionale und strukturelle Verbindung beider Vorzonen.
Der Rückbau des Nebengebäudes auf dessen Tragstruktur schafft neue Freiräume im Außenbereich. Der ursprüngliche Schulhof im Zwischenraum von Haupt- und Nebengebäude weitet sich auf und öffnet sich weitläufig über die Tragstruktur zu den öffentlichen Sportfreiflächen. Die bestehende Tragstruktur definiert die Freiflächen in verschiedene, intimere sowie großräumigere, Atmosphären. Die Struktur wird als Möglichkeitsraum begriffen und steht den Schüler*innen zur kreativen Aneignung zur Verfügung. Neben dem zentralen Pausenhof ergänzen thematische Freiraumbereiche wie Ruhe-Inseln, Sportangebote (Beachvolleyball, Calestenik, Lerninseln, Pausenpavillions, Maker Spaces, eine Spitztribühne und eine Schulbühne das Angebot. Diese Zonen sind durch Wege und Stege miteinander verknüpft. Der Schulgarten in der südöstlichen Grundstücksecke bleibt weitgehend im Bestand erhalten.
Als Regenwasserkonzeption wird im Sinne einer nachhaltigen Gestaltung der Schulfreianlagen wird das Prinzip der „Schwammstadt“ angewendet. Das Dach- und Oberflächenwasser wird auf dem Schulgrundstück über biologisch aktive Flächen zur Versickerung gebracht. Dabei werden die versiegelten Flächen über Höhenausbildung in die Grünflächen entwässert. In ähnlicher Weise wird das Oberflächenwasser des Pausenhof in die Baumrigolen und die Kiesrigolenkörper unterhalb der befestigten Flächen abgeleitet. Die Dachflächen erhalten ein extensiv begrüntes Retentionsdach mit einer Einstauhöhe von 2 cm. Das anfallende Regenwasser auf den Dächern wird gedrosselt abgegeben und über Fallrohre, geschlossene und offene Rinnen in die Kies- und Baurigolen, als auch offene Versickerungsmulden mit einer Einstauhöhe von 15 cm geführt. Bei Regenwassereinstau in den Versickerungsmulden im Vorbereich der Schule ermöglichen die Platz- und Aktivitätsinseln die Erlebbarkeit des Wassers. Partiell müssen in den die Versickerungsmulden und Baumrigolen die anthropogenen Auffüllungen ausgebaut und durch Boden mit einer Qualität von Z0 und versickerungsfähigen Füllboden ersetzt werden.
Das Überflutungsschutzkonzept sieht vor, das Oberflächenwasser der befestigten Flächen in die benachbarten Grünflächen abzuleiten, die topografisch so ausgebildet sind, dass das zusätzliche Wasser rückgehalten werden kann. Auf dem Vorplatz und Pausenhof werden die Baumrigolenbeete 10 cm vertieft eingebaut, um zusätzliches Wasser rückzuhalten. Das Wasser auf den Dächern wird in den Retentionsboxen zurückgehalten und später gedrosselt in die Versickerungsmulden abgegeben.
Die schützenswerten Bestandsbäume bleiben zu 90 Prozent erhalten und werden ergänzt mit einer großen Vielzahl an zukunftsfähige Klimabaumarten. Das Grundanliegen bei der Auswahl der neu zu pflanzenden Bäume ist eine sehr hohe Diversität an Baumarten die Wahl von Arten zu erhalten, z..B. die Ungarische Eiche (Quercus frainetto), Gleditschie (Gleditsia triacanthos ‘Skyline’), die Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia), die Kupfer-Felsenbirne (Amelanchier lamarckii), den Amberbaum ‘Gum Ball’ (Liquidambar styraciflua ‘Gum Ball’) oder den Maulbeerbaum (Morus alba ‘Fruitless), um eine resiliente Antwort auf mögliche Ausfälle durch Schädlingsbefall oder andere Faktoren einzelner Arten zu generieren und anhaltenden Trockenphasen, Extremwetter wie Starkregen, temporäre Staunässe oder extremer Hitze zu wiederstehen. Die Mischung verschiedener Baumarten verfolgt das Ziel, die Resilienz gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels und den potenziellen Befall durch Schadorganismen zu erhöhen.
BAUPHASEN
In Bezug auf die Baustellenplanung, Logistik und damit verbundene Interimskonzeptionen sind hohe organisatorische Anforderungen zu bewältigen, da der Schulbetrieb während des gesamten Umbaus fortgeführt wird. Die Interimskonzeption der Sanierung sowie Erweiterung gliedert sich in drei Bauphasen.
Phase 1 — Herstellung Neubau
Zu Beginn erfolgen die Einrichtung der Baustellenfläche, Baugrunduntersuchungen, Bodenaustausch sowie die Herstellung der Baugrube. Anschließend wird der Erweiterungsbau mit Fachräumen und Sporthalle sowie die Erweiterungen am Bestand inklusive notwendiger Umbauten errichtet.
Die angrenzende Verwaltung zieht vorübergehend in den eingeschossigen Interimscontainer 2 (I2). Klassen- und Fachräume werden in den dreigeschossigen Interimscontainer 1 (I1) mit WC-Anlagen verlegt. Eine klare Trennung zwischen dem westlich gelegenen Baustellenbereich und dem östlichen Schulbetrieb ist gewährleistet.
Das bestehende Nebengebäude sowie die aktuelle Sporthalle bleiben bis zur Fertigstellung des Neubaus in Betrieb. Phase 1 endet mit der temporären Inbetriebnahme des Neubaus.
Phase 2 — Sanierung des Bestandsgebäudes
Mit Beginn der Sanierung wird die Baustelleneinrichtung (BE) in den grau markierten Bereich verlagert. Der Kran wird vor dem ehemaligen Schuleingang positioniert. Für den sicheren Zugang zur Mensa muss die bestehende Baustraße überbaut werden – vorgesehen ist eine Lösung mit Treppe, Gang und weiterer Treppe. Die genaue Wegeführung ist noch abzustimmen. Dieser Zugang stellt die einzige Verbindung vom Schulgelände zur Mensa dar. Der restliche Baustellenbereich wird durch Bauzäune abgegrenzt, inklusive eines Tores für die Feuerwehrzufahrt zu Interimsbauten, Sporthalle, Nebengebäude und Sportplatz.
Interimscontainer 1 (I1) verbleibt mit ca. 750 m² Nutzfläche. Interimscontainer 2 (I2) wird auf drei Geschosse aufgestockt und erhält dadurch eine zusätzliche Fläche von rund 900 m².
Phase 3 — Abbruch
Der Abbruch erfolgt über die weiterhin genutzte Baustraße. Die Trennung zwischen Baustellen- und Schulbereich bleibt bestehen – jedoch sind nun die Nutzungsbereiche und der Baustellenbereich im Vergleich zu Phase 2 vertauscht.
Die Interimscontainer werden nicht mehr benötigt, da die Sanierung der Mensa idealerweise in den Ferien stattfindet. Die Zuwegung zum Sport- und Pausengelände ist eingeschränkt und nur über die linke Seite des Geländes erreichbar. Ggf. bleibt ein Teil eines Interimscontainers erhalten, um bei Bedarf als Ausweichquartier für die Mensa zu dienen.
Die Baustelle wird durch einen Bauzaun abgegrenzt und bietet Platz für BE-Container, WC-Container, Material- und Entsorgungscontainer sowie einen Kran. Baustraßen und Zuwegungen werden angelegt, wobei eine konsequente Trennung von Baustellenverkehr und Schulbetrieb erfolgt.
Ein Teil des bestehenden Parkplatzes kann ggf. weiterhin genutzt werden – die Zuwegung erfolgt dann ausschließlich über die Straße. Die Möglichkeiten der Baustelleneinrichtung sind unter Berücksichtigung der Vegetation und notwendiger Baumschutzmaßnahmen noch im Detail zu prüfen.
ENERGETISCHES KONZEPT
In der Entwurfsentwicklung wurde der Einsatz lokaler und regenerativer Ressourcen und Energiequellen priorisiert. Der Low-Tech-Ansatz des Gebäudes zielt darauf ab, technische Systeme zu reduzieren, indem natürliche Belüftung sowie die Austauschbarkeit und Zugänglichkeit von TGA-Komponenten bevorzugt werden.
Die Nutzung der thermischen Speichermasse der Bestandskonstruktion, die Planung einer intensiven Dachbegrünung sowie natürliche Verschattung und Kühlung tragen zur Energieeffizienz und Biodiversität bei. Die Erhaltung des Baumbestands und die stark reduzierte Entsiegelung im Außenbereich fördern die Bepflanzung sowie die biologische Vielfalt, welche unmittelbar Teil des architektonischen Konzeptes sind.
KONZEPTION DER TECHNISCHEN AUSRÜSTUNG
Allgemeine Einschätzung der bestehenden Anlagentechnik (KG 400 übergreifend)
Die technische Gebäudeausrüstung des Bestandsgebäudes wurde über die Jahre kontinuierlich gepflegt. Dennoch befindet sich ein Großteil der Systeme – nach aktueller Einschätzung – am Ende ihrer wirtschaftlichen und technischen Lebensdauer. Einige Komponenten sind bereits außer Betrieb, andere nicht mehr an heutige Nutzungsanforderungen und energetische Standards angepasst. Aus diesem Grund wird ein vollständiger Rückbau der bestehenden TGA vorgesehen. Die Erneuerung erfolgt auf Basis des aktuellen Standes der Technik unter Berücksichtigung von Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Schulbaurichtlinien. Ein Schwerpunkt liegt auf energieeffizienten, wartungsarmen Lösungen gemäß dem Low-Tech-Ansatz: Technik nur dort, wo sie sinnvoll und notwendig ist.
Abwasser-, Wasser- und Gasanlagen
Die vorhandenen Trink- und Schmutzwasseranschlüsse werden grundsätzlich weitergenutzt, jedoch hinsichtlich Dimensionierung und Bedarf angepasst. Insbesondere der vorhandene Trinkwasserhausanschluss erscheint überdimensioniert und kann im Ist-Zustand hygienische Risiken (z. B. durch Stagnation) bergen. Zur Sicherstellung der Trinkwasserhygiene wird ein minimalistisches Versorgungskonzept umgesetzt. Die meisten Zapfstellen erhalten lediglich eine Kaltwasserversorgung. In Bereichen mit erhöhtem Warmwasserbedarf – wie z. B. Lehrküchen oder Ausgabeküchen – sind dezentrale Frischwasserstationen vorgesehen. Geringe Warmwasserverbräuche werden über elektrische Durchlauferhitzer abgedeckt. Stichleitungen werden vollständig vermieden, um hygienische Anforderungen dauerhaft einzuhalten.
Wärmeversorgungsanlagen
Das Gebäude ist über einen kürzlich ertüchtigten Fernwärmeanschluss versorgt. Dieser wird beibehalten und künftig sowohl das Bestandsgebäude als auch in Teilen die Spitzenlast des Neubaus abdecken. Ziel ist eine Reduktion der Systemtemperaturen durch den Einsatz großflächiger Heizflächen (z. B. Flächenheizung, Niedertemperaturkörper) und eine energetische Ertüchtigung der Gebäudehülle. Dadurch lassen sich Vor- und Rücklauftemperaturen signifikant absenken, was die Energieeffizienz erhöht und den Anforderungen des Fernwärmeversorgers hinsichtlich Primärenergiefaktor und Rücklauftemperatur entspricht. Der Fernwärmeanschluss bleibt somit zukunftssicher, offen für hybride Nutzungskonzepte und wirtschaftlich im Betrieb.
Raumlufttechnische Anlagen
Die vorhandenen raumlufttechnischen Anlagen sind technisch veraltet, teilweise nicht mehr funktionsfähig oder entsprechen nicht mehr den Anforderungen an Luftqualität, Energieeffizienz und Wartungsfreundlichkeit. Geplant ist ein kompletter Rückbau und Ersatz durch moderne, bedarfsgerechte Lüftungslösungen. Für Aula, Mensa und Küchenbereiche kommen zentrale Zu-/Abluftanlagen mit Wärmerückgewinnung zum Einsatz. In den Unterrichtsräumen wird ein Hybridlüftungskonzept umgesetzt, das sich am realen Nutzungsverhalten orientiert:
• 20 m³/h pro Person mechanisch
• 16 m³/h pro Person natürlich über Fensterlüftung oder Lichthöfe
Dadurch kann die CO₂-Konzentration im Tagesverlauf eingehalten werden, ohne die Anlagentechnik zu überdimensionieren. Abwärmepotenziale (z. B. aus Küchen, Sanitärabluft oder Abwasser) sollen über Wärmetauscher und Frischwasserstationen zur Warmwasserbereitung genutzt werden. Steigender Kühlbedarf: Um auf zunehmende sommerliche Überwärmung zu reagieren, wird ein Low-Tech-orientiertes Kühlkonzept vorgesehen, z. B.:
• Freie Nachtkühlung über RLT-Anlagen mit Bypass-Funktion (ohne Wärmerückgewinnung)
• Nutzung thermisch aktivierter Bauteile (Betonkernaktivierung, falls möglich)
• Beschattung, sommerlicher Wärmeschutz, thermische Trägheit durch Gebäudemasse
Starkstromanlagen
Der bestehende Netzanschluss bleibt erhalten und ist nach aktueller Bewertung ausreichend dimensioniert, auch im Hinblick auf den Erweiterungsbau. Zur Senkung des Strombezugs werden Photovoltaikanlagen auf geeigneten Dachflächen des Bestandsgebäudes vorgesehen. Durch die Unterbringung von RLT-Technik im Untergeschoss ergeben sich zusätzlich nutzbare PV-Flächen auf dem Dach. In ausgewählten Bereichen (z. B. Lehrerzimmer, Flure) wird eine tageslichtabhängige Beleuchtungsregelung vorgesehen. Zusätzlich werden zentrale Ausschaltfunktionen implementiert, um den Standby-Verbrauch außerhalb der Nutzungszeiten zu reduzieren.
NEUBAU. ERWEITERUNGSBAU MIT SCHÜLERWERKSTÄTTEN UND SPORTHALLE
Abwasser-, Wasser- und Gasanlagen
Die Versorgung des Neubaus erfolgt über die haustechnischen Netze des Bestandsgebäudes. Auch hier wird konsequent das hygienisch optimierte Konzept aus dem Bestand übernommen:
• Nur Kaltwasser an üblichen Entnahmestellen
• Warmwasser dezentral über elektrische DLE oder Frischwasserstationen (z. B. Lehrküche, Sporthallenduschen)
• Keine Stichleitungen
Wärmeversorgungsanlagen
Der Neubau erhält ein hybrides Wärmekonzept: Es wird ein Teil der Wärmeversorgung über regenerative Energiequellen realisiert – z. B. durch eine Wärmepumpe mit Erdsonden oder Luft/Wasser-System in Verbindung mit einer PV-Anlage oder Solarthermie. Die regenerative Versorgung deckt die Grundlast, während die Fernwärmeleitung aus dem Bestand die Spitzenlastversorgung übernimmt. Die Verteilung erfolgt über großflächige Heizsysteme (Sporthalle z.B. Fußbodenheizung, Deckenstrahlplatten), die niedrige Systemtemperaturen ermöglichen. Das Konzept ist modular und ausbaufähig für zukünftige Anforderungen.
Raumlufttechnische Anlagen
In den Klassen- und Fachräumen des Neubaus sowie in Sanitär- und Duschbereichen der Sporthalle kommen zentrale RLT-Anlagen mit Wärmerückgewinnung zum Einsatz. Auch hier wird das Hybridlüftungskonzept umgesetzt:
• 20 m³/h mechanisch
• 16 m³/h natürlich
Zusätzliche Lüftung über Lichthöfe verbessert die natürliche Querlüftung. Die Sporthalle selbst wird im Sinne des Low-Tech-Ansatzes primär über natürliche Lüftung (Querlüftung, Oberlichter, manuelle Fensterlüftung) belüftet. Abwärme aus Lehrküchen, Werkstätten (WAT-Bereich) und Sanitärbereichen wird über Wärmerückgewinnung zur Warmwasserbereitung verwendet (z. B. Frischwasserstationen in Sporthallenduschen).
Steigender Kühlbedarf: Der Neubau wird mit passiven und hybriden Kühlkonzepten ausgestattet:
• Gezielte Nachtlüftung über die RLT-Anlage
• Temperaturgeführte Fensterlüftung
• ggf. thermische Bauteilaktivierung für temporäre Kühlleistung
• sommerlicher Wärmeschutz (Verschattung, Verglasung, Dämmstandard)
Starkstromanlagen
Die Niederspannungsversorgung des Neubaus erfolgt über den vorhandenen Anschluss des Bestandsgebäudes. Die Anschlusskapazität wird nach aktueller Abschätzung als ausreichend bewertet. Zur Eigenstromversorgung wird eine PV-Anlage auf dem Dach des Neubaus installiert. In Klassenräumen, Sporthalle und Werkstätten ist eine tageslichtabhängige Lichtsteuerung vorgesehen. Eine zentrale „Licht-aus“-Funktion reduziert den Energieverbrauch außerhalb der Nutzungszeiten.
FAZIT 7 TGA-GRUNDPRINZIPIEN
• Low-Tech-Ansatz: Technik wird auf das notwendige Maß reduziert – robuste, wartungsarme Systeme mit klarem Fokus auf Wirtschaftlichkeit im Betrieb.
• Energieeffizienz & Nachhaltigkeit: Umsetzung hybrider Lüftungssysteme, regenerative Wärmeerzeugung, PV-Eigenstromnutzung, Wärmerückgewinnung, Niedertemperaturstrategien, Kühlkonzepte ohne Kältemaschinen.
• Zukunftsfähigkeit: Die TGA ist modular und erweiterbar. Perspektivisch ist die Einbindung zusätzlicher regenerativer Systeme, Speichersysteme oder Digitalisierungselemente vorgesehen.
• Betriebsoptimierung: Die Anlagen sind wartungsfreundlich konzipiert. Überdimensionierung wird bewusst vermieden, Betriebszeiten und Regelstrategien sind bedarfsgerecht ausgelegt.
BRANDSCHUTZ
Der Erweiterungsneubau wird im Bereich des Übergangs zum Bestandsgebäude durch eine Brandwand abgetrennt. Innerhalb des gesamten Gebäudes werden – soweit möglich – brandschutztechnisch zusammenhängende Compartments gebildet, sodass die zentralen Gemeinschaftsflächen flexibel nutzbar bleiben. Bei Ausstattung der Compartments mit automatischen Brandmeldern sind zusammenhängende Compartmentgrößen von bis zu 800 m² genehmigungsfähig. Alternativ kann auf automatische Brandmelder vollständig verzichtet werden, wenn die Compartments durch zusätzliche Brandschutztüren an zentralen Stellen in kleinere Cluster unterteilt werden.
Der Neubau erhält eine geschossübergreifende Halle im Bereich zwischen dem 1. und 2. Obergeschoss. Für alle an diese Halle angrenzenden Unterrichtsräume steht ein zweiter Rettungsweg zur Verfügung, der an der Halle vorbeiführt. Die maximal zulässige Rettungsweglänge von 35 m bis zum nächstgelegenen Treppenraum wird eingehalten. Darüber hinaus kann jedes Compartment nach maximal ca. 25 m Lauflänge verlassen werden.